Weiterer Versuch von Liam Neeson, sich aus dem Actiongenre zurückzuziehen, ein Versprechen, welches schon gefühlt vor einem Jahrzehnt gemacht wurde, aber nun durch gleich mehrere Ankündigungen von auch Fortsetzungen ausgehebelt. Und im Ernst, Mid-Budget-Thriller mit einigen Aktionszenen sind derzeit rar und rarer, sie werden jedenfalls nicht mehr, kein Markt dafür da, es heißt entweder hopp oder topp, Big Budget oder Kaffeekasse, das Meiste programmiert für die Streamer zum anderthalbfachen Durchspulen auch. Der The Ice Road (2021) war für Netflix und hatte dort auch seine Premiere, wurde aber in einigen Ländern verspätet auf der großen Leinwand gezeigt; der Nachfolger hier ist schon ein Unikat wegen der Mitwirkung von Fan Bingbing, die noch vor wenigen Monden als Persona non grata und unter Hausarrest stehend galt:
Mike McCann [ Liam Neeson ], der seinem Bruder schon zu Lebzeiten eine Besteigung des Himalaya versprochen hat, möchte nach dessen frühzeitigen Tod im Kampfeinsatz den letzten Willen erfüllen und die Urne mit der Asche in den Bergen verstreuen. Dazu macht er sich nach Kathmandu auf, wo er mithilfe der lokalen Führerin Dhani Yangchen [ Fan Bingbing ] erst den Bus von Spike [ Geoff Morrell ] in die Richtung und dann den Fußmarsch antreten will. Im gefährt seber befinden sich noch Professor Ewan Meyers [ Bernhard Curry ] und seine Tochter Starr [ Grace O'Sullivan ] sowie der junge Vijay Rai [ Sakhsam Sharma ], der bald das Interesse von Terroristen um Rudra Yash [ Mahesh Jadu ] sowie Jeet [ Amelia Bishop ] und den korrupten Lt. Mangal [ Shivantha Wiejesinha ] bezüglich eines Bauprojektes auf sich zieht.
Neeson hier also wieder und weiterhin seinem Element, schon über dem Zenit hinaus, die letzteren Werken allesamt Kassenflops auch, teilweise zu Recht, teilweise leider, hier mit einer Eingangsszene, die an Star Trek V - Am Rande des Universums (1989) und Captain Kirk beim Bergsteigen erinnert, die Tricktechnik ist ähnlich gut, sprich veraltet. Wer immer die erste Szene geschrieben und gedreht hat, hat sich das Lächerlichste ausgesucht, eher für Die nackte Kanone gedacht, dem nächsten Kinohit (?). Genug gelästert, der Mann versorgt uns immerhin mit Nachschub, man sollte ihm danken, er wird schon wissen, wann es heißt: Genug ist genug. Die Prämisse ist dabei schnell abgetan, ein letzter Wunsch und Wille soll erfüllt werden, das Verstreuen der Asche, man braucht einen Grund für das Vorhandensein des Recken hier in der Einöde, dem Titel gerechtfertigt, die Bösewichte schon da, der Protagonist und seine Mittel und Zwecke schnell gefunden; Hensleigh hier wieder am Schreiben und Drehen, wie schon beim Erstling, wird gleich ein spannungsvoller Einstieg mit eher überschaubarer Tricktechnik gefunden, es geht ums Abdrängen, um eine Warnung, eine Erpressung.
Neeson sieht dabei kein Tag älter aus, als er tatsächlich ist, es gibt schnell schon einige Szenen, die eher verstörend gemacht sind, sowohl im Text als auch im Bild, das mit der Urne auf der Toilette zum Beispiel, dann eine Rückblende, keine Qualitätskontrolle bei der Abnahme scheinbar, Hauptsache ein (ehemaliger?) Star und ein exotisches Gefilde. Weitere Personen werden auch vorgestellt, man dreht vor Ort zumindest (im südostaustralischen Victoria), das gibt Support, zudem hat Fan nichts von ihrer Schönheit verloren, das Englisch ist nicht wirklich besser seit The 355 geworden, man hilft sich mit dem Optischen aus und dem Schauspielerischen. Die Rückblendenstruktur ist störend, sie unterbindet den Fluss der Erzählung, personell geht man dafür schnell auf Katastrophenmodus, auf Konfrontation, dazu ein paar Postkartenbilder der Gegend, Kathmandu durchkreuzt, ein bisschen Konversation betrieben, und eine Mysteriosität, die Gefahr zum Mann gebracht statt umgekehrt. Eine Geiselnahme in einem Tourbus noch in der Stadt, ein Busnapping quasi, eine Umleitung gemacht, rein in das Gebirge, die Einöde, ein Stopp wegen eines Trupps Bergziegen gemacht, der Versuch einer Befreiung, mehr Schnitte, als man zählen kann.
Der Kiwi Express in all dem Trubel ins Holpern und ins Stolpern geraten, halb über die Klippe gelangt, es gibt eine Parodie davon, Die haarsträubende Reise in einem verrrückten Bus (1976), man versucht es scheinbar ein bisschen in die Richtung. Neeson wird nicht gefordert hier, Fan schon eher, eine Schande für die Filmkultur, dass sie so selten genutzt wird, eine erste Zusammenkunft, eine unsichere Gegend hier. Als Thriller wird das aufgezogen, Vergleiche mit dem Erstling müssen außen vor bleiben, nicht gesehen, nicht gedacht nachzuholen; dafür werden schnell falsche Fragen zur falschen Zeit gestellt, in ein Wespennest gestochen, keine lange Vorrede, der Konflikt ist klar, diverse Interessen, es geht um Land und Kultur, um Investition und Tradition, um Polizei und Mafia, um Korruption und Aktion und Reaktion, bald um ein Standoff, eine Waffe gegen die andere gerichtet, eine Schießerei, eine Verfolgungsjagd, die Actionszenen rumpelig, ein Stop-and-go Verhalten. Hensleigh, der mit seiner Punisher-Variante eigentlich relativ gut angefangen hat, ist hier irgendwie am Ende seiner Weisheit, der Film lebt nur von einem selten genutzten Schauplatz, The Road to the Sky als Alternativtitel, mehrere Höhenmeter, mehrere Steigungen und Abfälle zu verhindern oder zu durchkreuzen, die Straße aus Eis, ein Abenteuerfilm, ein Survivaltrip, es wird gebastelt und gebaut wie im Werkunterricht, Schraubendreher links herum und rechts herum, dazu eine (mäßige) Häuserexplosion.
So richtig der Funke überspringen will nicht, die letzten Neeson hatten meist alle noch so etwas wie Seltenheitswert in dieser oder jeder Hinsicht, manche (die von Robert Lorenz) waren sogar ganz gut, hier vergeht alles in 'inspirational music continues' und uninspiriertem Actionszenen, die wohl so etwas wie Atemlos vor Angst (1977) sein sollen, aber sicher nicht sind. Auch der Hauptdarsteller macht keine Figur, er ist mittlerweile wirklich zu alt dafür, das wurde in anderen Werken noch gut kaschiert, hier ist es deutlich sichtbar, eine Überforderung. Politisch gesehen ist der Konflikt zwischen Nepal und China hier natürlich einseitig gehalten, die Volksrepublik als Zufluchtsort, Nepal als Kampfgebiet, dazu viel Gedrehe vor der Greenscreen.