Nach dem Fremdgehen bei The Siege (2023) vereinigt Stand Your Ground erneut und zu Recht die Macher und Schaffer von Last Man Down (2021), dem Einstieg des Bewusstseins des norwegischen Gewichthebers Daniel Stisen in die filmischen Abgründe auf; dort ein Einzelkampf gegen ehemalige Kameraden, deren unlauteres Spiel man nicht mehr mitmachen wollte, das Porträt eines Einzelgänger und eine an COVID-19 gemahnende Geschichte, und hier:
Der eigentlich hochdekorierte, aber wegen Befehlsverweigerung unehrenhaft aus der Armee entlassene Jack Johnson [ Daniel Stisen ] hat sich zusammen mit seiner hochschwangeren Frau Morgan [ Roxi Kravitz ] ein Haus auf dem Lande zugelegt, wo man das kommende Kind großziehen will. Allerdings bekommen sie merkwürdige Kaufangebote anonymer Weise, die sie vom Sheriff Dwayne Miller [ Patrick Regis ] übermittelt bekommen, dahinter steckt der schwerreiche Bastion [ Peter Stormare ], welcher eines Abends auch seine drei Söhne Leon [ Michael Billington ], Derek [ Blair London ] und Mikey [ Dylan Wilson ] auf das ahnungslose Pärchen loslässt, was in einer Katastrophe endet, trotz Eingreifens des vor dem Grundstück in einem Camper hausenden Earl [ Eric Roberts ]. Jack schwört ebenso Rache wie Bastion, der Erstere wendet sich auch an seinen Schwager Joe [ Phillip Ray Thomas ].
Mit heftigen Gewehrfeuer beginnt man auch hier, wieder eine fehlende Chronologie, wieder mit Rückblenden und Vorblenden gespickt, diesmal internationaler noch gehalten, durch 'Landsmann' Stormare auch populärer, wieder eher in der Abgeschiedenheit spielend, schon zu Beginn vom Sheriff ein 'friendly advice', ein Sarkasmus, eine Warnung, ein Drohen, schon sechs Jahre vorher. Ein trautes Heim soll abgegeben, soll verkauft werden, von Seiten des Interessenten zumindest, die Eigentümer sind nicht so interessiert, es ist das Elternhaus, der Sheriff wird als 'Uncle Tom' bezeichnet', es gibt sonst keine Afroamerikaner in der Stadt, die Frau die Einzige, es gibt noch mehr merkwürdige Dinge, auffällige Sachen. Stisen hat den Bart hier etwas kürzer, er presst seine Sätze immer noch hervor, er kann immer noch nicht schauspielern, deswegen leiht aber auch keiner seine Filme aus. Ein Kind ist am Kommen, man sucht die Nähe zu Schwager und Schwester, man fühlt sich dort wohler, die Gegend ist besser. Kurz vor dem letztlichen Entscheid und der Katastrophe trifft Stisen noch auf Eric Roberts, der zweite Hollywoodstar an seiner Seite, eine Hochglanzproduktion vergleichbar hier; das Angebot des Kaufens ist vom Tisch, die örtliche Militia treibt ihr faschistisches Spielchen, selbst vor Hochschwangeren wird nicht haltgemacht, Stisen hier eingangs ebenso wehrlos wie zu Beginn von Last Man Down, nur zuschauend, nur den Tod hinnehmend, keine Helden-, eher eine Rächerfigur.
Warum die Geschichte sechs Jahre dauert und in Anspruch nimmt, kann man sich bald denken, nicht so sehr, warum hier gleich mehrfach die Amerikanische Flagge weht, eher ein Hohn, eine Xenophobie hier, ein schwelender Rassismus, Gewalt folgt auf Gewalt arrangiert, vorher ein bisschen über das Gesetz diskutiert und philosophiert. Stormare ist mittlerweile der neue Willis, könnte man meinen, bei Off the Grid (2025) schon mehr in die Aufnahmen hineingeschnitten als tatsächlich anwesend, kleine Auftritte, die wichtig sind für das Gesamtwerk, aber nicht allzu viel Arbeit verlangen, ein paar Dialoge, ein paar Monologe, garantiert schnelle Verkaufszahlen, ein rascher Vertrieb in die Welt hinaus. Stisen spielt hier einen Ex-Special Forces, das kommt später noch zur Sprache, zur Aktion, zur Gegenwehr und Racheaktion gebracht, ein Rückblick nach Afghanistan auch eingeschaltet, "Disobeying orders", "Let me take care of them.", ein Gerichtsprozess, ein Haft absitzen, ein Schwelen und Brüten in negativen Gefühlen, "Fuck the law", eine große Klappe hinterher, gegenseitig aufeinander gewartet, der Protagonist und der Antagonist, der mit dem wenig Geld und der Haftstrafe und der mit einer Privatarmee und einem eigenen schönen, mit Pool bestückten Haus.
Das ist ein wenig besser gehandhabt als der andere Film, er hat ein paar richtige Darsteller, er hat manchmal etwas auszudrücken und auszusagen, mal wird auch ein trauriger Blick in die Kamera geworfen, die Haft hat man ansonsten zum Pumpen genutzt, den Bizeps erweitert und die Nackenmuskulatur. Traurig ist es eigentlich nur um Roberts, seine Rollen, die er mittlerweile annehmen muss, die Haare etwas zu lang, die Projekte nicht seinem Talent und Können würdig, zu gut für einen kleinen Cameo, er bräuchte seine eigenen Hauptrollen, mehr als das Marschieren durch Matsch. Zeit wird nach den sechs Jahren jedenfalls nicht verschwendet, die Täter gesucht, die Namen hat man schon, für ein Bier in einer Kneipe vorher reicht es noch, gesunde Kalorien, wenn in Maßen genossen, sich Mut angetrunken, herumgelaufen in Trainings-, in Schnellfickerhosen. Der erste Angriff erfolgt so heimtückisch wie die Attacke auf das Haus, hinterrücks, die Darsteller wieder aus der lokalen Muckbibude gecastet, die Narrative eine Art Death Wish, auch der mit Willis, der neue, nicht der alte, auf Simplizität gedrillt. Eh die Action losgeht, dauert es hier auch eine Weile, keine sechs Jahre, aber gefühlt zumindest, wird sich eingedeckt mit Zutaten und Materialien, mit Waffen und Arsenalen, dann nochmal eine Drohung, auf Länge hier, auf Laufzeit gegangen, auf Zwiegespräche im Dunkeln, auf Wiederholungen.
Auf Folter wird gegangen, siehe Death Wish (2018) dort nur ausführlicher, hier in der Imagination, dazu ein paar Flüche ausgesprochen, ein erster frischer Toter per Scharfschützengewehr, dann eine Stürmung, eine Reaktion per Pumpgun, dem einen armen Schergen das Gesicht weggeschossen, weiterhin der Vergangenheit nachgehangen, ein Drama mehr als ein Thriller, Mann und Frau, Vater und Sohn, ein erneuter Angriff, eine erwartete Reaktion, der Ausbau des Hauses zu einer Bastion, einmal oder zweimal werden sogar so etwas wie Zwischentöne gezeichnet, in dem Hinauszögern des Showdowns, da war der 'Vorgänger' aber schon weiter. Hier wie dort sind die Actionszenen noch das Beste, die Stuntleute hoffentlich weiter oben in der Gehaltsliste, wird auf Landminen getreten und in Handgranaten gerannt, werden Langhanteln auf einen abgeworfen und ein Inferno aus abgefeuerten Patronen und explodierenden Gläsern voll mit Nägeln veranstaltet. Selbst die Polizei wirkt irgendwann mit, mischt mit, wird der ganze Film nur auf das Finale hin anvisiert, ein langes geschäftig Tun, Betriebsamkeit vorgetäuscht, Ausflüchte gebracht und gebraucht, Minimalismus wie Pyun in der Neuzeit, in der Montage sitzt auch der Mann für die Slowmotion bereit.