"I didn’t have a big TV until the kids pushed me to get a big TV. I started watching old westerns. A lot of John Wayne westerns, a lot of classics. Rio Bravo, The Man Who Shot Liberty Valance, Rio Lobo. It’s been a real pleasure. They don’t do these movies anymore. Today’s movies try to be too serious, too depressing. The pace is too slow. I’m not saying everything back then was good, especially the Italian movies. Too hokey. You get a good one like The Great Silence. The story is in the genre, but it goes in a different direction. I’m watching these movies now and I’m really enjoying them."
~ Isaac Florentine
Lange auf dem Abstellgleis gehaltener Actionthriller unter der Ägide von Isaac Florentine, wobei der Film aufgrund der Besetzung selber wie auch Florentines Vorgänger Hounds of War (2024) naturgetreu seine Aufmerksamkeit auf dem Markt der entsprechenden Klientel erreichen dürfte und auch erreicht hat, die Werbung bzw. Ankündigung des Produktes lange im Vornherein und dann auch sehnlichst erwartet. Einen ersten Dämpfer gab es nach der Sichtung des Trailers, deutete dieser doch recht einfach gehaltene Bilder ohne viel Wirkung an und eine sattsam bekannte Geschichte, welche allein durch die aufgefahrenen Darsteller um Lang, Keitel, Lundgren und Co. ihren Reiz hat, großartige Actioneinlagen wie zu früheren Glanzzeiten von Florentine, dessen letzter Ausstoß sowieso höchst durchschnittlich war, verspricht das Marketing tatsächlich nicht:
Tief im tiefsten Texas. Ein durchreisender Landstreicher [ Stephen Lang ] sucht im entlegenen Rondo eine Mahlzeit und einen Rastplatz, für denen er auch bereit und sogar willig ist zu arbeiten, von den meisten der eher weniger sesshaften Leute er aber gleich weggeschickt wird oder zumindest vorgewarnt, einzig der gehbedinderte Owen [ Chris Mullinax ], der zusammen mit seiner Tochter Lena [ Scottie Thompson ] den lokalen Saloon betreibt, nimmt den Mann, einen Kriegsveteranen und früheren SEAL auf. Dabei stößt er schnell auf wenig Gegenliebe vom örtlichen Sheriff Wiley [ Dolph Lundgren ] und dem auch vermehrt an Lena interessierten Clyde [ Michael Sirow ], Sohn des amtierenden Stadtherren Jeremiah [ Harvey Keitel ], der grenzübergreifend einen Drogenhandel betreibt. Als sich der vermeintliche Tagedieb als hartnäckiger als üblich erweist, schaltet Jeremiah, der gerade eine Transaktion mit Salvadore [ Maurice Compte ] plant, seine rechte Hand Zeke [ Johnny Yong Bosch ] zum Ausputzen ein.
"To free the town, he'll start a war", bereitgestellt von Saban Films, wie so oft in der jüngeren Zeit nahezu alleinig fast zuständig für die Bedarfserfüllung, dazu mit Transparency Media und Convergence Entertainment Group u.a. die Partner, gut ein Dutzend Studios, viele kleinere Firmen hier zusammengelegt für das Budget, obwohl diese nicht allzu noch sein dürfte angesichts des eingeschränkten Kundenstamms und der zu erwarteten mäßigen Rendite. In Rondo, Texas beginnt das Geschehen, wir schreiben 1988, die Buchhaltung wird gemacht und die Aufräumarbeiten, der Tag beendet statt in Ruhe wie geplant mit dem Einfall von Drohung und Bedrohung, von vollzogener Warnung, vom Auftreten in gefährlicher Masse, von der Überwältigung einer einzelnen Frau und eines Mannes im Rollstuhl, das Dröhnen auf der Tonspur, die schwelende Prophezeiung, der Neunzigminüter angerissen mit dem ersten üblen Vorzeichen. Ein Saloon wird heimgesucht, Country & Western aus der Jukebox, eine Familie im Visier der üblen Burschen. Ein moderner Western, ein Western Noir, ein Actionkrimi im Westerngewand, angesetzt als Mischung aus Pale Rider – Der namenlose Reiter (1985) und Mein großer Freund Shane (1953), Texas wie es leibt und lebt. In der Mitte Amerikas hier gehandhabt, aus dem Frieden und der Freiheit der Vereinigten Staaten, der good ol' US of A hier die feindliche Übernahme, die Attacken auch und vor allem gegenüber den Wehr- und Schutzlosen. Ein Drama in den ersten Minuten, das Anrufen von Gott und dessen Hilfe, dann der entsprechende Retter in der Zeichnung, der heraneilende Ritter, ein Fußmarsch in die Stadt, der Asphalt flirrend, ein weiter Weg, aber kein Schritt zuviel gemacht und dies mit später erkennbarer Absicht. Lundgren selber wird als "with" aufgezählt, Keitel als "and", absehbar deren Mitwirkung, eher im Kleinen und Präzisen als im Ausschweifenden, die Kamera von Ross W. Clarkson dafür mit Verhältnismäßig kräftigen, zuweilen auch das Panorama ausnutzenden Bildern, die fruchtvolle Natur, die ärmliche Gegend, das ehrliche Schaffen für den schnöden Mammon, das Geld hier schwer verdient und wenig vorhanden trotzdem. Ein Geschäft wird eingangs gemacht, Arbeit für den Zuverdienst, Arbeit für die Mahlzeit, dazu hilfreiche Hinweise an den noch Durchreisenden, welcher dann bleibt angesichts der Probleme, welcher sich wohl fühlt in der Misere und damit Schluss macht und beendet, die Aufgaben des Sheriffs teilt und übernimmt.
Lundgren als Gesetzeshüter, mit einem kleinen Schnurrbart ausgestattet und der Hand am Halfter zur Sicherheit, das erste Gespräch bereits aufschlussreich und die Erzählung antreibend, überschaubare Kommunikation mit durchaus präzisem Spiel allen voran der älteren Genossen im Set und Setting, die Väter und Veteranen hier vorstellig, die Routiniers, die gestandenen Mimen, dem Ganzen Wichtigkeit beigebend und Bedeutung, dazu auch mal Klassik angespielt. Die Zeichnung eines besonderen Städtchens, weitab vom Schuss gehalten und dennoch bald von Munition gefüllt, das übliche A-Team Szenario eigentlich und hier nur im zeitgenössischen und gleichzeitig permanent Bestand habenden Gewand. Ein Motel gibt es hier und eine Fabrik, Neuankömmlinge sind entweder nicht vorhanden oder werden gleich vergrault, die Übernachtung kostet 20 USD und das Leben oft, die Tyrannei herrschend und die Diktatur. Ein Mann oben in der Hierarchie, die Anderen seine Angestellten, seine Schergen, seine Handlanger und die gedungenen Mörder, eine gebrochene Hand als erste Gewalttat. Lang dabei im Mittelpunkt des (ursprünglich für Nicolas Cage angedachten) Geschehens, Lang (auch) wie geschaffen für die Rolle und die zentrale Position, letztens auch wieder mit Aufwind in der Karriere, im Kino gewesen, anders als die ihn Umgebenden. Ein minimalistischer Darsteller, eine ebensolche Figur, ein ebensolches Areal und die entsprechende Inszenierung. Florentine erschafft hier mehr Interesse als seine anderen jüngeren Arbeiten, dem Hounds of War und dem Seized - Gekidnappt (2020) auch vor allem, ansonsten etwas außer der Übung geraten und abseits von Aufträgen, nicht gerade überschwemmt mit Projekten, der Name bekannt und gefragt von früher. So wird erst Wert auf die Feststellung der Werte der Guten und der Bösen hier gelegt, auf händisches Tun, auf kleine Tätigkeiten, um das Erschaffen und Reparieren von Dingen, auf Stimmungsmache und dann die Absolution. "Well now, who in the hell do we have here?" wird so gefragt und die Antwort bald gegeben, die Konfrontation gestrickt, die Anleihe und die Steigerung, "the man's handy", das schale Bier im kleinen Glas und ohne Krone gereicht zum Schummerlicht. So raschelt das Drehbuch und knarzt das Holz, klickern Geschirr und Besteck, werden die Worte bedächtig ausgesprochen und gedanklich vorher formuliert, zieht das Unwetter auf und der Donner, eine Wiederholung im Aufbau, ein Hinauszögern der potenziellen Gefährlichkeit, das erste Drittel langsam, nicht gänzlich ohne Anspannung und Aufmerksamkeit. Die Geldscheine werden einzeln abgezählt, alles Einer, so in etwa wird auch das Budget gewesen sein.
Genutzt hat man es für das Personal, tatsächlich, dazu eine Rückblende aus dem Krieg, ein Vietnamkriegsgeschehen eingeblendet, der Hinterhalt am Fluss, die blutigen Einschüsse, die Wunden schlecht verheilt, die Bibel noch als letzter Beistand und Ratgeber. Eine schon willkommene Solidität wird hier erschaffen, viele kleine Reparaturen gegen ebenso kleine Penunzen, "the damned place is falling apart", eine Griffigkeit und Bodenständigkeit in den Aufnahmen, anders als die dünnen bis unangenehm oberflächlichen Arbeiten der Paramount Distribution in Zusammenarbeit mit Republic Pictures. Ein überschaubarer Radius, eine kleine Gruppierung, ein "real simple" in der (September 2022 um Little Rock, speziell in Cleburne County, Arkansas abgedrehten) Geschichte, dann der Sprung über den Tresen als Startschuss der Konsequenzen, das Waffenarsenal dafür extra eingeflogen, dann die Tätigkeit der Second Unit, eine Autoverfolgung auf staubiger Landstraße, die Stunts gediegen, aber echt, die Darsteller selber vor der sichtlichen Rückprojektion; mittig dafür versucht eine kleine Plansequenz samt Verstecken und Beschuss auch, das erste filmisches Zeugnis. Soviel zu spärlichem Interesse an der Erzeugung der eigenen Aufmerksamkeit, spät, sehr spät, aber nicht zu spät auch mal was vom einstigen Effekt-Regisseur und dessen grundsätzlicher Vorliebe für das hiesige Genre gezeigt. Ein Saloonmassaker und ein Küchenkampf mit allerlei denkbaren und undenkbaren Utensilien ist immerhin schmerzhaft genug eingefangen um zu wirken, um zu erwecken, Lichtpunkt Bosch darf final sogar etwas Martial Arts und zeitlupenaffine Sprünge und Stürze bringen.