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Der pazifistische Jim Slade kehrt nach dem Krieg aus dem Militärgefängnis heim, nur um seine Eltern ermordet vorzufinden. Er lernt den Umgang mit dem Colt und macht sich auf, die Bande zur Rechenschaft zu ziehen. In Galveston lässt er sich zu diesem Zweck sogar als Sheriff anheuern.


Ein Colt für 100 Särge ist ein Italowestern von Umberto Lenzi, der eine eigentlich reizvolle Mischung aus Rachegeschichte und abseitigen Figuren aufbietet, daraus aber zu wenig Interesse generiert. Lenzi, der später vor allem durch seine deutlich härteren Poliziotteschi- und Kannibalen-Filme bekannt wurde, zeigt sich hier noch vergleichsweise zahm.

Der Film ist sauber inszeniert, die Bilder passen, die Schauplätze funktionieren, handwerklich gibt es wenig zu meckern. Nur leider reicht „solide“ hier nicht aus, denn Hauptdarsteller Peter Lee Lawrence bleibt viel zu blass, um über die gesamte Laufzeit zu tragen. Und auch wenn die Motivation seiner Figur nachvollziehbar ist, so ist es der Wandel zum schnellen Gunslinger keineswegs. Sein Filmpartner John Ireland spielt den predigenden Revolvermann Douglas charismatisch und mit erheblich mehr Präsenz als Lawrence.

Die Rachegeschichte selbst läuft weitgehend nach bekannten Mustern ab, ohne nennenswerte Überraschungen oder Höhepunkte. Das größte Alleinstellungsmerkmal ist die Gruppe der Insassen eines Sanatoriums, die mangels Alternativen in den Gefängniszellen sitzen. Diese Figuren haben etwas skurriles und sorgen zumindest punktuell für Momente, die aus dem üblichen Italowestern-Einerlei herausstechen. Genau hier hätte der Film ansetzen können, um größeres Unbehagen oder echte Eskalation zu erzeugen, stattdessen geht dieses Intermezzo viel zu schnell vorüber. Es fehlt insgesamt an klarer Entwicklung, an Steigerung, weil Lenzi die Prämisse nicht konsequent zuspitzt. Entsprechend bleibt vieles auf einem konstant mittelmäßigen Niveau hängen


Ein handwerklich solider, aber unspektakulärer Italowestern mit interessanten Ansätzen, die jedoch kaum ausgeschöpft werden. Die „Irren“ und ein gut aufgelegter Ireland können den insgesamt trägen Film aber nicht retten.

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