Wenn der Fluch der Karibik noch einige Wellen schlägt, das Produktionsteam aber nicht die Mittel hat, ein gespenstisches Piratenabenteuer zu zaubern, landet man unweigerlich bei Autor und Regisseur Steve Lawson.
Ihr Fluch begann 1622, als das Piratenschiff von Kapitän Jacob eine Hexe an Bord nahm, sie tötete und anschließend verspeiste. Dies sollen nun auch Historikerin Elena und ihr Ex Michael zu spüren bekommen, als jenes Schiff in der Jetztzeit in einem kleinen Ort an die Küste gespült wird…
Die zweckdienliche Exposition mit dem Fluch der Hexe ist noch okay gestaltet und auch die Einführung der wenigen Figuren geht in Ordnung. Doch sobald sich das ehemalige Paar unter Deck in Gefangenschaft befindet, ebbt der erzählerische Wellengang teils auffallend ab.
Die Crew sieht zwar leicht verwegen aus und traditionell ist man an Bord ausgesprochen frauenfeindlich unterwegs, doch darüber hinaus will sich nicht die notwendige Dynamik entwickeln.
Zudem ist alles an Bord auffallend spartanisch eingerichtet, als habe man auf die Schnelle ein paar alte Bretter vernagelt. Es mangelt an authentischen Requisiten und selbst die Kostüme der Piraten riechen arg nach einem vergessenen Theaterfundus früherer Zeiten.
Einzig der Score prescht zuweilen überraschend orchestral voran, wobei auch dieser aus einer öffentlich zugänglichen Fundgrube zu stammen scheint.
So gibt es neben den üblichen Befreiungsversuchen noch kleine Finten, doch Spannung kommt bei alledem kaum auf. Selbst als es zwischenzeitlich zu körperlichen und partiell leicht blutigen Auseinandersetzungen kommt, hält sich das Mitfiebern arg in Grenzen.
Entsprechend gleicht sich die minimale Handlung dem kargen Produktionsdesign an, die hin und wieder mit eklatanten Logiklöchern um die Ecke kommt: Ab wann unterliegt man dem noch andauernden Fluch der Hexe und warum wurde ein treibendes Geisterschiff nicht zumindest innerhalb der letzten 50 Jahre von einem Radar erfasst?
Über derlei Fragen sinnieren die Anwesenden beider Lager natürlich nicht, da sie vielmehr damit beschäftigt sind, dummen Strategien zu folgen und die Handlung noch hanebüchener erscheinen zu lassen. Selbst die Pointe ergibt wenig Sinn und somit darf das Piratenschiff gerne noch einige Jahrhunderte länger über die Weltmeere schippern, ohne dass ein geneigtes Publikum darauf aufmerksam wird.
3 von 10