Mit Mantel und Hut lässt sich eine vermeintlich ältere Killerin in vollem Körpereinsatz natürlich wunderbar doubeln. Selbst ein Steven Seagal wurde schon ersetzt, obgleich er nur beherzt eine Treppe hinauf steigen sollte. Doch genug der Altersdiskriminierung, denn davon gibt es in dem Action-Thriller von Kyu-dong Min wahrlich genug. Oder eben auch nicht.
Hornclaw ist eine Auftragskillerin Mitte 60, die seit rund 40 Jahren für eine ominöse Agentur arbeitet. Obgleich sie in ihren Kreisen eine Legende ist, machen ihr kleine Wehwehchen zunehmend zu schaffen. Als mit Bullfight ein junger, aufstrebender Killer von der Mord-Organisation engagiert wird, scheint dieser es im Konkurrenzkampf persönlich auf Hornclaw abgesehen zu haben…
Immerhin gibt es mit der Exposition einen Einblick in den Werdegang der Killerin, die als Mädchen in einer stürmischen Winternacht vor den Mauern eines Restaurants zusammenbricht. Der Besitzer entpuppt sich als Kopf der Mordliga, welche ihre Opfer nach nicht durchschaubaren Kriterien auszuwählen scheint. Nicht selten ist von gesellschaftlichem Ungeziefer die Rede und augenscheinlich soll es nur den bösen Individuen an den Kragen gehen.
Davon erhält man einen kleinen Einblick, als ein unausstehlicher Fahrgast eine Quittung erhält oder jemand sanktioniert wird, der seinen verantwortungsvollen Job mit Füßen tritt.
Hornclaw scheint bei alledem von einer gewissen Altersmilde umgeben, als diese einen verwaisten Hund aufnimmt und sogar einen Zeugen verschont, der laut Agentur eliminiert werden müsste. Jedoch bleibt die ältere Dame ein wenig unnahbar, wie man es von einer unauffälligen Killerin allerdings auch erwartet.
Demgegenüber schimmern die Motive ihres jungen Konkurrenten rasch durch, wofür es definitiv nicht so viele Rückblicke benötigt hätte. Darunter leiden zuweilen die Actioneinlagen, welche visuell recht ansprechend umgesetzt und mit einigen blutigen Härten ausgestattet sind. Die Choreographie der Fights geht in Ordnung und auch die Locations punkten zunehmend durch ihre atmosphärische Ausstrahlung, vor allem innerhalb des finalen Parts, als es in die Nähe eines Vergnügungsparks geht.
Darstellerisch ist dem Streifen trotz leichtem Overactings mancher Nebendarsteller wenig anzukreiden, der Score treibt in den wesentlichen Momenten passabel an und es gibt nicht wenige Szenen, in denen ein garstiges Schmunzeln ob der Cleverness der Titelgebenden entsteht. Diesbezüglich hätte es gerne noch mehr Einzelaktionen geben dürfen, wogegen die unnötig verschachtelte Erzählweise mit teils ungünstig platzierten Flashbacks immer wieder Drive herausnimmt, was innerhalb der üppigen Laufzeit von 125 Minuten das auffälligste Manko markiert.
6,5 von 10