Review

Platzpatrone oder Punktlandung?

Nach dem Trailer war ich sehr skeptisch, ob eine Art Legacysequel für „Die nackte Kanone“ 2025 noch funktionieren kann, ob der Humor noch geht und zieht, ob ich das brauche. Ob irgendwer das braucht. Einem Rewatch der genialen Trilogie letzte Woche folgend brach die Skepsis nicht ab, wurde eher stärker. Doch nun nach dem Kinobesuch der „new version“ muss ich erleichtert aufatmen - es hat funktioniert, ich hatte meinen Spaß, das geht auch heutzutage noch! Wir folgen Frank Drebin Jr. (!) durch Missverständnisse, Chaos und Kapriolen, wenn er einen wahnsinnigen Tech-Milliardär stoppen muss…

Zwerchfellzwickmühle

Ich hatte echt Angst vor dem neuen „The Naked Gun“. Die Trilogie von damals ist unantastbar und heftiger Bestandteil meiner filmischen Grundausbildung als Kind. Leslie Nielsen ist leider nicht mehr da. Und der charakteristische (ZAZ-)Humor ist meiner Einschätzung nach eher nichts für die aktuell Jüngeren. Obendrauf musste ich beim ersten Trailer erschreckend wenig lachen und selbst bei Neeson war es fraglich, ob er „das“ kann. Aber wie gesagt, allen Unkenrufen und möglichen Fallstricken zum Trotz - „The Naked Gun“ (2025) funktioniert! Für mich platziert er sich qualitativ irgendwo zwischen dem dritten und zweiten Teil der Reihe - was ich als vollen Erfolg einstufe! Es ist dumm, es schießt flach und aufhörlich, es macht Spaß. Humor ist subjektiver als nahezu alles sonst im Filmbereich. Aber für mich ist das eine sehr solide und sinnvolle/sinnlose Mische aus dem alten Style und neueren Einflüssen des Lonely Island-Dunstkreises („Popstar - Never Stop Never Stopping“). Neeson zieht das furztrocken durch, seine Chemie mit Pamela sprüht Funken (kein Wunder, scheint die beiden während der Dreharbeiten doch tatsächlich Amor getroffen zu haben, wie toll!) und einige Witze, Runninggags und Sets haben mich echt erwischt und laut lachen lassen. Und das schaffen heutzutage neue Filme in diesem Ausmaß nur noch sehr selten. Die Gagdicht ist unerschütterlich und zieht sich bis tief in den Abspann (wenn auch nicht ganz wie damals!). Niemand ist sicher, kein Niveaulimbo scheint zu schmerzhaft oder cringe, Tabus gibt's kaum, kein ernstgenommenes Wortspiel ist zu plump. Auf die deutsche Synchro, die sich arg flexibel zeigen muss, bin ich gespannt. Und die Laufzeit ist erfrischend breezy. Daher bin ich einfach nur froh, dass das noch zustande kam und recht gut durchläuft… Aber selbstverständlich sollte auch klar sein, dass an Großtaten des ZAZ-Teams von damals selbst in den besten Momenten hier nichts heranreicht. Aber diesen Berg hat bisher eh noch kaum einer gänzlich erklommen. Ich kann mit dem Endergebnis trotzdem richtig gut leben. Und das war keine Selbstverständlichkeit, kein Selbstläufer, eher eine Anomalie. 

Fazit: erfrischend und sympathisch altmodischer Klamauk… Sinnlos, schamlos, schön. Hat gut getan! 

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