Im Namen des Praters, des Hohnes und des heiligen Fleisches
In dieser kompetenten, knackigen und kirchlichen Komödie von Regiedebütantin (!) Alison Kuhn führt es einen Pfarrer aus dem Süden Dänemarks in ein kleines Kaff nach Schwabendeutschland, wo er es mit weit mehr zu tun bekommt als Kirchenverdrossenheit, Sprachbarrieren und leeren Messen...
Die Kirche wirklich im Wandel?
"Holy Meat" ist gut gewürzte Satire und Kritik, die aber nicht blindlinks zu allen Seiten austritt, sondern zumindest auch Hoffnung und Lösungen sucht und streift. Das kann man dem eindrucksvollen Regiedebüt hoch anrechnen. Gerade in einer Zeit der Aufregung und der Extreme wie heute. "Holy Meat" vermittelt, "Holy Meat" ist witzig und teils messerscharf geschrieben, die komödiantischen Timings stimmen auffällig positiv und Hauptdarsteller Jens Albinus spielt sensationell, sensibel, einfühlsam und vercheckt. Mit dem süßesten Akzent der Saison. Egal ob man Kirche als Hilfe, Sünde oder Tabu sieht, als überflüssig oder nicht wegzudenken, als rückständig oder hoffnungsvoll - "Holy Meat" legt sich zu keiner Seite komplett fest und wirkt trotzdem nie wie ein Fähnchen im Wind. Er hat durchaus eine Meinung, ist aber auch wandelbar und bereit zu Kompromissen. Und das ist heutzutage wie gesagt eine Menge wert. Das hat zudem Herz, einen sehr trocken-nordischen Humor, frische Gesichter und Anstand, Klasse, Verstand. Und vor allem Vergebung. Alles Eigenschaften und Werte für die es sich lohnt einzustehen. Egal in welchem Jahrhundert, egal mit welcher Religion, egal mit welchem gesellschaftlichen Wind, egal wie nah die Welt am Abgrund steht. Eine wohltuende Requiemmesse. Manchmal steif, immer trocken, manchmal weich, immer reich.
Last Reformed
Fazit: Thematisch vielschichtiger, tonal quirliger, humortechnisch furztrockener und regietechnisch mit erstaunlich sicherer Hand geleiteter Tragikkomiktriptychon - lecker wie ein Wagyusteak und sich seiner Umwelt bewusst wie eine knackige Veggiewurst!