Uwe Boll war gerade in den 2000er- und 2010er-Jahren durch Spieleverfilmungen wie House of the Dead (2003) oder Alone in the Dark (2005) einem extrem heftigen Shitstorm ausgesetzt, was ihm bei Hatern, bestehend aus Kritikern, Gamern und einem Mob aus Mitläufern, den Ruf einbrachte, einer der schlechtesten Filmemacher der Welt zu sein. Das gipfelte in dem legendären Boxkampf zwischen Boll und fünf seiner Kritiker :-)
In diesem als Interview-Doku konzipierten, einstündigen Film kommt Boll ausgiebig zu Wort. Begleitet wird er während der An- und Abreise zu einem Vortrag über den Film District 9, den er auf Einladung des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg hält. Dabei gelingt es der Doku, den Menschen hinter dem Feindbild vieler Kritiker zu zeigen.
Boll spricht offen über seine Filme, das deutsche Filmfördersystem, die FSK, seine Kritiker, die Politik und seine Probleme mit der Kulturindustrie. Er tut das mit jener Mischung aus Charisma, Direktheit und Authentizität, die ihn so polarisierend, aber auch faszinierend macht. Weil er nicht schönredet, ist es so erfrischend-amüsant, ihm zuzuhören.
In ihrer Beobachtungsstärke erinnert die Doku etwas an Das Kino des Roland Klick (1997). Auch wenn Boll und Klick als Filmemacher kaum unterschiedlicher sein könnten, gelingt beiden Interview-Filmen ein präziser Blick auf Außenseiter, die gegen Widerstände, gegen Trends, aber mit Haltung ihren eigenen Weg gegangen sind beziehungsweise gehen.