Die „Fantastic Four“ sind wohl die am häufigsten und gleichzeitig am wenigsten erfolgreich rebooteten Superhelden des Marvel-Kosmos. Das hängt u. a. mit den Markenrechten zusammen, was 1994 ein unsägliches Roger Corman & Bernd Eichinger-Vehikel zu Tage brachte, jedoch auch nicht die missglückte Neuverfilmung von 2015 entschuldigen kann. Manchen gilt nach wie vor Pixars THE INCREDIBLES als beste (wenn auch inoffizielle) Adaption des Stoffes und die positivsten FANTASTIC FOUR Vibes erzielte bisher wohl Chris Evans mit seinem Cameo in DEADPOOL AND WOLVERINE.
Womöglich hat man sich für den erneuten Neustart deshalb des Retro-Kniffs bedient: Die Fanta4 sind in einer futuristischen Variante der frühen amerikanischen 60er-Jahre (auf „Earth 828“) im Einsatz. Das hat in X: FIRST CLASS schon einmal funktioniert und damit hat Regisseur Matt Shakman seit WANDAVISION auch Erfahrung.
Tatsächlich gehört das Setting zu den Highlights des Films, mit seinem Look, seinem Dekor, der Technik, aber auch der Musik, den Farben und den Splitscreen-Sequenzen – dies ist wohl der am schicksten designte Superheldenfilm ever. Außerdem macht sich FIRST STEPS in seinem Intro herrlich selbstironisch über die absurdesten Supervillains der Comics lustig und setzt damit gleich zu Beginn auf einen heiteren Ton. Da sieht man gerne auch mal über einige weniger überzeugende CGI-Effekte hinweg.
Was ebenfalls ganz hervorragend funktioniert, ist die Chemie zwischen den vier Hauptfiguren. Fähige Schauspieler waren in den bisherigen Verfilmungen auch schon am Start. Hier haben sie endlich ein solides, humorvolles Skript und vor allem Raum, ihre Figuren und Beziehungen zu entfalten – essenziell bei einem solchen Ensemblefilm.
In seinen Weltraumszenen weckt der Film bisweilen Erinnerungen an alte STAR TREK-Filme, in den Team-Actionszenen denkt man tatsächlich an Brad Birds THE INCREDIBLES. Nicht die schlechtesten Referenzen. Zudem fokussiert sich FIRST STEPS auf eine recht einfache Geschichte ohne viele Nebenfiguren und vor allem ohne erforderliches Vorwissen. Es ist ein Neustart im besten Sinne, nicht nur für die Fantastic Four, sondern auch für Marvel.
Die Post-Credit-Sequenz teast den Auftritt der fantastischen Familie im kommenden Allstar-Vehikel AVENGERS: DOOMSDAY an. Hoffentlich gehen sie im MCU nicht unter, es wäre schade um die Vier.