Review

Was war das denn? Ich muss das Ganze mal etwas sacken lassen. Ein holländischer Genremix. Gangster-Roadmovie, Vergangenheitsbewältigung, Posttraumatische Belastungsstörung, eine Reise in die Nacht, Fieberwahn nach Zeckenbiss, Rechtsnationalisten, Kirmes-Schausteller, ein buckeliger Opa und die Suche nach der goldenen Krone. Klingt verrückt.

Der Reihe nach: Der Kleinkriminelle Jos ist auch mit 55 Jahren noch immer der Verlierer und hat bei seinem Ganoven-Klan mächtig Schulden. Durch seinen zukünftigen Schwiedersohn Özgür kommt er in Kontakt mit einem arabischen Gangsterklan, für die er eine Geldübergabe erledigen soll. Durch einen Zeckenbiss und das daraus entstandene Fieber aber ausser Gefecht gesetzt, geht der Deal furchtbar schief. Sein Bruder ersticht einen der Gegner, er selbst fällt ihn Ohnmacht. Als er aufwacht ist sein Bruder mit dem Geld verschwunden. Zusammen mit Özgür und seinem buckeligen schwerkranken Vater macht sich Jos auf die Suche nach seinem Bruder, in der Hoffnung, durch die Rückgabe des Geldes die eigene Liquidierung verhindern zu können. Dabei durchstreift er so einige Eckpunkte seiner Vergangenheit, was eine lange zurückliegende Schuld in ihm erweckt. Fortan ist er nicht nur auf der Suche nach dem Geld, sondern auch nach seiner persönlichen Erlösung. Das Trio trifft dabei auf Gaukler, Reichsbürger und einen mysteriösen Geschäftsmann in seiner Villa.

Handwerklich ist der Film absolut in Ordnung. Gute Kamera, kunstvolle Bilder und interessante Figuren. Störend ist die krächzende Erzählerstimme aus dem Off (Klang nach der Thalbach) und die Synchronstimme unseres Helden. Die klingt nämlich etwa so wie die von Sid aus Ice Age, weswegen man den Charakter auch in den ernsten Passagen nicht ernstnehmen kann. Gespielt wird er übrigens vom gleichen Schauspieler, wie auch der Bösewicht in "Speak No Evil" - da kommt man nie drauf - welch eine Wandlungsfähigkeit!

Was den Film von anderen Produktionen abhebt - gleichwohl positiv wie negativ - ist die Skurilität der Handlung und der Figuren. Einerseits ist das schon trashiger Quatsch, andererseits kann man dem Ganzen ein hohes Maß an Kunst nicht absprechen. Das liegt dann wohl auch im subjektiven Auge des Betrachters, ob es gefällt oder abstößt. Vielleicht wollte der Regisseur in satirischer Weise mal mit gewissen gesellschaftlichen Problemen in den Niederlanden, woher der Film kommt, abrechnen. Ist meiner Meinung nach nicht gelungen, die Trash-Note überwiegt dann doch erheblich. Trotz der zu langen Laufzeit kann man den Film aber einen gewissen Charme nicht absprechen.

Aber Vorsicht, das ist schon sehr abgedreht und sehr individuell und passt in keine bekannte Schiene. Mir wars 6 Sterne wert, aber das ist so ein Film, wo zwischen Null und Zehn alles drin ist.

Kleiner Nachtrag: Komisch, nach einer Woche war der Film bei Prime sang- und klanglos verschwunden....

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