Nach dem Krebstod seiner Frau machte sich B-Actionregisseur Isaac Florentine rar, inzwischen dreht er wieder häufiger, weshalb weniger als zwei Jahre zwischen „Hounds of War“ und „Hellfire“ vergingen. Beiden Filmen ist aber ist allerdings auch die Krise des Genres anzusehen: Machte sich „Hounds of War“ die Steuervergünstigungen am Drehort Malta zunutze, so bestehen die ersten zwei Minuten von „Hellfire“ quasi nur aus den Logos der zahlreichen Produktionsfirmen, die das nicht gerade üppige Budget zusammenkratzten.
Angesiedelt ist der Film im Jahre 1988, was erzählerisch weder zwingend noch gewollt wirkt. Vielleicht hielt Drehbuchautor Richard Lowry es für wahrscheinlicher, dass ein Städtchen in der Zeit vor Internet und Handys unbemerkt im Griff von Drogendealern sein kann. Genau das passiert nämlich in dem Wüstenkaff Rondo, in dem Jeremiah (Harvey Keitel) die Fäden zieht. Sein Sohn Clyde (Michael Sirow) führt sich als Kronprinz auf und hat auf ein Auge auf Lena (Scottie Thompson) geworfen, die Tochter des Barbesitzers Owen (Chris Mullinax). Dass diese seine Avancen nicht erwidert, geht Clyde am Allerwertesten vorbei. „Hellfire“ ist ein Western im moderneren Actiongewand, in der nun ein Drogen- anstelle eines Räuber- oder Viehbarons über die Stadt herrscht, aber die Gängelung und Knechtung der Bewohner, die ist geblieben.
Eine Westernplotte, die gern ins Actiongenre übersetzt wurde, ist jene des Fremden, der in eine derart geplagte Kleinstadt kommt und dort aufräumt – von „Best of the Best 3“ über „Stranger“ bis hin zu „Homefront“. Wie in „Für eine Handvoll Dollar“ und Co. ist es ein Fremder ohne Namen (Stephen Lang), der sich Vorstellungsrunden ausweichend antwortet oder den Begriff „Nomada“, also Nomade, als Eigennamen wählt. Viele wollen ihn schnell abwimmeln, Sheriff Wiley (Dolph Lundgren) macht dem vermeintlichen Landstreicher klar, dass er ihn nicht mehr in der Stadt sehen will – eine Parallele zu „Rambo“, ahnt man angesichts des Genres doch schon, dass mehr hinter der abgerockten Fassade des modernen Nomaden stecken muss.
Owen ist der Einzige, der den Fremden gern in der Stadt hat und für Hilfsarbeiten anstellt. Als Clyde und seine Goons sich im Beisein von Nomada mal wieder daneben benehmen, greift dieser ein – mit schweren Folgen. Denn der Fremde landet auf der Abschussliste, was in einem Privatkrieg mündet…
Die Ambitionen von „Hellfire“ sind sichtbar gering, eine Melange aus Western- und Action-Motiven bekannter Facon. Natürlich schaukelt sich der Konflikt zwischen dem Namenlosen und den Schurken auf, bis es zum Showdown kommt, mit Verlusten auf allen Seiten. Florentine inszeniert das Ganze gekonnt in staubigen Bildern, aber arg gemächlichem Tempo. Ein Plottwist gegen Ende ist nur so halb so überraschend wie gedacht, ist er doch a) mehr oder weniger aus einem Clint-Eastwood-Western übernommen und wird b) auch noch vorher durch gewisse Hinweise telegraphiert. Aber selbst wenn man ihn nicht absehen kann, so ändert er nicht viel am Film und wirkt teilweise ziemlich gewollt.
Das Script ist allerdings eh nicht die Stärke von „Hellfire“, finden sich die Logiklücken und Unglaubwürdigkeiten zuhauf. So machen sich Sheriff und Einwohner eigentlich erst recht verdächtig, wenn sie den Fremden abwimmeln wollen, obwohl das Verpacken der Drogen bei Nacht auf einem bewachten Brauereigelände stattfindet. Würde man den Mann einfach gewähren lassen, würde er vermutlich gar nichts davon mitbekommen. Er mag den Braten zwar schon aus anderen Gründen riechen, aber bei anderen Fremden wäre es genauso verdächtig. Noch dazu scheint Jeremiah mit lediglich dem korrupten Sheriff, Clyde, seiner rechten Hand Zeke (Johnny Yong Bosch) und zwei weiteren Goons eine ganze Stadt kontrollieren zu können. Allerdings sind deren Bewohner quasi durch und durch verängstigte Hasen, die fast alles mit sich machen lassen. Doch auch der Held verhält sich bisweilen so dumm und fahrlässig, dass man eine Tragödie zu Beginn des letzten Drittels zwar durch die Hand der Schurken geschieht, aber auch durch das Vorgehen des Helden heraufbeschworen wurde, was einen nicht gerade für Nomada einnimmt.
Den spielt Stephen Lang mit stoischem Charisma. Lang, sonst von „Auf die harte Tour“ über „Don’t Breathe“ bis „Sisu: Road to Revenge“ immer gern als Bösewicht besetzt, spielt ausnahmsweise mal die Heldenrolle, die ein wenig an seinen „VFW“-Part erinnert: Ein gealterter, aber immer noch knallharter Veteran, ein Schweiger, der meist lieber Tate als Worte sprechen lässt. In erster Linie für Namen und Gesichter auf dem Plakat sind Dolph Lundgren und Harvey Keitel dabei. Letzterer geht mit seiner Direct-to-Video-Schurkenrolle wie Charakterdarsteller vom Kaliber eines Robert de Niro oder Gary Oldman vor ihm, ist mit seiner gelangweilten Performance aber sichtlich nur für den Gehaltsscheck da. Seine vier bis fünf Szenen werden immerhin so über den Film verteilt, dass seine Nennung als Oberschurke noch gerechtfertigt ist. Dolph Lundgren mit Popelbremse ist dagegen mit Elan dabei, hat aber keine einzige Actionszene und einen Part, den man fast aus dem Drehbuch streichen könnte. Michael Sirow hampelt als verzogener Rumpelstilzchen-Sohn durch die Gegend, Scottie Thompson schlägt sich wacker als tapfere, bedrängte Kleinstadtpflanze und Chris Mullinax ist ziemlich guter Support. Großen Spaß hat Johnny Yong Bosch, der schon dereinst bei den „Power Rangers“ mit Florentine zusammenarbeitete, an seiner Rolle als Henchman, zumal man ihm auch noch die Choreographie der Kampfszenen überließ.
Aber genau da hakt es bei „Hellfire“, der für einen Florentine-Film enttäuschend actionarm ausfällt. Es dauert lange, bis es losgeht, und viele Szenen sind ultrakurz, etwa wenn jemand erschossen wird, Nomada ein paar Schurken entwaffnet oder es eine reichlich verwackelte Kriegsrückblende gibt. So gibt es nur drei größere Actionszenen. Die erste ist eine Verfolgungsjagd von zwei angeheuerten Meuchelmördern mit Nomada und Lena. Die handgemachten Auto-Actionszenen sind ganz nett anzusehen, das CGI-Mündungsfeuer, die CGI-Einschusslöcher und die CGI-Rückprojektionen dagegen reichlich schlecht getrickst. Es endet mit einem Katz-und-Maus-Spiel zu Fuß, mit etwas Handgreiflichkeit und Schusswaffengebrauch. Die zweite größere Actionszene ist ein Kampf des Fremden gegen zwei Goons in einer Küche, stimmig choreographiert, aber auch eher kurz. So bleibt das Highlight die dritte große Actionszene, der Final Fight zwischen dem Namenlosen und Zeke. Die Choreographie ist schick und glaubwürdig, trotz des merklichen Altersunterschieds der Kontrahenten, die Moves gelungen. Manchmal erkennt man in der Inszenierung Spuren von der Hongkong-artigen Dynamik von Florentines Frühwerken, aber insgesamt ist die Action von zu geringer Menge, um hier Begeisterung auszulösen.
So bleibt „Hellfire“ 08/15-Westernkost im Actiongewand, die immerhin (bis auf das Billig-CGI) sauber inszeniert daherkommt, drei gute Set Pieces bietet und über einen charismatischen Hauptdarsteller verfügt. Doch die gleichzeitig formelhafte wie unglaubwürdige Story, der absehbare Handlungsverlauf und die geringe Actionmenge schlagen da schon mehr ins Kontor, ebenso wie Keitels gelangweilte Performance als Oberschurke.