Review

Voller Leidenschaft - aber ohne Seele?!

Neben vielleicht nur den lovecraftigen „Mountains of Madness“ gibt’s glaube ich kaum ein Traumprojekt, dass Guillermo Del Toro näher am Herzen liegt als „Frankenstein“. Nun durfte er genau dies für Netflix verwirklichen und unübersehbar aus dem Vollen schöpfen, wenn er Mary Shelleys legendäre Gothic-Grusel-Mär über Leben, Leichen und Liebe spektakulärer denn je auf die Leinwand bzw. in unsere Heimkinos zaubert. Und zumindest in Sachen „dick auftragen“ lässt er selbst Branagh, De Niro und ihren theatralischen, von mir wenig geschätzten Kitsch aus den 90ern alt aussehen…

Liebreizende Leichenteile

„Frankenstein“ ist zweifellos einer der imposantesten und hübschesten Filme, die dieses Jahrzehnt (!) erschaffen wurden. Was Del Toro hier audiovisuell auftrumpft ist über jeden Zweifel erhaben. Sehr viel handgemacht, mit hochwertigstem CGI verbunden, tolle Sets und Kostüme. In dieser Beziehung lässt sich diese 2025er-Version echt nicht lumpen und ist ein feuchtes Träumchen für Gothic-Horror-Fans. Nur leider schafft es Del Toros Großprojekt nie ganz mich zu fesseln und emotional abzuholen, was bei „Shape of Water“ oder „Frankenstein“ (1931) noch ganz anders war, die beide bei mir sehr effektiv und einfach die emotionale Klaviatur antippen. Hier ist das Gegenteil der Fall. Und das nicht (nur) weil er zu kitschig oder zu lang oder zu steif wirken mag. Sondern dazu gesellen sich noch inhaltliche Schönheitsfehler wie fragwürdige Subplots (Victors Lovestory), (k)eine monotone Spannungskurve, teils maßloses Overacting und eine gewollt-emphatische und zu hochtrabende Aura, die es einfach nicht zuließ sie zu durchdringen und das Teil als (meine) Herzensangelegenheit zu begreifen. Vielleicht/Hoffentlich geht’s da anderen anders. Vielleicht geht’s mir sogar bei weiteren Sichtungen anders. Audiovisuell hätte er's verdient, Del Toro als Typ und Visionär eh. Schon schade, dass es „Frankenstein“ (2025) durch seine Streaming-DNA wohl nie als 4K-Disc geben wird. Trotz aller inhaltlicher Fragwürdigkeiten würde ich ihn mir allein aufgrund seiner Schönheit glaube ich vom Fleck weg kaufen. Aber so ist das nunmal heutzutage. Vielleicht verspielt er so sogar diese Möglichkeit in meinem Ansehen und meiner Sympathie zu wachsen. 

Fazit: Bei Frankenstein bleibe ich glaube ich lieber bei dem Universal-Klassiker (und seiner Braut)… Selbst mit diesem opulenten Mammutwerk und Passionsprojekt von Del Toro werde ich nicht allzu warm. Trotz audiovisueller Königsklasse. Viel Respekt - wenig Liebe von mir. 

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