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Marvels First Family endlich auf Kurs!

Im Grunde waren die beiden „Incredibles“-Filme von Pixar ja lange schon die besseren „Fantastischen 4“. Vielleicht lag diese enorme Messlatte ja auch immer etwas zu schwer auf den bisherigen drei (!) Versuchen (von Corman über Eichinger bis Fant4Stic) Marvels berühmteste und im Grunde wichtigste Familie filmisch rüberzubringen. Selbst das mächtige MCU ließ davon (ja, auch rechtetechnisch) fast zwei Jahrzehnte die Finger. Nun ist es aber so weit, in der bisher womöglich kriselndsten Phase des MCU überhaupt, kommt das blau-weiße Astronautenquartett zum Zuge - und muss ihre retrofuturistische, sehr chic ausschauende und porentief optimistische Parallelwelt direkt vor der womöglich größtmöglichen Bedrohung beschützen… Galactus! Und das schwanger… 

Familiäre Hände, schnelles Ende

Dass „Fantastic Four: First Steps“ der beste „Fantastic Four“-Film ist, wird keinen überraschen und dient natürlich auch noch lange nicht als Empfehlung. Das war Pflicht, Selbstverständlichkeit, Muss. Das war klar. Einfach zu grottig war das Bisherige. Aber gelingt auch noch deutlich mehr? Ja, in vielen Belangen schon. „F4: First Steps“ ist vielleicht der audiovisuell stilvollste und lebendigste, texturreichste und eigenständigste Film des ganzen MCU. Boom! Er reiht sich nicht im Einheitsbrei ein, der Retrofuturismus samt choralem sowie elektronischem Superscore ist famos und bietet etwas für's Auge wie fürs Ohr. Ein paar (Baby-)Effekte gehen in die Hose - aber insgesamt ein enorm hübsches Ding, das sich wie gesagt sehen und hören lassen kann, frisch anfühlt. Dazu hält das Teil alles sehr klein und konzentriert auf diese Kern-„Familie“ und deren starke Chemie - auch das macht Sinn und hatte mich schnell involviert. Das ist sympathisch und nachvollziehbar - trotz immer näher kommender, intergalaktischer Bedrohung am Horizont. Lobenswert. Dazu muss man für „F4: First Steps“ nahezu null Marvel-Hausaufgaben gemacht haben, er steht für sich und bringt das MCU überraschend wenig voran. Aber auch das ist ein Pro in meinem Buch. Auch wenn ich echt nicht mehr wirklich weiß, wie Feige & Co. noch bis zu „Avengers: Doomsday“ nächste Jahr die Hype- und Überbösewichtmotoren ans Schnurren bekommen wollen. Aber das ist ein anderes Thema, übergreifende Zukunftsmusik. „F4: First Steps“ ist gut. Teils sogar mehr als das. Klein. Intim. Immer etwas auf Halbgas. Mit echten Schwächen in seiner Action, in seinem Bösewicht bzw. eher der Bekämpfung von diesem, auch in Sachen „Baby Franklin“. All das ließ mich etwas kopfkratzig zurück. All das sind echte und kaum wegzuredende Probleme, die die Tür zu höheren MCU-Ebenen glasklar verwehren. Und trotzdem ist der Anfang gemacht, ist man diesen Helden, dieser Familie endlich gerecht geworden, kann man darauf aufbauen und ich bin definitiv interessiert, wie sich diese fünf Charaktere ins größere Ganze MCU einfügen. Aber ihr Einstand ist eine runde Sache, eine family affair, mit vielen Lichtblicken und ein paar vertanen Chancen. 

Fazit: ein grundsolider und stylischer Start für die einzig wahren „F4“. Der familiäre Fokus ist schön. Die positiven Gedanken und optimistische Grundeinstellung tun gut. Erinnert mich insgesamt an eine stilvollere Version ganz früher Originstories des MCU… Aber das gewisse Etwas und die coole Action fehlen, die Powerlevel und „Lösungen“ im Finale passen nicht. Daher reißt der Film gut was mit dem Hintern ein, was er vorher spektakulär verspielt und herzlich aufbaut - fast wie ein Galactus, der durch den Big Apple stapft… 

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