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Ein Spätwerk vom Feinsten für den alternden Actionheld.
"In the Line of Fire" ist lupenreines Thrilleractionkino mit Anspruch, dafür garantieren schon eine erstklassige Besetzung, ungeheure Spiellaune, ein Regisseur im Aufwind und eine klug konstruierte Story, die auch in ruhigen Szenen jederzeit bei Laune hält.

Natürlich konnte Eastwood jenseits des 60.Lebensjahrs nicht mehr den "Dirty Harry" raushängen lassen, also was lag da näher, als das Altern selbst zum Thema zu machen, mit der eigenen Ikone immer wieder ironisch zu brechen und mit den Möglichkeiten angemessen zu haushalten.
Und so fällt es dann auch kaum mal auf, daß hier keine Spitzenwerte des Actionkinos erreicht werden, deliziös ist es allemal.

Die Story gönnt sämtlichen Charakteren reichlich Zeit zum Entfalten. Nach einer heftigen Startsequenz, die mehr durch Routine als durch Überraschungen glänzt, kann man sich mitsamt des ältesten Personenschützers und Ex-Präsidentenleibwächters bequem entspannen. Eastwood spielt seine Vorliebe für Jazz aus, schäkert mit Rene Russo und gönnt sich einen flotten Spruch. Als Zuckerguß noch ein leises Trauma, den Mord an Kennedy nicht verhindert zu haben.

Diametral gegenüber ein diabolischer John Malkovich, dessen potentieller Attentäter zu einer kaltblütigen und superraffinierten Killermaschine heranwächst, gnadenlos alles aus dem Weg räumend, was sich seinem Plan in den Weg stellt und doch menschlich genug, sich ein geschliffenes Rededuell mit dem Helden am Telefon zu liefern, als dessen direkter Gegner er sich sieht.

Während der Zuschauer gepflegt rätseln darf, wie Malkovich seinen komplizierten Plan umsetzen will, kommt es zu den gewohnten Stilelementen, der erfrischend aufgepeppt werden. Mehrfach wird der Täter beinahe entlarvt, eine Verfolgungsjagd endet mit einem ausgepumpten Helden, später noch sogar mit einem toten Partner. Malkovich verwandelt sich immer mehr in ein hüllenwechselndes Chamäleon, der überall und nirgends zu sein scheint.
Derweil dreht sich die Spannungsschraube immer mehr zu, unterbrochen von ein paar amourösen Intermezzi und dem beruflichen Bankrott des alten Hengstes, bis dieser natürlich im langen, aber ansteigend dramatischen Showdown als einziger den richtigen Riecher hat. Im Herzschlagfinale kann dann auch das Trauma endlich zu den Akten gelegt werden.

"Die zweite Chance" enthält eine ganze Reihe denkwürdiger Szenen, die nicht nur rund unterhaltend gespielt sind, sondern auch optisch erlesen. Neben dem Attentat selbst, das in Schnitt und Gegenschnitt die Bemühungen beider Seiten parallel präsentiert, fallen mir noch andere ein, die immer wieder schön anzusehen sind, wie das Eisessen mit Russo unter dem Lincoln-Denkmal in Washington, dem angeblichen Herzinfarkt Eastwoods, einer Sexszene mit reichlich zu entkleidendem Waffen- und Schutzmaterial, dem Mord Malkovichs an zwei Jägern im Schilf, einer dramatischen Szene während einer Wahlkampfveranstaltung und Eastwood, der einer Pinnwand voll seiner eigenen Vergangenheit gegenübersteht, die der Täter zurückgelassen hat.

Den Oscar hatte Eastwood da schon für "Erbarmungslos" kassiert, doch seine verschmitzte Leistung in diesem Film, ruhig, volltönend und souverän knorrig ist eine echte Offenbarung für Fans, unterstützt von einem Regisseur wie Petersen, der hier mal absolut alles richtig machte. (9/10)

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