Review

iHaveCNit: Im Schatten des Orangenbaums (2025) – Cherien Dabis

Deutscher Kinostart: 20.11.2025

gesehen am 08.01.2026

Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Petit – Reihe 1, Platz 5 – 20:15 Uhr

Im Jahr 1988 wird der junge Noor im Westjordanland bei einer Demonstration schwer verletzt. Viele Jahre später erzählt seine Mutter Hanan die Geschichte der Familie, die weit ins Jahr 1948 zurückreicht, als die in Jaffa lebende Familie mit der Übernahme Israels fliehen musste und vom Vater Sharif, der auf den Orangenhain aufpassen wollte, getrennt wurde. Ereignisse, die sich tief in das Gedächtnis der Familie, ins Gedächtnis von Sharif, ins Gedächtnis seines Sohnes Salim und des jungen Noors einbrennen.

Aus dem Jahr 2025 wollte ich noch unbedingt einen Film nachholen, bevor ich mich komplett auf 2026 einlassen und fokussieren kann. Cherien Dabis „Im Schatten des Orangenbaums“, der auch Jordaniens Beitrag für die kommende Oscar-Verleihung ist, ist ein durchaus episches und auch intimes Familiendrama, dass vor allem aus der Sicht einer palästinensischen Familie von den Ereignissen, Auswirkungen und Folgen des Konfliktes zwischen Israel und Palästina erzählt und sich dabei auf Schlüsselereignisse der Familie in unterschiedlichen Zeitebenen der Jahre 1948, 1978, 1988 und 2022 erzählt. Das Drama der Familie kann durchaus an die Nieren gehen, einen emotional mitreißen und berühren und durchaus in der Portraitierung der Folgen mit Flucht, Gefangenschaft, Krieg, Unterdrückung, Kolonialisierung sehr harte, filmische Kost anbieten. Es ist durchaus interessant, wie hier zum einen immer wieder Menschlichkeit durchsickert und auch der Glaubenskonflikt klar Teil mancher wichtiger Entscheidungen im Film ist. Der Film selbst kann es sich in manchen Situationen und auch in der Darstellung einfach machen und naiv wirken, aber eine weitere Sache kann auch ein Schwachpunkt und großer Kritikpunkt des Films sein. Der Punkt, der vor allem soweit ich das oberflächlich beurteilen kann, von jüdischen Gemeinschaften ausgeht, ist dass der Film durch die Wahl seiner Perspektive durchaus den Israel-Palästina-Konflikt sehr einseitig mit klarer Einteilung in Gut und Böse betrachtet und wenig Raum für Differenzierung lässt. Dennoch bleibt der Film durchaus sehr sehenswert.

„Im Schatten des Orangenbaums“ - My First Look – 8/10 Punkte





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