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Entfernt fühlt man sich doch mal wieder an die Ausgangssituation von „Stirb langsam 2“ erinnert, wenn ein Einzelgängerpolizist um Weihnachten ein paar Gangstern die Stirn bietet. Jedoch ist der spanische Thriller unter der Regie von Daniel Calparsoro nicht so sehr auf Spektakel ausgelegt, sondern lebt eher von der leicht klaustrophobisch anmutenden Stimmung.

Madrid, kurz vor Weihnachten: Nur noch zwei Jahre bis zur Pensionierung, doch Polizist Leo (Antonio Resines) steckt beruflich und privat in Schwierigkeiten und nun auch noch im Stau auf der Autobahn. Ein gewaltiger Schneesturm hat den Verkehr nahezu lahm gelegt, was vier Gangster nutzen, um einen Geldtransporter zu überfallen und eine Geisel zu nehmen. Da Leo just vor Ort ist, nimmt er sich der Sache an und erhält unverhoffte Unterstützung von der jungen und ehrgeizigen Polizeianwärterin Mikaela (Natalia Azahara), die zufällig so heißt, wie das soeben vorherrschende Schlechtwettertief…

So ein Schneesturm ist für spanische Verhältnisse ein bislang eher seltenes Szenario, weshalb der Aufbau der Geschichte deutlich an klassische Katastrophenfilme angelehnt ist. Vier separat eingeführte Handlungsstränge kreuzen sich binnen kurzer Zeit auf der verschneiten Autobahn, während die Angestellte der städtischen Verkehrsbehörde anhand diverser Kameraüberwachungen der Guardia Civil behilflich sein kann.

Actionmomente werden kurz und knackig eingebunden, zuweilen geht es auch ein wenig blutig zu, doch der Fokus liegt klar bei den Jägern, während die vier Gangster figurentechnisch eher eindimensional bleiben. Natürlich geht es beim ungleichen Ermittlerteam um die Kontraste zwischen jung und alt, um Ehrgeiz und Frustration, wogegen sich in der Verkehrsbehörde ein Techtelmechtel anbahnen könnte. Dies lenkt jedoch nicht zu sehr von den gut verteilten Temposzenen ab, da der Vorsprung der Täter wetterbedingt nie allzu groß ist.

Leider folgen der eher ungewöhnlichen Prämisse keine inhaltlichen Überraschungen, das anspruchslose Treiben wird schnörkellos und zumeist temporeich vorgetragen, gleiches gilt für die stilsichere Inszenierung, die sich im Verlauf primär auf Spurensuche und Verfolgung konzentriert. Darstellerisch sticht speziell Routinier Resines positiv hervor, mit Azahara bildet er eine taugliche Chemie, so dass man es mit angenehm geerdeten Charakteren zu tun hat.

Während die verschneite Atmosphäre durchweg punktet und sich der sauber abgestimmte Score angenehm zurückhält, hätte es im Verlauf ein paar spannende Konfrontationen mehr geben dürfen, wonach der Showdown etwas zu unspektakulär abgehandelt wird.
Was bleibt, ist ein handwerklich versierter Genrevertreter, dem es unterm Strich ein wenig an Ecken und Kanten fehlt, der jedoch über die Laufzeit von 90 Minuten recht solide unterhält.
6,5 von 10  



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