Neben fiktiven Stoffen wie „Das Bourne Ultimatum“ widmet sich Regisseur Paul Greengrass immer mal wieder Extremsituationen, die aus dem wahren Leben stammen. Während „Flug 93“ ein Ereignis von 9/11 aufgreift, konzentriert er sich mit vorliegendem Katastrophenfilm auf die bis dato zerstörerischsten Waldbrände in der Geschichte Nordkaliforniens.
November 2018: Erst wenige Monate ist Kevin (Matthew McConaughey) im ländlichen Paradise in Kalifornien als Schulbusfahrer tätig. Als gleich mehrere Feuer im umliegenden Waldgebiet ausbrechen, meldet er sich freiwillig, um 22 Kinder mit dem Bus in Sicherheit zu bringen…
Das ist mal eine etwas andere Klassenfahrt, - ein sprichwörtlicher Ritt durch die Flammenhölle. Zwar wird bei der Figurenzeichnung des Protagonisten Kevin etwas zu dick aufgetragen (Sohn entfremdet, Hund eingeschläfert, finanzielle Schieflage), doch bereits nach kurzer Zeit greifen erste Flammen um sich, da eine Stromleitung die ersten Brände erzeugt und man anschließend mit einem parallelen Handlungsstrang zur Arbeit der hiesigen Feuerwehr wechselt, welcher die schier aussichtslose Lage zusätzlich verdeutlicht.
Lang anhaltende Trockenheit und ungewöhnlich starke Winde beschleunigen die Verbreitung des Feuers und während diverse Luftaufnahmen jene Naturgewalt bebildern, befindet man sich alsbald mit Kevin und Lehrerin Mary (America Ferrera) im Bus 963, welcher schon bald keinen Funkkontakt mehr aufbauen kann, - daher der Titel.
Leider verzichtet Greengrass einmal mehr nicht auf seine typische Wackelkamera, die zwar einerseits für ein Gefühl von Mittendrin und fast dokumentarischen Charakter sorgt, doch andererseits eine Hektik erzeugt, die im Kontext der Übersicht nicht immer dienlich ist.
Deutlich packender gestalten sich demgegenüber einige rasante Fahrten, die wie mit dem Feuer über die Gegend fliegen und das Tempo der Ausbreitung inmitten der Flammenhölle untermauern. Zudem punktet im Verlauf die Farbgebung, sobald sich der Qualm flächendeckend vor die Sonne setzt und in seinen rötlichen Tönen wie ein Endzeitszenario in der Hölle anmutet.
Ein wenig Redundanz ergibt sich während des Überlebenskampfes dennoch. Der Bus muss immer mal wieder ausweichen, man verharrt oder steigt aus, um die Gegend auf einer Anhöhe auszuspähen, während anbei die Kinder beruhigt werden müssen, die fernab ihrer Eltern kaum erfassen dürften, was da draußen vollumfänglich vor sich geht.
Ein positiver Nebeneffekt ist indes die Ruhe, welche die beiden Erwachsenen gegenüber ihren Schützlingen auszustrahlen versuchen, was nicht zuletzt auf die starken Darstellerleistungen zurückzuführen ist. McConaughey und Ferrera performen jederzeit bodenständig und unterstreichen damit den Charakter ihrer vermeintlichen Alltagshelden, die sich zwischenzeitlich auch mal Schwächen eingestehen dürfen.
Speziell die durchweg überzeugend inszenierten Effekte unterstreichen den Charakter eines unerbittlichen Flammeninfernos, der das Mitfiebern problemlos ermöglicht. Hinzu gesellen sich nachvollziehbar handelnde Figuren, ein effektiv abgestimmter Score von James Newton Howard und ein insgesamt flottes Tempo, welches trotz der üppigen Laufzeit von 129 Minuten kaum Ruhepausen zulässt. Für Genrefans so unausweichlich wie die Brände selbst.
8 von 10