Review

Erstaunlich, was ein erfahrener Haudegen wie Clint Eastwood auf seine alten Tage noch auf die Reihe bringt. Da ist er über 30 Jahre im Geschäft und bis auf das zerfurchte Gesicht ist sein Charakter noch genau derselbe wie anno dazumal in der "Dollar"-Trilogie, bloß dass er in "In the Line of Fire" die Selbstironie an vielen Stellen sichtbar raushängen lässt.

Wer erinnert sich bei der Exposition (eine Undercover-Mission, die fast schief läuft) aufgrund des Verhaltens Eastwoods nicht an "Dirty Harry", sogar der Kult-Quote mit der einen Kugel im Lauf ist wieder zu finden. Augenzwinkernd gibt sich Good Old Clint da, aber trotzdem kernig und innerlich zerfressen, denn er konnte vor dreißig Jahren das Attentat auf Kennedy nicht verhindern und wird nun von einem Psychopathen genervt, der versucht, den Präsidenten zu ermorden.

Der Film lebt und voll und ganz vom Psychoduell Malkovich vs. Eastwood. Genügend Zeit wird aufgewendet, um die beiden Charaktere ausführlichst zu schildern, sodass immer klarer wird, dass es zu einem Finale ganz auf die beiden zugeschnitten kommt. Zuvor aber sollen sich die beiden noch näher kommen, in meinem persönlichen Highlight, der Verfolgungsjagd über den Dächern Washingtons, wo sich Frank am Abgrund hängend in einer Zwickmühle befindet.

Für die Romantik sorgt Rene Russo, für den Humor ihre Dialoge mit Eastwood. Sie, die intelligente, attraktive Frau in den besten Jahren ohne Mann an ihrer Seite und er der alte Knorrbär. Unvergleichbar, wie Eastwood nach Scheitern eines Bettgelages genervt meint: "Na toll, jetzt darf ich den ganzen Scheiß wieder anziehen". Unterschwellig humorvoll kommt Psychopath John Malkovic daher, der hier so glänzend diabolisch und chamäleonartig spielt, dass man sich ein Grinsen manchmal nicht verkneifen kann.

Die Bezeichnung "Psychokrimi" würde auf dem Film übrigens eher passen als "Actionthriller". Ka-Wumm darf man nicht erwarten, "In the Line of Fire" ist ein stiller, außergewöhnlicher Vertreter seines Genres, von Wolfgang Petersen in ruhige Hochglanzbilder der Hauptstadt Amerikas getaucht. Dennoch überwiegend spannend, aber der Wiedersehfaktor ist da leider nicht sehr hoch.

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