Review

"This is about conquering now, right? We need to conquer."

In mancherlei seltsamen Filmen hat Dennis Quaid in letzter Zeit mitgespielt, in Born a Champion (2021), On a Wing and a Prayer (2023) oder als Reagan (2024), hier hat er nun mit Sovereign ein neues Exemplar seiner Schauspielkunst dem Œuvre speziell und der Filmlandschaft allgemein hinzugefügt. Als Actionthriller/-drama mit gesellschaftlichen Aussagen gehalten, als Schilderung eines Glaubens und eines Verhaltens, inspiriert von Tatsachen, mit einem Notruf angefangen, zwei Cops sind tot, die Geschichte geht voran:

Basierend auf wahren Begebenheiten – einer Schießerei bei der Polizei in West Memphis 2010 – folgt die Geschichte dem arbeitslosen Jerry Kane [ Nick Offerman ] und seinem fast zwanzigjährigen Sohn Jake [ Jacob Tremblay ], die sich als Sovereign Citizens identifizieren, eine Gruppe regierungsfeindlicher Extremisten, während sie sich auf Suche nach Gleichgesinnten und Unterstützung sowie bezahlten Seminaren über Methoden zur Verhinderung von Zwangsvollstreckungen quer durch das Land bewegen und sich in einer Konfrontation mit einem Polizeichef John Bouchart [ Dennis Quaid ] wiederfinden, die eine intensive Fahndung mit tragischen Folgen auslöst.

Ein Besuch vom County Sheriff steht an, ein freundschaftlicher noch, ein social call quasi, mit schlechten Nachrichten allerdings, der Vater des Sohnes wird gesucht, der Sohn wird gefragt, warum er nicht in der Schule ist, eine Familie auf dem Schirm, bereits auf dem Radar, noch nicht als Bedrohung wahrgenommen, nur als Punkt, der näher herankommt. Das Geld fehlt vorne und hinten, die Bank steht vor der Tür, man lebt draußen vor der Stadt, mit den Nachbarn Tür und Tür. Auf einem alten Sofa wird gesessen, die Gegend auskundschaftet, deren Menschen, über die sozialen Medien, es ist Herbst, es kommt bald Winter. Die Wohnung sieht aus wie eine Müllhalde, für den Vater ist es aufgeräumt, der Sohn hat hinten etwas aufgeräumt, in der dunklen Wohnung, es wird über die Notizen der Bank und des Sheriffs gesprochen. Als Gestapo werden die Gesetzeshüter bezeichnet, man sieht sich über ihnen, der Vater kommuniziert auch über das Radio, er trägt seine Meinung nach außen in das Land, zu jedem, der es hören will.

Die Regierung wird als Feind angesehen, man lebt in der Überzeugung dessen, sich als Art Reichsbürger über dem Gesetz stehend angesehen. Man glaubt nicht bloß daran, man lebt so, mit festem Vertrauen, in seinem eigenen Reich, seiner eigenen Blase, aus vollem Herzen, man freut sich über die kleinen Dinge, der Rasenmäher geht wieder, der Hinterhof aufgeräumt, die Aggression spürbar und spürend. Der Sohn wird mit den Ideen gefüllt, er zweifelt noch, man sieht es deutlich, "I know", nicht in voller Wahrheit ausgesprochen, eher zum Ignorieren, es wird genickt, es wird der Kopf geschüttelt, die Kamera bleibt beim Sohn, der Vater ist der Fehler in der Geschichte, der Lehrer, der Mentor, der Beeinflusser, der Erzieher. Eine Frau gibt es nicht, der Sohn war an der Nachbarstochter interessiert, er hat sie im Netz gesucht, ihre Fotos angeschaut, mehr nicht, kein persönliches Gespräch. Lektionen werden gemacht und abgefragt, es wird durch das Land später gereist, auf der Suche und dem Finden nach Gleichdenkenden, die Kamera dokumentiert, sie ist eher von außen gehalten, sie klebt nicht an den Personen, sie wandert mit herum, zum Vater wird aufgeblickt, sich die Sorgen anderer Menschen angehört, und darauf geantwortet, auf seine Art und Weise.

Gedanken werden gemacht und verdreht, Gehirnwäsche vollzogen, einem Führer zugehört, einer Person und ihren Überzeugungen vertraut, manchmal werden auch noch Witze gemacht, dann wird mal laut und lauter, Applaus brandet auf. Die Geschichte entwickelt sich gleichzeitig schnell und langsam, viel im Dialog, im Frage-und-Antwort-Spiel, die Gegenwart und die Zukunft hinterfragt, man ist sorgfältig im Umgang und gleichzeitig streng. Musikalisch wird es nicht unterspielt, man folgt den Personen und ihren Worten, es wird viel im Film selber gefilmt, immer die Videocam dabei, sich selber gerne zugehört, etwas Religion, mehr Politik, mehr um Recht und Glauben, um Haben und Soll, der Sohn bald anbei bei den Diskussionsrunden, er sieht es noch als Geldverdienen an, für den Vater ist es sein Geld, sein Einkommen, nicht das der Bank, soweit ist es noch nicht gekommen.

Bald wird ein Waffengeschäft besucht, eine Führung durch den Laden, erste Schießübungen auf Zielscheiben, automatisch abgeführt, mehrere Treffer auf den Pappkameraden, "Next time aim more for the head. You know, they wear bulletproof vests."; spätestens da sollte man aufhorchen, es wird nicht gemacht, es wird wieder genickt, dem Vater zugehört. Viele Gespräche, viel Sermon später feuert man wieder Waffen ab, die Szenerie ist grau, inmitten von Amerika, oft in den Abend- und den Nachtstunden, mit dem Auto durch die Lande, durch die Provinz gereist. Eine Routinekontrolle macht das erste Problem, für den Vater zumindest, es wird dokumentiert, es wird lauter, selbst der Sohn ist am Brüllen, "He didn't do anything!", der Hund bellt, eine erste Gewalttat, es wird Widerstand geleistet, Dennis Quaid kommt ins Bild, ein Psychothriller installiert. Eine Befragung findet statt, wieder ist die Kamera bei Sohn, nicht beim Vater dran, Quaid als Autoritätsperson, das Radar schlägt zum ersten Mal an. Es wird nachgefragt, nachgehakt, es wird mit Logik versucht, mit Wahrheiten, so weh sie auch tun. Das Zimmer bei der Polizei, dem Jugendheim ist sauberer als das zu Hause, das Essen ist besser, für einen Moment auch eine Schule besucht, eine Unterrichtsstunde, es wird mehr zugehört als aufgenommen, man sieht die Gesichter der Figuren hier. Für einen Moment scheint sich alles zu besser, man engagiert sich in einer Gemeinschaft, wie ein 'normaler' Heranwachsender, man spielt, man träumt, "Something to think about", die Sozialpflege bemüht sich, es ist nur ein kurzer Augenblick der Auszeit, eine Wegkreuzung überquert, erst in die richtige Richtung, dann wieder umgekehrt, nun hat man auch Musik, aus dem Radio, ein Pop-/Rocksong ertönt.

Aus einem Zwei-Personen-Stück werden selten mehr, es geht um den Vater und den Sohn, der Rest ist unwichtig im Grunde, manchmal sind es Begleiter, manchmal sind es Feinde, es wird auf die Bibel gehört und daraus zitiert. Die Inszenierung wirkt bedrohlich, sich steigernd, schwelend von Beginn an, aus dem Zunder und Glimmern wird ein Feuer, ein Flächenbrand, von Tulsa aus kommend, das ganze Land durch streifend. Der Junge erlebt viel, er sieht viel, er hört selbst in Abwesenheit seinem Vater zu, dem Bericht über den "Nazi Checkpoint", der Routinekontrolle an der Straße, wo er keinen Führerschein vorzeigen konnte und keine Autoversicherung, er hat sich bereits über die Polizisten erkundet, deren Wohnorte und Umgebung studiert. Quaid spielt höchstens eine größere Nebenrolle hier, er kommt zwischendurch ins Bilde, er gibt dem Film etwas Aufmerksamkeit, er hat seinen Namen, seine Reputation, seine Karriere seit mehreren Jahrzehnten, eine Hollywood-Legende, durch bessere und schlechtere Zeiten gereist. Er steht hier auf der anderen Seite des Gesetzes, auf der, die man als 'richtig' bezeichnet, die gegenüberliegende Partei wird ab der Mitte häufiger mal gezeigt, ein Aufeinandertreffen unausweichlich, ein Rasen aufeinander zu, "because", eine Tragödie bahnt sich an, ein Töten um des Tötens willen, eine lange Vorbereitung.

Zwischendurch findet eine Traumabewältigung statt, nicht alles ist schlecht, manches ist gut gemeint, eine Grauzone gefunden, ein anderes Dasein, eine Danksagung, ehrlich gemeint. Erinnern tut das Ganze natürlich etwas an Rampage, etwas mehr noch an "Sprengstoff", das Buch von Richard Bachman alias Stephen King, dort war es jeweils nur ein Mann, der sich widersetzt und widerstrebt, auch dort stand eine Häuserpfändung bzw. Beseitigung der vier Wände an, es wurden die Motive geklärt und der Ausbruch der Gewalt, hier wird ein Minderjähriger mit hineingezogen, eine Gerichtsverhandlung steht an, ein Exzess, das Ende fängt an. Quaid und der Sovereign sind gar nicht so verschieden, sie sind zwei Seiten einer Medaille, sie leben beide in ihrer Erziehung, es werden teilweise die gleichen Worte benutzt, das gleiche Verhalten, auch dort wird gefilmt, Zusammentreffen aufgenommen, was ist richtig und was ist falsch, was ist wahr und was nicht, der Zuschauer entscheidet. Erster Ausweg, zweiter Ausweg, Hindernisse aufgestellt, dann stehen wieder Polizisten vor der Tür, die Frist ist um, ein lang gehegter Plan wird umgesetzt, die Lage eskaliert, eine Starrheit bricht sich Bahn, ein Weg in das Nirgendwo, an die eigenen geschaffenen Grenzen angelangt, der Weg führt nicht voran und er führt sicherlich nicht zurück; "Hey! This is serious! This ain’t no fucking around now!"




















Details
Ähnliche Filme