Review

Eher Gurke als Chili

Dave Bautista gibt sich momentan leider auffällig vielen hochglanztrashigen Midbudget-Produktionen hin - in "Afterburn" sucht er in einem endzeitlichen, von einer Sonneneruption gezeichneten und von Warlords regierten Europa als stoischer Schatzsucher u.a. nach der Mona Lisa...

Escape From Louvre

Vielleicht denkt Bautista aber auch einfach sehr theoretisch, altmodisch und hat eine blühende Fantasie, wenn er mit solchem Material weit vor uns Zuschauern daheim auf'm gemütlichen Sofa in Kontakt kommt - ein Mix aus "Escape From New York", "Doomsday", "Uncharted", "Book of Eli"  und "The Riffs" sollte doch eigentlich nicht allzu schiefgehen, oder? Doch - heutzutage, wo alles möglichst schnell, artifiziell und seelenlos auf "Content" ausgerichtet rausgepumpt wird - kann es das ganz gewaltig. Und "Afterburn" ist ein "gutes" Beispiel dafür. Ohne ihm jetzt super zu böse zu sein, ohne dass er ein Drecksfilm ist. Er hat ein paar gorige Kämpfe und Shootouts, Bautista macht jetzt nicht zu viel falsch (auch wenn er meiner Meinung nach weiterhin eher als Sidekick und Ensemblestar taugt), das postapokalyptische Setting gibt einem immerhin visuell meist etwas zu glotzen und von seiner Einstellung ist "Afterburn" zumindest teilweise auch ein bisschen Oldschoolactioner a la Cannon, Carolco oder Vestron. Aber leider wirklich nur ein bisschen. Dieser positive Cheesefaktor wird nicht stilecht genug hochgehalten, es gibt etliche peinliche Dialoge und katastrophale Computereffekte. Alles wirkt wannabe-cool. Und die Story wirkt nicht nur aufgewärmt, sondern über weite Phasen schlicht egal. Für mich hätten in diesem Fall Videotheken bzw. heutzutage Streaming locker gereicht. Vor allem John Carpenter wird hier (mal wieder!) oft den Kopf schütteln, wenn er diesen kläglichen Versuch einer Verbeugung hier sieht. Kinoformat hat hier rein gar nichts. Selbst wenn er es als waschechter B-Actioner vielleicht gut meint. Richtig gelingen tut ihm wenig. Wenn man das z.B. mit sowas wie "Sisu" vergleicht, dann liegen dazwischen Welten. Am unterhaltsamsten sind vielleicht noch comichafte Nebenfiguren, die die Chose aber nicht rumreißen. Früher hätte sowas wahrscheinlich Uwe Boll gemacht. Noch schlechter. Aber auch teils noch (unfreiwillig) lustiger, wahrscheinlich. Und dass mir selbst die vielen Italo-Kiesgruben-Gladiatoren-Kloppereien von damals besser gefallen als das, sollte ich nicht mehr extra betonen müssen. 

Fazit: seelenlose DTV-B-Actionware endzeitlich-aufgeblasen auf "Kinoformat"... was das Ganze nur noch peinlicher, nichtssagender, nerviger und spaßfreier erscheinen lässt. Dabei sind Momente, Ansätze und Vorbilder definitiv sichtbar. Aber wenn's drauf ankommt, knackt "Afterburn" in sich zusammen wie eine rothaarige Engländerin mit Sonnenallergie im Januar in Sydney. Berieselung in grau und mau. Aber wie gesagt sicher auch nicht in der Nähe des Bodensatzes des Kinojahres. Und auch "In the Lost Lands" fand ich deutlich mieser.

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