Review


Inhalt:

China, zur Zeit der Ming-Dynastie (1368 - 1644 nach der christlichen Zeitrechnung). Das Reich der Mitte befindet sich unter einem jungen, naiv-schwachen Kaiser (Lau Siu-Kwan) in einer geradezu existenzgefährdenden Krise.

Der oberst Eunuch, der so gerissene wie machthungrig-skrupellose Wang Hsen (Anthony Lau Wing aka Liu Yung), führt dem Kaiser immer wieder junge Damen als Konkubininnen und Sex-Objekte zu, und hat ihn somit faktisch in der Hand. Wang Hsen baut seine Macht immer weiter aus. Schließlich überlässt der Kaiser sogar noch offiziell per Dekret sämtliche Amtsgeschäfte dem Eunuchen Wang Hsen, der somit faktisch der Allein-Herrscher über das Reich ist.

Die "Brokat"-Garde ist eine Organisation bei Hofe, die die Gegner des Staates verfolgt und liquidiert, also so eine Art innerer Geheimdienst des Kaisers.
Auch diese Garde spannt Wang Hsen in sein Bestreben die totale Macht auszuüben und zu erhalten ein.
Zhao Wuyi (Ku Feng) ist der Oberbefehlshaber dieser Garde, und muss die Befehle des Kaisers, der von Wang Hsen gesteuert ist, bedingungslos ausführen. Indes kommen immer mehr Zweifel in Zhao Wuyi auf.
Auch sein Sohn, Zhao Bufa (Leung Kar-Yan), ist ein Offizier der Garde, und ein Untergebener seines Vaters. Zhao Bufa ist mit der bildhübschen Xueliang (Nancy Hu) verheiratet, und hat einen kleinen Sohn.

Als auch verdiente Offiziere der Garde, wie Yu Hua-Lung (Jason Pai Piao), um der Macht des Eunuchen willen von der Garde verfolgt und getötet werden, wird Zhao Bufa zum Rebellen, und stellt sich gegen den Kaiser und den Eunuchen Wang Hsen.
Es kommt zum Kampf, als Zhao Bufa zusammen mit Xueliang und dem kleinen Sohn flieht.

Zhao Bufa entweicht auf´s Land, und erreicht seinen Clan, dem der Bruder seines Vaters, also sein Onkel, Chao Wu-Chi (Lo Lieh), vorsteht.
Eunuch Wang Hsen will den Tod des Verräters, und beauftragt skrupellos dessen Vater Zhao Wuyi, den Mordbefehl auszuführen.

Chao Wu-Chi sieht die Gefahr der Auslöschung des Clans, und will Zhao Bufa töten.
Es kommt zum Kampf und Chao Wu-Chi zu Tode. Nunmehr will sich der Bruder Zhao Bufa´s, Zhao Buqun (Lo Mang), für ihn opfern, um die Situation für den Clan zu entschärfen. Buqun gibt sich für Bufa aus, und Tsao Chi-Hsiang (Phillip Ko), ein anderer Offizier der Garde, der für den Eunuchen statt dem schwach erscheinenden Zhao Wuyi den Mordbefehl übernahm, tötet mit seinen Männern Buqun. Xueliang begeht daraufhin Selbstmord.

Mit dem Kopf seines zweiten Sohnes Buqun, will Zhao Wuyi nunmehr den Eunuchen in Sicherheit wiegen, Zeit gewinnen, und den Tod Zhao Bufa´s vortäuschen.
Doch Bufa lebt, und hat nunmehr freie Hand und eine gewisse Deckung, um Rache am Eunuchen Wang Hsen zu nehmen.

Es kommt schließlich zum alles entscheidenden Kampf, zum Show-Down auf Leben oder Tod...!


Kritik:

Im Jahre 1984, in der Endphase der Shaw Brothers, entstand dieser überaus tempogeladene, sehr intensive und unterhaltsame Eastern, unter der Regie von "Tony" Lou Chun-Ku.
Und Lou Chun-Ku wollte die alte Herrlichkeit der Shaw Brothers hier noch einmal aufblitzen lassen.

Mit sehr hohem Tempo, einer einfach klingenden aber vielschichtig umgesetzten Story, einem prominentem Shaw-Cast der ein intensives Spiel zeigt, den Super-Sets der Shaw-Studios aber auch gelungen fotographierten Outdoor-Locations (und zwischen einmal mehr surreal-künstlichen Shaw-Studiosets und illustren Außen-Orten pendelt das Geschehen visuell geschickt konzipiert hin und her) und viel höchstrasanter Fightaction gelang dies.

In 87 Minuten Laufzeit wird also diese Story um einen abtrünnigen Offizier, der aufbegehrend dem Treiben eines machtgierigen Eunuchen Einhalt gebieten will, mit viel Intensität und einem fast atemberaubenden Tempo erzählt. Und so sind denn auch die Darstellungen hochintensiv, und die Storyline sehr dicht in Szene gesetzt.

Die Regie packt viel in diesen Streifen hinein, und da das Tempo sehr hoch ist, verzettelt man sich hier fast. Weniger wäre mitunter mehr gewesen, etwas mehr Ruhe in der Inszenierung wäre phasenweise vielleicht besser gewesen, und hätte manches hier nicht so "abgehackt" gewirkt.
Dies, die unvermeidlichen surrealen Flugeinlagen bei der Action, und der nervige kleine Junge -hier im Film der Sohn des Helden-, das sind denn so die kleinen Mankos dieses Eastern.

Aber insgesamt ist das ein fast runder, dicht inszenierter, atmosphärischer und sehr unterhaltsamer WuXia-Eastern, bunt, schnell, intensiv und blutig.

Auch die Darstellungen im Film fördern den insgesamt positiven Eindruck.
Und Lou Chun-Ku stand hier in der Endphase des Studios ein fast schon überraschend prominenter Cast zur Verfügung, bis in die Nebenrollen hinein.
Leung Kar-Yan ist der Held bzw. Antiheld in diesem Eastern. Der letztlich einsame, harte Kämpfer, der sich fast verzweifelt gegen die Übermacht eines Usurpators stellt. Leung Kar-Yan spielt das aber fast stoisch-unaufgeregt, konzentriert und der ganzen Intensität dieses Films angepasst.
Und auch die Fight-Action meistert Leung Kar-Yan -eigentlich auf Schurkenrollen insbesondere für die Shaw Brothers festgelegt- agil und athletisch.

Darstellerisch der Star dieses Films ist der Villain, Anthony Lau Wing (aka Liu Yung). Eine bemerkenswerte Darstellung eines bemerkenswerten Darstellers, der nicht nur oft mit Bruce Lee spielte, sondern dann auch mit allen Granden der Shaw Brothers, sei es Alexander Fu Sheng, Ti Lung oder David Chiang.
Hier bietet er als geschminkter Eunuch mit weiblichem Touch und doch skrupelloster Aura ein so variables wie erstaunlich eindringliches Spiel.
Und sogar die Action macht seine Figur mit, die im Endfight auf Leben oder Tod gefordert ist. Für einen weibisch rüberkommenden Charakter ebenso erstaunlich.
Schon wegen Lau Wing lohnt es sich, sich "Secret Service of the Imperial Court" -so der originäre Titel- anzusehen.

Ku Feng steht als zwischen Gewissen und Befehls-Gehorsamkeit hin und her gerissener Vater des Anti-Helden dem in nichts nach.
Das Gewissen sagt: Ich diene einem Wahnsinnigen, einem Usurpator der die alleinige Macht anstrebte und diese nun sichern will. Aber die Gehorsamkeit eines Soldaten, eines Anführers der Geheimdienst-Garden lässt Ku Feng´s Figur indes nicht los.
Dies führt zur Verzweifelung, und einem brüchigen Charakter dieser Figur. Ku Feng, als Vielfilmer routiniert und in zahllosen Rollen für die Shaw Brothers gestählt, bringt diese Zerrissenheit denn gekonnt rüber. Auch von seinem Können hier profitieren die Darstellungen in diesem Eastern, auch davon lebt dieser Film.

Nancy Hu hat die weibliche Rolle als Gattin des Antihelden Leung Kar-Yan. Sie agiert tapfer, und steigert denn auch zum Ende hin das melodramatische Element, das dieser WuXia-Eastern besitzt.

Etliche Shaw-Stars sind denn auch noch in Nebenrollen und Gast-Auftritten zu sehen, allen voran Lo Lieh, sowie Phillip Ko, Lung Tien-Hsiang, Jason Pai Piao, Ching Miao, Wong Ching-Ho, Nick Cheung-Lik, Ku Kuan-Chung, Kwan Fung (aka Kuan Feng) und die beiden Venoms Lo Mang und Sun Chien. Das macht den Cast für die Fans der Shaw Brothers natürlich um so interessanter.

Die Fight-Action, höchstrasant, blutig und wie so oft bei den Shaw Brothers perfekt choreographiert, rundet diesen Spät-Old-School-Eastern ab.
Überwiegend Swordplay, aber auch zum Ende hin KungFu. Und so schnell das Tempo dieses Films ist, so dynamisch und zackig sind auch die Fights. Manches ist etwas hastig, die Flugeinlagen grotesk doch im WuXia unvermeidlich, doch die Action fetzt, und rockt den Streifen noch am Ende aus seinen kleinen Mankos raus.

"Secret Service of the Imperial Court", kleine Schwächen, etliche Stärken..., und solide, runde 7 von 10 Punkten in meiner Bewertung.

Details
Ähnliche Filme