George Clooney spielt George Clooney, der George Clooney entdeckt
In der prestigeträchtigen und zurückgelehnten Netflixproduktion „Jay Kelly“ spielt George Clooney charmant und entspannt wie meistens einen alternden und weltbekannten Filmstar, der sich zusammen mit seinem Manager auf eine Selbstfindungsreise durch Europa begibt nachdem ein alter Freund von ihm gestorben ist…
Ein letztes Aufbäumen des Filmstars?
„Endlich normale Leute!“ muss sich George Clooney aka Jay Kelly denken… Aber wirkt das auch echt? Wirkt das glaubhaft? Gibt einem das etwas mit? Oder ist das doch irgendwie eher Selbstbeweihräucherung? Teils teils. Ganz kann selbst ein begabter und sensibler Regisseur wie Noah Baumbach eine gewisse Oberflächlichkeit, Selbstverliebtheit und Aus-der-Zeit-Gefallenheit nicht ganz abschütteln. Und trotzdem ist „Jay Kelly“ dann doch ein Starvehikel, das mir mehr gegeben hat als man denken könnte. Z.B. deutlich mehr als Clooneys letztes „Urlaubsvideo“ („Ticket ins Paradies“) mit Julia Roberts. Mehr einigermaßen clevere Dialoge, mehr Einsicht, mehr Metaebene, mehr Hollywoodvibes, mehr Europa, mehr Entschleunigung, mehr Anspruch, mehr Buddy-Chemie mit Sandler, mehr Familie, mehr Fernweh, mehr Heimweh, mehr Introspektive, mehr Facetten von Clooney, mehr storytechnische Abzweigungen, mehr (milde) Überraschungen, mehr Laufzeit (was nicht immer gut ist), mehr Wein und lockeres Leben. Und manchmal reicht das - zumindest mit einer solchen Starpower!
Baumbach macht den Unterschied
Fazit: Schöne, metakniffige und wohltuende Starreise mit Charme, Augenzwinkern und Selbsterkenntnissen… „Mamakino“ der besseren Sorte. Ein Amerikaner mal wieder in Paris. Top Doppel mit (dem besseren) „Sentimental Value“.