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Yoshii ist ein Profi-Reseller, der es mit der Echtheit seiner Ware nicht so genau nimmt. Auch einen moralischen Kompass besitzt er nicht. In Not geratene Unternehmen zockt er ab, indem er ihre Geräte für ein paar Yen übernimmt und zu stolzen Preisen verkauft, Fans schnappt er begehrte Limited Editions komplett vor der Nase weg, um sie fürs Doppelte online zu verhökern. 

In Kiyoshi Kurosawas Film rächt sich das – anders als vielleicht im wirklichen Leben. Yoshii wird anonym bedroht, kündigt seinen Job, obwohl er eine Beförderung in Aussicht hat und zieht mit seiner materialistischen Freundin aufs Land. Während ihr ein romantisches Zuhause vorschwebt, verwandelt er das moderne Haus in ein Büro mit Lagerhalle und stellt den örtlichen Herumtreiber Sano als Assistenten an, der nun den ganzen Tag im Haus abhängt. Doch auch hier machen die Drohungen nicht Halt und als Sano hinter die Machenschaften seines Chefs kommt, eskaliert die Sache. 

In PULSE (KAIRO, 2001) prangerte Kurosawa bereits die Schrecken des Internets an, dieser Film wirkt so, als hätte er Hatepages und Kommentarspalten zur Drehbuchvorlage genommen. Nimmt man den Film 1:1, erzählt er eine erschreckend platte Geschichte der Auswirkungen von Onlinehass im echten Leben. Ein wenig glaubwürdiger Plot, da das Verhalten von Menschen in der Anonymität des Internets mit realen Interaktionen nicht so ohne Weiteres gleichzusetzen ist. Interpretiert man das Geschehen auf einer allegorischen Ebene als mentale Auseinandersetzung Yoshiis mit den inneren Gegnern und Verbündeten als Gewissenskonflikt, wird der Film etwas interessanter, auch wenn es unklar ist, ob Kurosawa eine solche Lesart beabsichtigte. 

Auch wenn CLOUD hochwertig gefilmt ist und insbesondere in seiner ersten Hälfte als atmosphärischer Slow Burner sehr gut funktioniert, ist dies nicht gerade das beste Werk des Regisseurs. Sein Kurzfilm CHIME aus dem selben Jahr hatte mit weniger Handlung deutlich mehr zu sagen.

6.5/10

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