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Clint Eastwood ist stets eine coole Sau und toller Schauspieler gewesen, doch was den Anspruch seiner Leistungen angeht, der ist er besser geworden, je älter er wurde, wie er mit seinem großartigen Auftritt in „In the Line of Fire“ beweist.
Frank Horrigan (Clint Eastwood) ist Secret Service Agent und Urgestein der Behörde. Selbst das Attentat auf John F. Kennedy hat er miterlebt, nur verhindern konnte er es nicht. Inzwischen ist er zwar nicht mehr Bodyguard, aber immer noch topfit in seinem Job. So liegt es auch ihm seinen jüngeren Partner Al D'Andrea (Dylan McDermott) raus zu hauen, als ein Undercovereinsatz schief läuft. Ist zwar nichts großartig Neues, aber unser Clint regelt das mal wieder mit seinem einnehmenden Charme, sodass man gar nicht meckern kann.
Es gibt Leute, die auch dem aktuellen Präsidenten nicht gerade wohl gesonnen sind – Leute, wie John Booth (John Malkovich). Selbiger hat es auf das Leben des Staatsoberhauptes abgesehen wie Frank bei einer Wohnungsdurchsuchung feststellt, doch der potentielle Killer ist bereits ausgeflogen. Anfangs bleibt Booth immer im Schatten und man kann kein klares Bild des Bösewichts machen, obwohl man ja bereits durch das Filmplakat weiß, wer ihn verkörpert. Doch geschickt gemacht ist es trotzdem.

Als Booth spitzkriegt, dass ausgerechnet Frank hinter ihm her ist, fordert er ihn zu einem Spiel heraus: Er ruft ihn an und erzählt ihm von seinem Plan. Frank setzt daraufhin alle Hebel in Bewegung, um wieder als Bodyguard in direkter Umgebung des Präsidenten zu arbeiten. Doch Frank ist nicht mehr der Jüngste und sein Gegenspieler äußerst gerissen…
„In the Line of Fire“ ist ein sehr gelungener und spannender Thriller, doch Eastwood und Malkovich fahren hier mehr als nur die halbe Miete ein und ohne sie wäre der Film wohl weitaus weniger gut. Eastwood gibt den gealterten Wolf zwar so hart wie immer, aber mit der gleichen Portion Selbstironie, die bereits „Rookie“ veredelte. Vor allem sein „Jetzt muss ich den ganzen Schrott wieder anziehen“-Spruch zeigt spricht in der Hinsicht Bände. Ihm gegenüber steht ein mal wieder beeindruckend psychopathischer John Malkovich, der kaltblütig mordet, aber doch Leidenschaft in sein perfides Spiel einbringt. Das Duell der beiden ist schon allein das Ansehen wert, doch auch die Nebendarstellerriege (unter anderem Rene Russo) schlägt sich super.
Ansonsten bietet die Geschichte gelungene Thrillerkost, die zwar mit wenig großen Neuerungen vom Hocker haut, aber sehr spannend gemacht in Szene gesetzt ist. Der Psychopath treibt ein wirkliches Spielchen mit dem armen Frank, diskreditiert ihn in der Öffentlichkeit, reitet auf seinem Versagen beim JFK-Attentat herum, aber will ihn stets als Gegner. Gleichzeitig muss Frank nicht nur den Präsidenten beschützen, sondern auch Hinweise sammeln, um seinen Kontrahenten endlich mal ausbooten zu können. So wechseln sich Ermittlungen und öffentliche Auftritte des Präsidenten im flotten Wechsel ab und es kommt nie Langweile auf, auch wenn sich Regisseur Wolfgang Petersen gelegentlich etwas kürzer fassen könnte.
Abgesehen von der spannenden Thrillerkomponente ist „In the Line of Fire“ gleichzeitig das spannende Profil eines alten Wolfs. Frank will den Präsidenten nicht schützen, weil er ihn so gut leiden kann oder weil dieser ein zweiter JFK ist, sondern um sein eigenes Versagen bei der JFK-Ermordung wieder gutzumachen. Erfreut beobachtet man Franks Verbissenheit, wie er neben den Präsidentenlimousine herjoggt, obwohl ihn das aus Altersgründen sehr fordert und obwohl er weiß, dass es an sich Quatsch ist, da die Limousine über ausreichende Panzerung verfügt. Dieser Held ist ganz klar Eastwood, ein Mann mit Prinzipien, der sich stets gegen arrogante Jungspunde und Sesselfurzer durchsetzen muss.

Dieses Personenporträt wird auch mit genügend Ironie angereichert, die zum einen in Franks Kommentaren zum Vorschein tritt, aber auch in seiner Beziehung zu der Agentin Lilly Raines (Rene Russo). Auf den ersten Blick scheint es zwar wieder eine dieser unsäglichen Geschichten zu werden, in der man dem Helden einfach eine deutlich jüngere Partnerin aufs Auge drückt, doch die Altersunterschiede werden hier mit Humor aufs Korn genommen – im Gegensatz zu vielen anderen Hollywoodfilmen. Doch so wahrt Mr. Eastwood sein Gesicht, zumal die romantische Komponente hier nie in den Vordergrund tritt.
Auch was die Action angeht, verhält sich Eastwood seinem Alter entsprechend: Es wird etwas geprügelt, geschossen und verfolgt, doch Frank muss sich dabei stets bewusst machen, dass seine besten Zeiten hinter ihm liegen. Doch gerade das macht die eher unspektakulären Actionmomente sehr intensiv, vor allem das Finale ist sehr gelungen.

„In the Line of Fire“ erfindet das Thrillergenre zwar nicht, aber dank der exzellenten Schauspieler und der gut eingesetzten Ironie ist hier dennoch ein sehr spannender und sehenswerter Film herausgekommen.

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