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Wahrscheinlich ist es inzwischen cringe, den Begriff cringe zu verwenden, doch der Möchtegern-Thriller von Regisseur Harvey Lowry ist ein Stelldichein der Peinlichkeiten. Eventuell kann Musikerin und Hauptdarstellerin Shelley Q. noch ein paar Follower der bislang 13.500 auf Insta hinzugewinnen, eine Million dürften indes schwer werden.

Karissa (Shelley Q.) lebt mit ihrer jüngeren Schwester auf einer Pferderanch in South Dakota. Ihr Vater hat Rücken, es gibt hohe Schulden, Geld muss her. Sie liked einen Beitrag des Netzwerk-Gottes Jack und wird kurz darauf von ihm und seinen Sponsoren nach Phuket, Thailand in eine Villa eingeladen, wo sich mehrere Influencer einfinden. Doch die Sache hat einen Haken…

Anhand der Prämisse lässt sich bereits ableiten, wie drei Autoren mit fantasievollem Halbwissen ihre Köpfe zusammensteckten, um daraus ein naives Märchen im Blogger-Hochglanz-Style zu basteln. Thailand bietet zwar immer eine hübsche Kulisse, doch davon bekommt man in der eher austauschbaren Villa weniger mit. 

Das Ding ist weder ein handfester Thriller, leider auch kein Slasher und noch weniger eine Gesellschaftsstudie geworden, es sei denn, man betrachtet das Geschehen als reine Satire.
So knüpft die Unschuld vom Lande natürlich gleich Kontakt mit dem flippigen Lifestyle-Blogger, der ihr spontan hilft, die massiven Kontraste zu überwinden. Bezeichnenderweise ist der Sponsor ein Wodka-Hersteller, weshalb im angrenzenden Club ordentlich gepichelt werden darf und, um bei den Stereotypen noch eins drauf zu setzen: Die einzige augenscheinlich Einheimische macht sogleich einen fiesen Eindruck und es sollte nicht wundern, wenn die ein wenig Kampfsport beherrscht.

Nur ist es um die Action genauso schlecht bestellt wie um die Spannung. Rund eine Stunde lang darf man sich über die Klischees der Social Media Emporkömmlinge ärgern (oder amüsieren) und wenn man denkt, die Talsohle sei erreicht, setzt der so genannte Showdown auf einer Yacht im Minutentakt noch einen drauf.
Hinzu kommen die durchweg zu beanstandenden Darstellerleistungen, eine üble Songauswahl, eine zumindest nicht ganz so schreckliche Kamera und Dialoge auf höchstem Fremdschäm-Niveau.

Jedwede Drehbuchfinte ist erahnbar, einige Sub-Plots verschwinden kommentarlos und es gibt lediglich eine lustig gemeinte Szene bei einem Abendessen, welche tatsächlich für drei Sekunden schmunzeln lässt. Die an einer Hand abzählbaren Temposzenen beschränken sich auf knapp abgehandelte Rangeleien, zwei, drei nahezu unblutige Einsätze von Schusswaffen und unmotiviertes Gerenne.
Filmisch betrachtet ist das absoluter Bodensatz. Seinen Unterhaltungswert bezieht er lediglich daraus, Trashfans hin und wieder eine Steigerung hanebüchener Verhaltensweisen und Scheinfakten zu servieren.
3,5 von 10     

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