Auf wen der Titel letztlich zutrifft, entscheidet womöglich die jeweilige Perspektive einer Affäre. Wahrscheinlich ist aber, dass sie ihren Loverboy so kategorisiert, während der deutlich jüngere auf tiefere Gefühle setzt. Regisseur Justin Kelly weiß mit der Prämisse eines konventionell anmutenden Erotik-Thrillers allerdings nicht allzu viel anzufangen.
Sophie (Alicia Silverstone) ist Marketing-Managerin eines Pharmakonzerns und gabelt während einer Gala-Veranstaltung den Aushilfskellner Elliot (Karl Glusman) für eine schnelle Nummer auf. Ein zweites Date findet während eines Kongresses in Paris statt, woraufhin Elliot endgültig tiefere Gefühle entwickelt. Als Sophie kurz darauf die Affäre beendet, kann er die Ablehnung nicht verstehen…
„Pretty Woman“ mal mit Geschlechterumkehr: Sie kann ihn sich leisten und spielt rein gesellschaftlich in einer völlig anderen Liga als der 33jährige, der noch daheim bei seiner Mutter wohnt und augenscheinlich wenige bis gar keine Freunde hat. Einsam scheinen sie beide zu sein, denn trotz geschäftlicher Erfolge ist Sophie alleinstehend und sucht das kleine Abenteuer mit regelmäßigen One-Night-Stands, die auch mal ein Wochenende anhalten können. Allein eine sexuelle Anziehungskraft reicht auf Dauer nicht aus, um auch außerhalb dessen Zeit miteinander zu verbringen.
Allzu romantisch gestaltet sich die Affäre indes nicht. Klar, ist Paris als Stadt der Liebe mit einigen heimeligen Fleckchen ganz apart, doch jene sucht das Paar kaum auf. Eher verbringt man ausladend Zeit in einem Restaurant, besucht ein erotisches Kabarett und deutet eine schnelle Nummer in einer Unterführung an. Dabei entstehen weder Charme noch Erotik, denn jene Szenen bestehen eher aus lahm gefilmten Nahaufnahmen stöhnender Gesichter und weder die Wahl der Schauplätze noch die Kameraführung lassen hierbei ein Knistern entstehen.
Nach der einseitigen Trennung und dem darauf folgenden Stalking gerät der Stoff leider kaum spannend, da es an dynamischen und zum Teil auch logischen Entwicklungen mangelt. Zwar schwingt einigen Situationen ein nachvollziehbares Unbehagen mit, doch man wartet eher ein wenig ungeduldig auf emotionale Eskalationen oder zumindest Momente, die wahrlich mitfiebern lassen. Stattdessen folgt ein unbefriedigendes Ende, welches aufgrund seiner offen gehaltenen Ausgangslage weitere Schlüsse interpretieren lässt.
Während der Score im Grunde mit nur einem wiederkehrenden, doch immerhin markantem Thema arbeitet, stiehlt Glusman seiner Partnerin grundlegend die Show. Seine eher sensible und unreife Figur ist allerdings auch eher dafür ausgelegt, mit Nuancen zu arbeiten, während Silverstone allenfalls mit kühner Berechnung und latenter Contenance zu arbeiten hat.
Mit entsprechender Präsenz können beide noch etwas von dem retten, was die Geschichte im Verlauf weitgehend versäumt zu liefern: Erotik, Spannung und ein mitreißendes Finale.
4 von 10