Review

Anders außerirdisch

Pixars "Elio" erzählt von dem titelgebenden kleinen Waisenjungen, der nach dem Tod seiner Eltern arge Probleme hat sozialen Anschluss und wieder einen Weg zurück ins "normale" Leben zu finden. Er wünscht sich als riesiger Raumfahrtfan nichts sehnlicher als von Außerirdischen entführt zu werden. Und als dies wirklich geschieht, findet er endlich Zugehörigkeit, Akzeptanz, Sinn, eine Aufgabe - und das abgespace'te Abenteuer seines Lebens...

Gefühlt befindet sich Pixar seit einiger Zeit im Kampf mit sich selbst und seinem Status als wegweisendes Animationsstudio. Und dem Erfolg bei den Massen. Vor allem abseits bekannter und weiterhin mega erfolgreicher Marken wie "Inside Out" mit starken, aber kaum in der Allgemeinheit hängengebliebenen Titeln wie "Soul", "Onward" oder "Elemental". Das erinnert fast an Disney in den 2000ern mit "Atlantis" oder "Treasure Planet". Ich bin sehr gespannt, ob sich Pixar aus diesem "Loch" kreativ herauskämpfen kann - bzw. eher die Menschheit aus dieser Trägheit fast nur Bekanntes zu verzehren, das dafür aber dann in rauen Massen... Aber ich schweife ab. Zurück zu "Elio" und seinem Abenteuer im All. Das ist nämlich ein weiterer "guter" Pixarfilm. Ob das genug ist? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine völlig losgelöste und unterhaltsame Zeit hatte ich in jedem Fall mit ihm, selbst wenn er für mich deutlich hinter sowas wie "Luca" zurückfällt. Seine Stärken sind dennoch unverkennbar - trotz berechenbarer Spannweite, Message und Story. Die außerirdischen Wesen und Welten glänzen, leuchten, lispeln, sprießen äußerst kreativ und... weird. Fast ein kleiner Drogentrip. Dem kleinen Elio gönnt man den Anschluss. Es gibt durchaus dunkle, für Kinder fordernde Momente. Der elektronische Score erinnert fast etwas an Videospiele ("Astro Bot", anyone?). Und das Tempo ist ideal. Es gibt wie gesagt erstaunlich viele aggressiv trippige Visuals, ansteckend positive Synchronsprecher (habe ihn auf englisch gesehen), ein paar Sci-Fi-Easter Eggs (aber ohne, dass sie zu aufdringlich eingebaut werden) und die Energie befindet sich irgendwo zwischen alten westlichen Sci-Fi-Animationsserien und Animes im All - für eine neue Generation fusioniert und in Zucker garniert. Daher kann und will ich über "Elio" nicht meckern. Ohne dass er mich wegbläst und obwohl ich etwas mehr erwartet hatte. Erhofft hatte, muss man mittlerweile bei Pixar fast sagen... Ein bisschen predigend und "late to the party" wirkt "Elio" schon.

Fazit: Hübsches, buntes, süßes und nett gemeintes Sci-Fi-Abenteuer, das aber dennoch nur an der Oberfläche einstiger Themen, Tiefe und Tragik von Pixar kratzt. Trotzdem angenehm wegzugucken - der Anspruch sollte hier aber eigentlich ein höherer sein...

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