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Laut eigenem Bekunden wollte Guillermo del Toro schon lange eine eigene Verfilmung von Mary Shelleys bekannter Romanvorlage auf die Leinwand bringen. Diesen Wunsch hat er sich nun erfüllt, das Ergebnis lässt mich leider nicht so begeistert zurück, wie ich es mir bei der Kombination aus dem Regisseur und dem Stoff erhofft habe. Die Geschichte behält del Toro im Kern bei, dennoch wird man mit nicht wenigen Änderungen konfrontiert. Personen wurden hinzugedichtet, Charaktere und Schauplätze verändert, Eigenschaften und Ablauf der Geschichte ebenso. Als klassische Romanverfilmung fällt „Frankenstein“ somit durch.

Als Interpretation der Vorlage, versehen mit der künstlerischen Freiheit des Filmschaffenden, ist das Werk allerdings auch nicht durchweg gelungen. Das liegt vielleicht an der nicht immer glücklichen Besetzung, Oscar Isaac und Mia Goth wollen nicht so recht in die ihnen zugedachten Rollen passen. Vielleicht ist es auch die trotz der ausufernden Laufzeit mangelnde Figurenentwicklung. Sinneswandel passieren plötzlich, die Hauptfigur bleibt stets ein besessener Unsympath, manch poetisch geschriebene Dialogzeilen werden den Handlungen der Figuren untereinander nicht gerecht. Vielleicht ist es auch das Design der Kreatur selbst. Wenig ansprechend mit seinen Linien wirkt sie durch del Toros zu liebevollen Blick ent-monstert. Sie ist mehr wie eine Figur aus einer Comicverfilmung mit diversen Superkräften und eine memorable Erweckungssequenz, wie sie sonst gerne zelebriert wird, verwehrt der Film seinem Publikum. 

Auch die Präsentation beschneidet die Immersion. Nicht nur die immer etwas tief stehende Kamera irritiert, Greenscreens und Set-Erweiterungen aus dem Rechner bleiben sichtbar und produzieren oft genug kein organisches Bild. Nie wirkt die Natur natürlich, selbst wenn sie sie es eventuell ist. Praktische Effekte und Bauten andererseits sind gelungen und geben den jeweiligen Szenen die notwendige Haptik. 
Und vielleicht sind es eben auch die Änderungen, die den Kern der Geschichte zwar noch sichtbar lassen, für mich aber meist nicht funktionieren und wie ihr eigenes zusammengetackertes Monster wirken. Hinzugedichtetes wirkt oft unnötig und obwohl sich auch hier noch die Fragen nach Einsamkeit und dem Menschsein finden, schafft es del Toro für mich trotz der ausgedehnten Laufzeit nicht, die der Geschichte innewohnende Wucht zu transportieren. Besser zieht sich da der Score von Alexandre Desplat aus der Affäre. Dieser spielt sich immer mal wieder ins Ohr und funktioniert auch ohne die Bilder.

„Believing something does not make it true.“

Eine weitere Verfilmung der bekannten Vorlage, del Toro passt diese an seine Ideen an und liefert mal mehr, mal weniger hübsche, aber nie ikonische Bilder.

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