Review

Einfach unfassbar! Prime stampfte einfach mal so "Bosch" ein, die beste Krimiserie der heutigen Zeit. Dann kam "Bosch Legacy", was jetzt keine größere Veränderung mit sich brachte. Aus dem Cop wurde ein Privatdetektiv, aus der Storyline um den Polizeichef eine neue um Boschs Tochter Einstieg in den Polizeiberuf. Und statt Partner J.Edgar nun ein Technikfreak, der sich um alles kümmert, wofür man sonst einen Polizeiapparat hatte. Warum man das dann eingestellt hat, erschliesst sich mir nicht ganz, waren doch die Qualitätseinbussen nur minimal. Dann Gerüchte um eines neues Spin-Off und dann kam recht schnell also "Ballard". Die Figur wurde zum Ende der finalen Bosch Legacy-Staffel eingeführt und ist jetzt Titelgeber einer völlig neuen Serie aus dem Bosch-Universum. Geändert hat sich allerdings nicht nur die Hauptfigur, sondern auch sonst noch so einiges. Was die Serie mit der Mutterserie verbindet, sind Gastauftritte von Figuren beider Vorgängerserien. So taucht Harry Bosch in ein paar Folgen auf, sein Legacy-Partner auch in einer Szene. Crate & Barrel halten eine Rede auf einer Trauerfeier, Honey Chandler hat ein paar Sätze und selbst J.Edgar hat zwei kurze Auftritte, was in Legacy nicht der Fall war. Auch vom Kamerastil bleibt man dem Original treu.

Ansonsten ist hier vieles anders. Ich habe jetzt überhaupt gar kein Problem damit, dass in der einst männerlastigen Serie eine Frau die Hauptrolle spielt. Allerdings kommt mir alles in allem die komplette Serie vor wie eine Frauenvariante von Bosch. Da ist neben dem weiblichen Alphatier noch ein weibliches Team. Die beiden Männerfiguren sind entweder schwul oder egozentrisch-beziehungsunfähig. Dann werden klassische Frauenthemen behandelt, wie z.B. männertoxische Verschwörung bei der Polizei, Vergewaltigung, PTBS und Bindungsangst. War mir persönlich etwas too much. Wäre jetzt aber auch kein Problem, zumal ich mir solche Seilschaften schon vorstellen kann. Richtig problematisch ist die verworrene Handlung. Es mag zwar sehr realistisch sein, dass Cops mehrere Fälle gleichzeitig bearbeiten, die sich dann auch mal überschneiden. In diesem Fall aber war die Verwirrung recht groß. Fall kommt, Fall wird abgegeben, Fall kommt zurück, usw. Man verliert hier recht schnell den Faden und spannend ists auch nicht. Echte Spannung habe ich zum ersten Mal mit dem Cliffhanger von Folge 9 (!) gespürt.

Auch schauspielerisch ist hier wenig geglückt. Bis auf die besagten Gastauftritte spielen kaum bekannte Darsteller mit. Maggie Q in der Titelrolle bringt weder das nötige Charisma, noch das mimische Talent mit, um diese Titelrolle auszufüllen. Die anderen Darsteller schlagen sich tapfer, aber das Hilfspolizei-Ermittlerteam kommt ja mehr wie ein Bücherclub rüber.

Und Action? So gut wie keine. Eine Tür eintreten ist hier schon das Actionhighlight der Serie. 

Man sieht, weitaus mehr Tadel als Lob für diese Serie. Ich war auch ziemlich enttäuscht, denn das gewohnte hohe Bosch-Niveau kann hier nicht gehalten werden. Neueinsteiger können hier sicher einen Blick riskieren, aber mehr als Durchschnitt ist diese Serie dann auch nicht.

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