George Clooney spielt einen alternden Hollywoodstar in der Sinnkrise – das wäre in etwa die Formel, auf die sich Noah Baumbachs jüngster Netflix-Film bringen lässt. Doch bei allen interessanten Parallelen und Widersprüchen zu realen Verhältnissen, bei allen clever inszenierten Film-im-Film- und Flashback-im-Film-Spielereien und bei allen faszinierenden Behind-the-Scenes-Einblicken, spielen in diesem Film doch die Beziehungen die Hauptrolle.
Starschauspieler Jay Kelly (Clooney in charmanter Hochform) müsste eigentlich bei der Kostümprobe seines nächsten Films sein, hat es jedoch aufgrund einer spontanen Eingebung vorgezogen, seiner fast erwachsenen Tochter auf deren Eurotrip nachzureisen, um noch etwas Qualitytime mit ihr zu verbringen, bevor sie ins College entschwindet. Womit er nicht nur seine Tochter zum Fremdschämen, sondern auch seinen Manager (Adam Sandler), seine Agentin (Laura Dern) und seine Entourage (u. a. Emily Mortimer, die mit Baumbach das Drehbuch schrieb) zur Verzweiflung bringt.
Der Film, der beim Publikum nur mittelprächtig ankam und von Kritik sowie Oscar Academy weitgehend ignoriert wurde, weist hochinteressante Parallelen zum fast zeitgleich veröffentlichten Kritikerliebling SENTIMENTAL VALUE auf. Während jedoch in Joachim Triers mehrfach oscarnominiertem Film der alternde Regisseur (Stellan Skarsgård), der seine Kinder vernachlässigt hat, letztlich von der Kunst freigesprochen wird und seine Tochter zurückgewinnen kann, indem er ihr eine Hauptrolle verschafft, zeichnet JAY KELLY ein deutlich differenzierteres Bild: Hier erteilt die Filmkunst keine Absolution, die Verantwortung für die eigenen Beziehungen liegt bei den Menschen und wir erleben sowohl die Konsequenzen als auch eine Entwicklung.
Das macht JAY KELLY, der bisweilen an die Filme Alexander Paynes (THE DESCENDANTS, THE HOLDOVERS) erinnert, nicht nur zu einem besseren, sondern auch zu einem humanistischeren Film. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich hier mit tollen Schauspielern, einem guten, abwechslungsreichen Drehbuch und einer wunderbaren Inszenierung herrlich amüsieren kann.