Mit diesem spannenden Actionthriller liefert der Deutsche Regisseur Wolfgang Petersen (Das Boot, Die Unendliche Geschichte) seinen besten US-Film ab. Die beiden hochkarätigen Mimen Clint Eastwood (Dirty Harry, Erbarmungslos) und John Malkovich (Con Air, Mutant Chronicles) dürfen sich "In the Line of Fire" ein gnadenloses Duell liefern. Und selbst die gut zwei Stunden Laufzeit schlagen nicht negativ zu Buche.
Das Versagen beim JFK-Attentat hat Secret Service Agent Frank Horrigan (Clint Eastwood) immer noch nicht richtig verarbeitet. Durch den Attentäter Mitch Leary (John Malkovich) erhält er jedoch eine zweite Chance. Mitch will nicht nur den Präsidenten ermorden, sondern er will auch, dass Horrigan es verhindert. So liefern sich die Beiden ein Katz- und Mausspiel und stets scheint Mitch die Nase vorn zu haben.
Clint Eastwood wollte sein "Dirty Harry"-Image eine Zeit lang loswerden, doch sein Charakter Frank Horrigan geht genau in die Richtung. Er lebt für seine Arbeit, hat seine Prinzipien und könnte schon lang in Rente sein. Doch er arbeitet immer noch für den Secret Service, wie in seinen besten Zeiten. Neben der Arbeit interessiert er sich nur für Jazz, spielt auch mal gerne selbst Klavier und hat es auf die jüngere Kollegin Lilly Raines (Rene Russo) abgesehen. Die sich anbahnende Romanze dürfte wohl der einzig bitter aufstoßende Punkt sein, denn es bremst das Geschehen aus und will nicht so recht passen. Obwohl Eastwood gerade in diesem Zusammenhang seine trockenen Onliner aufsagen darf. Und genauso mögen wir in auch. Er sagt stets seine Meinung, beleidigt gerne mal Vorgesetzte und klopft Sprüche am laufenden Band. Jedoch lässt Peterson dies nie ausarten, doch dieser trockene Humor verleiht "In the Line of Fire" den letzten Schliff. Trotz seiner 61 Lenze wirkt Eastwood immer noch glaubwürdig in jeder Szene, wobei auch die Tücken des Alters zum Vorschein kommen. So liegt er schlafend in seinem Büro und seine Kollegen stürmen herbei weil sich einen Herzinfarkt vermuten und beim Rennen ist er stets schnell ausser Puste. Ausserdem sucht ihn bald noch eine Krankheit heim.
Diesen Charakter muss man einfach mögen, doch auch seinen Gegenspieler Mitch Leary findet der Zuschauer nicht unsympathisch. Auch er hat seine Gründe und wie Frank eine eher traurige Vergangenheit. So sieht Mitch in Frank seinen einzigen Freund und rettet ihm sogar einmal das Leben. Mitch will Frank um jeden Preis als Gegner behalten und scheint zu Beginn immer mehrere Schritte voraus zu sein. Er hat sich auch wirklich einiges einfallen lassen für das Attentat auf den Präsidenten. Man nehme nur mal die selbstgebastelte Waffe, die vielen Identitäten, oder die Sache mit der hohen Geldspende. Doch vorher versucht er kontinuirlich Frank zu verunsichern. Die Beiden telefonieren, die Fangschaltung hat Mitch natürlich bedacht und messen ihre Kräfte auch gerne in Worte.
Actionszenen sind dabei Nebensache, das spannende Duell hält den Zuschauer auch so bei der Stange. Trotzdem darf mal ein wenig geschossen werden, ein paar kleine Handgreiflichkeiten mit eingeschlossen und Mitch darf ein paar Morde begehen, die seine Kompromisslosigkeit noch untermalen. Zudem sorgt er dafür, dass Frank in einigen Situationen ziemlich schlecht dasteht und so auch bei seinen Vorgesetzten aneckt. Im gelungenen Finale setzt Petersen mehr auf Action. Mitch und Frank dürfen den Sieger unter sich ermitteln, ein Happy End ist natürlich vorprogrammiert.
"In the Line of Fire" ist auch wirklich gut besetzt, wird aber hauptsächlich von den brillant agierenden Team Eastwood / Malkovich getragen. Auch Rene Russo (Lethal Weapon 3 und 4, Showtime) und Dylan McDermott (Hardware, Agoraphobia) machen einen tollen Job.
Wolfgang Petersen präsentiert uns ein straight erzähltes Duell, welches auch den Charakteren viel Platz lässt. An Spannung und Wendungen mangelt es nie, nur die Lovestory hätte nicht sein müssen. Zu erwähnen wäre noch der hervorragende Score von Ennio Morricone, der die gewollt graue Welt der Politik bestens untermalt, 8,5 Punkte gibt es von mir.