Review

Symmetrisch geht die Welt zu Grunde

Auf den Titel "Bugonia" hört Yorgos Lanthimos' "Save the Green Planet"-Remake und erzählt ebenso wie seine koreanische Inspiration von einem bienenzüchtenden Verschwörungstheoretiker, der zusammen mit seinem devot-gutmütigen Cousin die mächtige Chefin einer massiven Techfirma kidnappt und foltert, da er meint, diese gehöre zu einer Alienrasse, die unseren Planeten und unsere ohnehin strauchelnde Spezies unterwandert haben soll...

Von diversen Bienen, Schafen und anderen Alphatieren

In einer Welt, die von Dummschwätzern, Ratlosigkeit, Extremisten, moralischem Verfall, Entmenschlichung und Fehlinformationen geprägt scheint - und das muss man sich selbst als hoffnungsvoller und positiver Mensch eingestehen! - ist "Bugonia" natürlich passend und Gold wert. Und Lanthimos die einzige logische und treffende, den Finger in Wunden legende Wahl für das Thema und dieses Remake. Und obwohl ich das südkoreanische Original trotzdem noch minimal vorziehen würde, kann ich "Bugonia" eine Menge abkaufen. Themen wie Diversität, Verschwörungen, persönliche wie gesellschaftliche Unsicherheiten, Unruhen, Unzufriedenheiten, Unwahrheiten, Missverständnisse und immense intellektuelle Gefälle - all das sind massive Phänomene unserer Zeit, die akuter und erschreckender denn je wuchern und die "Bugonia" teils köstlich, teils bitterböse, teils etwas aufgewärmt in sich aufnimmt und genüsslich zerkaut. Da hatte ich bei etlichen Szenen und Dialogen schon enorm Spaß und genauso breites Grinsen wie andauerndes Kopfschütteln drauf. Nochmal: Lanthimos ist genau der richtige Mann, "Bugonia" kommt genau zur richtigen Zeit. Und ist ein richtig gelungener Kommentar, nihilistisch und recht hoffnungslos. Aber vielleicht ist es genau diese zynische und hoffnungslose Betrachtungsweise, die mich mit "Bugonia" nicht ganz so euphorisch hat connecten lassen wie mit dem wärmeren, fehlerbehafteteren Original. "Bugonia" ist viel mehr Horror als Genremischung. Und wie gesagt, ein richtig krasser und bissiger Lanthimos, der fast ebenbürtig zum polarisierenderen und dagegen fast schon amateurhaft wirkenden Original bestehen kann. Aufopferungsvolle Darsteller, intensive Kameraarbeit, opake Aussagen, triumphaler Score und (für Leute, die das Original noch nicht kennen, sicher auch) Unberechenbarkeit inklusive. Trotzdem für mich eher ein Werk - ähnlich wie "Frankenstein" oder "Eddington" in 2025 - das ich bewundere und respektiere, nicht unbedingt fühle und liebe. Unterkühlt und überstimuliert. Aber eines der coolsten Filmposter des Jahres gibt's obendrauf. Wie gemacht für die Criterion Collection.

Corporate Evil

Fazit: Sinnvolle Neuinterpretation, "Verwestlichung" und "Verwesentlichung" aus der düsteren Feder des weird-sterilen Griechen. Passend zur aktuellen Epoche am moralischen Abgrund. Ich mag das unberechenbarere und menschlichere Original aus Südkorea noch mehr, aber auch "Bugonia" ist ein reizender, bissiger Wurf!






Details
Ähnliche Filme