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Manche Leute halten ja den recht amüsanten "Der bewegte Mann" immer noch für eine schreiend komische Komödie, weil ihnen in ihrem eigenen Leben neulich zu ersten Mal ein Schwuler bewußt begegnet ist und sie durch den Film mitbekommen haben, wie spaßig doch die Schwulen sind. Lassen wir sie in ihrem Glauben.
Wer aber wirklich mal in punkto Coming Out herzhaft lachen will, der sollte stattdessen lieber den oft unterschätzten "Echte Kerle" versuchen, ein wirklicher Glücksfall in der Sickergrube, die sich deutsche Filmkomödie nennt.

Die Ausgangssituation klingt noch nach Klischee, wenn sich der eher macho-orientierte Polizist Christoph (M.Ohrt) von seiner Verlobten vor die Tür gesetzt sieht, brachial über den Durst trinkt, in einer Schwulenbar versackt und am nächsten Morgen in den Armen des schwulen Automechanikers Edgar (Tim Bergmann) aufwacht.

Was dann aber folgt, ist ein irrwitziges Hin und Her zwischen den Geschlechtern, zwischen Homo und Hetero, zwischen Polizei und Verbrecher. Neben dem verständlichen Thema "Hatten wir nun Sex oder nicht?" erwächst langsam aber sicher zwischen den verschiedenen Männern eine langsame Freundschaft, die durch Edgars Verliebtsein und seine illegalen Autogeschäfte erschwert werden. Christoph dagegen sieht sich gezwungen, sich mit Infos zu revanchieren und gerät langsam aber sicher in den Verdacht, schwul zu sein, was bei der Polizeit noch recht breitgetreten wird. Während sein Kollege Mike (ein hervorragend verwirrt aufgelegter und bäriger Oliver Stokowski) da noch durchsteigen muß, ist plötzlich auch noch eine neue Kollegin im Spiel, die zwar Machos gar nicht mag, aber an Christoph nicht so recht vorbeikommt. Schade nur, daß er schwul ist. Oder ist sie lesbisch, weil sie bei einer Frau wohnt.

Bei all dem rückt die Polizeiarbeit natürlich stark in den Hintergrund und man fragt sich unwillkürlich, ob die nichts besseres zu tun haben, als derart ereignislos ihre Tage zu verbringen. Und wenn es dann zum Einsatz kommt, haben sie Pech. Wichtig aber, dass dieser Hintergrund nie ganz aus den Augen verloren wird.

Hier haben also diverse Leute ihr Coming-Out, die zum größten Teil gar nicht schwul sind. Edgar verguckt sich in den Hetero, Christoph entdeckt seine nichtmachohafte Seite und überwindet langsam Vorurteile, Helen verguckt sich in den Macho und Kollege Mike macht zum Schluß den Showdown perfekt!
Angereichert ist dieses wirklich witzige Hin und Her noch mit Edgars Mutter, seinen Lover, Helens Schwester und zwei ständig zusammenhockenden Kollegen, die dem Begriff Männerfreundschaft neue Wege eröffnen.

Wahrhaft göttlich sind sämtliche Darsteller dieses Chaos. Ohrt kultiviert seine bekannte Art auf wunderbar trockene Art und Weise und gräbt reichlich Tiefe aus der Rolle, Bergmann ist zum Knuddeln süß und Tietze endlich mal eine moderne junge Frau, die man nicht gleich schlagen möchte. Stokowski leistet wunderbar ironischen Beistand und nimmt in seiner Verwirrung die Zuschauerrolle ein. Ausgezeichnet auch die zahlreichen One-Liner, die sich durch den ganzen Film ziehen, kaum eine Szene ohne einen guten Witz, der sich stets aus der Handlung ergibt, teilweise sogar aus ernsten Szenen (die Frühstücks- und Badeszenen von Ohrt und Bergmann sind hervorragend) Erfreulicherweise kommt hier schwules Leben auch mal ohne Kreischen oder Fummeltrinen aus, die ja nun nicht signifikant für Homosexualität sind. Wunderbar eingefangen übrigens die Stimmung der Stadt Frankfurt, die hier wie nebenbei schön einfließt.

Aber letztendlich geht es hier sowohl um Heten wie um Schwule und eigentlich wollen alle nur jemanden, der einen liebt. Der Weg dahin ist schwer, aber am Ende werden wir alle jemanden finden, mag es bis dahin auch noch so viele Hindernisse geben. Das ist genau die Botschaft, die der Film vermittelt (und noch ein paar andere dazu). Bis dahin vergehen jedoch 90 irrwitzige Minuten.

Und für alle, die immer noch am ersten Satz kauen: Til Schweiger und Katja Riemann sind nicht lustig! Definitiv! (9/10)

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