MISSION OF JUSTICE
Während „Nu Image“ und „PM Entertainment“ die B-Action-Fans meist mit einer gesunden Mischung aus Martial Arts, Shoot-Outs, Explosionen und Verfolgungsjagden verwöhnten, wurden Anhänger purem Kampfsports oftmals auch bei Werken von „Film One“ oder „Image Organization“ fündig! So auch bei MISSION OF JUSTICE, dem unabhängigen Finale der MARTIAL LAW-Reihe…
Polizist Kurt Harris (Jeff Wincott) und seine Partnerin Lynn Steele (Karen Sheperd) halten die Strassen von Eastgate unter ausgiebigem Einsatz ihrer Martial Arts-Fähigkeiten sauber. Nach einem tätlichen Angriff auf seinen Vorgesetzten wird Kurt jedoch vom Dienst suspendiert. Als sein bester Freund - der Boxchampion Cedric Williams (Tony Burton) - brutal ermordet wird, macht Kurt auf eigene Faust Jagd auf den Mörder.
Währenddessen gewinnt die „Mission of Justice“ immer mehr Ansehen in der Bevölkerung. Die Martial Arts-Schule unter der Leitung von Dr. Rachel K. Larkin (Brigitte Nielsen) holt junge Schläger und Straftäter von der Strasse, bildet diese zu so genannten „Peacemakern“ aus und lässt sie zum Wohl der Bevölkerung lichtscheues Gesindel vermackeln.
Im Verlauf seiner Ermittlungen tritt Kurt der „Mission of Justice“ bei, da er hinter der heilen Fassade eine Verbrecherorganisation vermutet, welche zu allem Übel auch noch für den Mord an seinem Freund verantwortlich zu sein scheint. Dr. Larkin, welche gerade für das Amt des Bürgermeisters kandidiert, will den Ex-Cop sogar für ihren Wahlkampf einsetzen. Doch ein Anderer steht dem Neuzugang misstrauisch gegenüber: Dr. Larkins Bruder Titus (Matthias Hues)… seines Zeichens Kampfmaschine und wahrer Mörder von Cedric Williams…
MISSION OF JUSTICE ist ein Martial Arts-Krimi in bester „Image Organization“-Tradition: Autor und Produzent Pierre David, Martial Arts-Choreograph Jeff Pruitt und Hauptdarsteller Jeff Wincott sind ein eingespieltes Team und so fällt es zu keiner Zeit auf, dass Stammregisseur Kurt Anderson seinen Posten dieses Mal an Steve Barnett weiterreichte und nur als Co-Produzent und 2nd-Unit-Director beteiligt war!
Wer ausufernde Crash- und Explosionsorgien (Speed Rage, Human Timebomb) oder SciFi-Szenarios (Expect no Mercy, TC 2000) erwartet, wird schrecklich enttäuscht werden! Wer hingegen hauseigene Werke wie BOUNTY TRACKER, MARTIAL LAW 2 und MARTIAL OUTLAW kennt, der weiß, was ihn bei MISSION OF JUSTICE erwartet!
Während die meisten der zahlreichen Martial Arts-Duelle eher kurz ausfallen und der Kampf zwischen Tony Burton und Matthias Hues hauptsächlich durch Gewalt (z.B. Hände brechen) punktet, überzeugen zwei Konfrontationen auf ganzer Linie:
Wincotts Aufnahmeprüfung zum „Peacemaker“ ist eine der längsten Stickfighting-Sequenzen, die jemals in einem Martial Arts-Film festgehalten wurde! Nachdem sich Jeff durch einen ganzen Gang voll mit schlagstockbewaffneten Bad Guys geprügelt hat und bei den meisten Gegnern sogar noch Zeit für besonders fiese Schlag- und Trittkombinationen und Zeitlupentreffer fand, kann man es kaum noch bis zum nächsten Schlagabtausch abwarten!
Die Säuberungsaktion in einer illegalen Autoschieberwerkstatt geriet dann ebenso ausgiebig und sehenswert: In der Rolle eines „Peacemakers“ darf auch Jeff Pruitt zeigen, dass er nicht nur fantastisch choreographieren kann, sondern auch als Darsteller, Kämpfer und Stuntman eine ausgezeichnete Figur macht! Auch kommen hier diverse Waffen (z.B. Bohrmaschine, Leuchtstoffröhre und Shotgun) zum Einsatz, wobei damit stilsichererweise weder hirnlos herumgesplattert, noch übertrieben herumgemordet wird!
Leider folgt auch der Showdown auf dem Gelände der Martial Arts-Schule einer alten „Image Organization“-Tradition: Das Finale kann mit den vorangegangenen Kämpfen nicht mithalten! Obwohl mit „Karen Sheperd vs Cyndi Pass“ und „Jeff Wincott vs Matthias Hues“ mindestens zwei interessante Duelle dabei sind, bekommt man die Credits doch recht zügig zu Gesicht und stellt den Film dann leicht unbefriedigt in die Sammlung zurück!
An dieser Stelle möchte ich einmal eine Lanze für Jalal Merhi und seine Schmiede „Film One“ brechen: Zu deren Spitzenzeiten (Expect no Mercy, Talons of the Eagle, TC 2000) war es egal, wie oft und hart im Verlauf des Films bereits gefightet wurde… das Finale hat immer noch einen draufgesetzt und mehr als der gesamte Rest des Films gerockt!
MISSION OF JUSTICE lässt sich insgesamt gesehen mit MARTIAL OUTLAW auf dieselbe Stufe stellen: Ein düsterer, harter und (für Genreverhältnisse) sehr reeller Martial Arts-Krimi! Die Darsteller fähig, wie auch sympathisch; die Action bodenständig, aber dennoch ausgiebig; der Showdown recht kurz und leider leicht enttäuschend! Ohne diesen finalen Ausrutscher hätten wir mal wieder ein richtig schönes Martial Arts-Highlight erleben dürfen!
In Deutschland lediglich als indiziertes, verstümmeltes VHS erhältlich… im Rest der Welt als Grabbeltisch-DVD für lächerliche 5 Euro! Aber wem erzähle ich das jetzt eigentlich… ;)
7/10 Punkten, diBu!