Den Hangman kennt man hierzulande als Galgenmännchen, doch als Kinderspiel entpuppt sich das Werk von Regisseur Bruce Wemple und Autor/Hauptdarsteller LeJon Woods beileibe nicht.
West Virginia: Leon und sein siebzehnjähriger Sohn Jesse wollen sich beim Campen wieder etwas annähern. Doch am nächsten Morgen ist Jesse spurlos verschwunden und Leons Wagen wurde sabotiert. Kurz darauf trifft der suchende Vater auf Einheimische, die dem Hangman huldigen und für diesen soll Jesse alsbald geopfert werden…
Man nehme einen dämonischen Killer mit übersinnlichen Fähigkeiten, mische eine beträchtliche Portion „Get Out“ bei, erweitere den Kreis um einen ominösen Kult und öffne final das Tor zur Hölle, - dann ergibt sich in etwa die krude Geschichte von Woods, die er sich augenscheinlich so großzügig auf den eigenen Leib schrieb, um möglichst ununterbrochen im Fokus zu stehen.
Obgleich sich bereits in der ersten Viertelstunde recht viel ereignet, werden angefangene Handlungselemente selten zu Ende gedacht. Wie und warum starb Leons Ehefrau, wieso vegetiert die Gattin des örtlichen Priesters als Medium vor sich hin und warum ballern Nebenfiguren ohne Wimpernzucken, während andere minutenlang den Erklärbären heraushängen lassen?
Dabei verkommt der Titelgebende fast dauerhaft zur Randfigur. Zwar wird sein Werdegang vage durchleuchtet, doch seine übersinnliche Fähigkeit, per Telepathie Schlingen zu bilden, fördert erst gegen Finale ein wenig Spannung zutage, wogegen die Anzahl an Gewaltszenen recht dürftig ausfällt. Seine Gestalt, eine Mixtur aus Zombie und Vogelscheuche, dürfte aufgrund der austauschbaren Optik ebenfalls kaum Gänsepelle verursachen.
Entsprechend begibt sich Leon im rassistischen, gesetzlosen und von Drogen durchseuchten Kaff auf eine Rundreise und muss sich als eher unbeholfen agierende Ein-Mann-Armee mit ebenso blöd agierenden Gegnern herumschlagen. Hierbei kommt es zu einigen eklatanten Kontinuitätsfehlern, nicht zündenden Aufheiterungsversuchen und Granaten, deren Effekt aus Kostengründen komplett weggelassen wird. Hauptdarsteller Woods ist kein schlechter Mime, doch für seine tragende Figur, die zwischen Entschlossenheit und Zynismus pendelt, mangelt es ihm an Nuancen und effektivem Timing.
Nicht selten gerät die unausgewogene Mischung in Schieflage, sobald jemand versucht, etwaige Beweggründe minutenlang erklären zu wollen, während man ungeduldig auf Ableben oder anderweitige Schauwerte wartet. Zwar rettet der Showdown noch ein wenig, doch von mitreißender Spannung sind die rund 90 Minuten doch relativ weit entfernt.
Knapp
4 von 10