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"Mach mal die Scheißmusik aus, die nervt!" Hauptkommissar Christoph Schwenk (Christoph M. Ohrt) ist gerne der Chef im Ring, ob privat oder beruflich ist er gewohnt zu bestimmen wo es langgeht. Doch seine Freundin lässt sich nicht alles bieten und so will Uschibärchen von seinen Teddybärchen als Entschuldigung irgendwann nichts mehr wissen, lacht sich ein "Anabolikamonster" ("tja, Schicksal, Mann...") an und setzt ihn kurzerhand mit Sack und Pack vor die Türe. Dem Macho Christoph kommt dies höchst ungelegen und was ein echter Kerl ist sauft sich nun erstmal zu. Dumm nur, daß er dies ausgerechnet bei "Kater Karlo" macht, einer Schwulenkneipe.

"Männer sind einfach die besseren Menschen" - mit dieser Feststellung trifft er bei Automechaniker Edgar (Tim Bergmann) genau den richtigen Nerv. Die Erkenntnis kommt am nächsten Morgen, als er Arm in Arm neben ihm im Bett aufwacht. Was fehlt ist die Erinnerung: War nun was oder nicht? Wenn ja, was? Christoph, ganz macholike, ist nur eines klar: Eine Übernachtungsalternative muß her, und das schnell. Doch weder Hotels noch Exfreundinnen haben für ihn ein Bett frei, auch sein Kollege Mike (Oliver Stokowski) zeigt sich wenig zugänglich.

Herrliche Szenen spielen sich im Zusammenhang mit der Suche nach einer Bleibe ab, die sich zu echten Highlights entwickeln die prägend in Erinnerung bleiben. Die Reaktion des Pizzalieferanten (Antonio Putignano) ist zu herrlich, überhaupt die Idee sich Pizza an eine Telefonzelle liefern zu lassen - köstlich! Legendär auch die Szene am nächsten Morgen: Nicht nur Freundin und Wohnung sind weg, auch sein Golf Cabrio fehlt. Bei "einem Mitglied der Fahndungsgruppe Autoschieber macht sich das aber blöde" stellt auch Mike schnell fest. Also bleibt Chrisoph nichts anderes übrig als zurück zu Edgar - hauptsache wieder eine Nacht durchschlafen.

Und nun findet sich unser Protagonist mitten in den Wirren seines Gefühlslebens wieder. Kann ein Heteromann doch schwul sein? "Das Wort ist schwul - sechs Buchstaben: s, c, h, w, u und l - schwul!" Steckt in jedem Mann ein kleiner homosexueller Trieb, er weiß es nur nicht? Kann aus einer normalen Männerfreundschaft mehr werden? Kann, und wenn ja wie, ein schwuler Mann einen Heterosexuellen rumkriegen? Wenn es nach Edgar ginge so schnell als möglich ("Yes, Massa, yes, yes...").

Alle Charaktere wachsen uns schnell ans Herz, in jeder Szene merkt man die Freude der Darsteller an ihrem Job. Christoph M. Ohrt verleiht dem Machocharakter Schwenk eine sonst sicherlich fehlende Ernsthaftigkeit und Tiefe, Tim Bergmann spielt liebenswert und sanft zurückhaltend, Daniela Ziegler als Edgars Mutter ist erfrischend locker und tolerant, Dieter Brandecker als Kommissar ganz in gewohnter Tradition von "Adelheid und ihre Mörder". Auch kleine Nebenrollen wie die des Marco oder des Mofafahrers (Heinz-Werner Kraehkamp) der seinen geklauten Alfa entdeckt ("klasssssse Auddo, exakt genau so einen hatte ich, bis vor nem halben Jahr!") sind humorvoll ausgearbeitet und passend in Szene gesetzt.

In Zeiten, als wir beim Telefonieren noch die Einheiten aufgeschrieben haben, sind zahlreiche deutsche Komödien entstanden. Zum Thema schwule und heterosexuelle Männer und ihr vermeintliches Coming-Out muß als Referenz immer noch "Der bewegte Mann" herhalten. Wem dies gefällt, dem sei "Echte Kerle" wärmstens empfohlen - meines Erachtens die bessere und unterhaltsamere Umsetzung des Themas. Lustiger ist es auch und auf höherem Niveau: Nicht immer müssen Schwule tuntig dargestellt werden. Wer keine deutschen Komödien mag, ist hier allerdings falsch. Aber "das ist mir in so einer schönen lauen Sommernacht sowas von scheißegal - kuck mal, ich hab jetzt Dienstschluß, Feierabend! Jetzt beginnt das Privatleben!"

(9/10)

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