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The Fantastic Four: First Steps

Erfrischend altmodischer Superheldenspaß, der auf familiäre Werte, ein fantastisches, retrofuturistisches Design und Everybody´s Schauspiel-Darling Pedro Pascal setzt. In Handlung und Botschaft ein wenig zu simpel, ist der bewusst positive Anstrich dennoch auch für Marvel der richtige Schritt in zunehmend unsicheren Superhelden-Zeiten.

Think positive! Bei den beiden größten Prestigeprojekten der in den letzten Jahren arg gebeutelten Comic-Konkurrenten Marvel und DC scheint man in dieselbe Richtung umzudenken. Schluss mit all dem Schicksalsschweren, dem Grüblerischen, dem Bierernsten. Sieht man James Gunns DC-Startschuss „Superman“ und jetzt Matt Shakmans Marvel-Neujustierung „The Fantastic Four: First Steps“, dann weht unverkennbar ein frischer Wind der Lebensbejahung und der beinahe kindlichen Freude. Inmitten einer längst nicht mehr weg zu diskutierenden Superhelden-Fatigue ist dieser positive Ansatz nicht die schlechteste Idee. Zumal die globale Realität eher düsterer denn heller erscheint.

Zwar müssen die Fantastischen Vier nicht wie der Mann aus Stahl gleich ein ganzes Studio neu ausrichten, aber der Beginn von Phase 6 markiert auch hier einen dringend benötigten Turning Point. Nach dem gloriosen Siegeszug der „Infinity Saga“ (2008-2019) geriet die erfolgsverwöhnte Comic-Schmiede mit den Phasen 4 und 5 der „Multiverse Saga“ (2021-2025) qualitativ wie finanziell gehörig ins Schlingern. So gesehen lastet auch auf den vier Superhelden-Astronauten ein ordentlicher Druck, zumal die letzten beiden Marvel-Filme („Captain America: Brave new world“ sowie „Thunderbolts*“) selbst unter den bereits reduzierten Erwartungen blieben. Da kann das Motto nur lauten: Volle Kraft voraus. 

Dementsprechend motiviert beginnt dann auch „First Steps“. In Form einer knallbunten 1960s-TV-Show lernen wir binnen 10 Minuten unsere vier kosmisch verstrahlten Helden kennen, verstehen ihre kultische Verehrung als heroische Weltenretter und bekommen obendrein einen farbenfrohen Einblick in ihre retrofuturistische Realität auf der Erde-828. Das ist so schmissig, launig und knallig erzählt, dass man sich ins selige Abenteuerkino der 50er und 60er Jahre teleportiert sieht. Da ist man dann auch gar nicht böse, als Shakman etwas den Fuß vom Gas nimmt und den Fokus auf die innerfamiliären Strukturen und Beziehungen richtet. Überhaupt steht das Thema „Familie“ über allem und zwar als klar positiv belegtes Wertekonstrukt, aus dem Stärke, Vertrauen und Optimismus erwachsen. Im Mainstreamkino der letzten Dekaden ein Seltenheit, Vergleichbares in Sachen Intensität und Ausrichtung findet sich lediglich in den Fast & Furious-Filmen.

Während die PS-Freaks um Dom Toretto ständig neue Mitglieder aufnehmen, sind die Fantastic Four auch hier sehr klassisch, im Sinne der Kleinfamilie unterwegs. Zwei sind blutsverwandt (Sue und ihr Bruder Johnny Storm), einer hat eingeheiratet (Sues Gatte Reed Richards) und lediglich Ben Grimm kommt als enger Freund dazu. Natürlich schweißt nicht nur der Astronautenberuf, sondern auch das gemeinsame Schicksal von Mutationen aufgrund kosmischer Strahlung zusammen. Zum Ideal des althergebrachten Familienbildes fehlt eigentlich nur noch der Nachwuchs und prompt erwartet Sue auch ihr erstes Kind (Franklin).

Natürlich haben unsere Helden auch Arbeit zu verrichten, schließlich befinden wir uns in einer Comicverfilmung. Das Böse ist für die Kenner der Vorlage keine Überraschung, denn auch diesbezüglich ist man in „First Steps“ auf Klassik getrimmt. Wieder einmal bekommt es das Helden-Quartett mit dem Silver Surfer zu tun, der im Dienste des Planetenfressers Galactus als Überbingerin schlechter Nachrichten durchs All düst. Um die drohende Zerstörung der Erde noch abzuwenden fliegen die Fantastic Four Galactus entgegen. Der lässt sich allerdings lediglich im Tausch gegen Neufamilienmitglied Franklin auf einen Deal ein, was unsere Helden natürlich ablehnen. Für ihren Legendenstatus auf der Erde ist diese Entscheidung allerdings wenig förderlich und erst eine emotionale Ansprache Sues, in der sie Familie und Zusammenhalt als universelle Werte beschwört, bürstet die gekippte Stimmung wieder in Richtung Widerstandsgeist.

Diese Simplizität von Handlung und Botschaft(en) ist zugleich entwaffnend wie gefährlich. Entwaffnend, weil eine klare Sprache und aufrechte Gesinnung in einer immer undurchsichtigeren und von Hypes getriebenen Welt die Sehnsucht nach Halt und Sicherheit triggern. Gefährlich, weil damit moderne Sehgewohnheiten und zeitgeistige Stimmungen unterlaufen oder zumindest angeschossen werden. Wohin das Pendel letztlich ausschlägt, wird das Box Office zeigen, obgleich der jüngste Erfolg von „Superman“ auch für die „Fantastic Four“ hoffen lässt.

Hoffen darf man bei Marvel auch angesichts der visuellen Ausrichtung. Das retrofuturistische 60s-Design ist titelgemäß fantastisch und unterstreicht den poppigen Feelgood-Look. Die Spezialeffekte spielen zwar eher in der Business-as-usual-Liga, fügen sich damit aber eben auch nahtlos in den aus allen Poren strömenden altmodischen Charme des Films. Vor allem aber hat man mit Pedro Pascal (Dr. Richards) und Vanessa Kirby (Sue Storm) zwei der sympathischsten und derzeit angesagtesten Darsteller im Superheldendress, so dass der vermeintlich angestaubte Familiengedanke bestimmt nicht auf taube Ohren und kalte Herzen stoßen wird. Ob Pascal als wissenschaftliches Genie und Joseph Quinn als Extremsport-Junkie und Womanizer jeweils Glaubwürdigkeits-Awards abräumen werden, mag für den ein oder anderen diskutabel sein, für den Erfolg oder Misserfolg sind solche Überlegungen eher akademisch. Schließlich hat sich „The Fantastic Four: First Steps“ mit Haut, Haaren und Mutationen dem positiven Denken verschrieben. Und wer das in irgendeiner Form anzweifeln sollte, der dürfte Ben Grimms Schlachtruf zu hören kriegen: „It´s clobberin´ time!“


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