Ein Neurowissenschaftler (Tony Leung Chiu-wei) auf Gastprofessur in Marburg während der Corona-Pandemie. Zwei junge Marburger Studenten (Enzo Brumm, Marlene Burow) in den 70ern beim Experimentieren mit einer Topfpflanze. Eine junge Frau (Luna Wedler), die es im Jahr 1908 gegen alle Vorurteile und Widerstände zur ersten Biologiestudentin der Marburger Universität schafft. Und im Park steht ein Gingkobaum.
Der Film von Ildikó Enyedi verfolgt kein klares Narrativ, weder in seinen drei Episoden noch über die zweieinhalb Stunden seiner Laufzeit. Die Verbindung zwischen Menschen sowie zwischen Mensch und Natur, die Interaktion der beiden, die Kommunikation und das Empfinden der Flora, all das sind Aspekte, die der Film beleuchtet, jedoch nie ausleuchtet, so als würde Ildikó Enyedi mit einem Scheinwerfer durchs Dunkle gehen, hie und da ein Schlaglicht setzen, das Ausformulieren des gesamten Bildes jedoch dem Zuschauer im vom Schimmer der Leinwand teilbeleuchteten Kinosaal überlassen.
Dabei ist der Film eher ein meditativ-intellektueller visueller Essay, es gelingt ihm nie, einen Sog zu entwickeln, wie es beispielsweise Mascha Schilinski in ihrem oberflächlich betrachtet ähnlich angelegten IN DIE SONNE SCHAUEN oder auch Terence Malick in seinem TREE OF LIFE gelang. Von letzterem scheint sich Kameramann Gergely Pálos auch die Bildführung abgeschaut zu haben – visuell ist der Film durchaus eindrucksvoll, nur hat man diesen unkonkreten Look einfach schon zu oft gesehen. Vieles will hier poetisch sein, ist aber doch nur prätenziös.
Was bleibt, sind einige einprägsame Szenen und ein rundum tolles Schauspiel, insbesondere in den Episoden der Jetztzeit und in den Schwarzweiß-Szenen Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier würde man sich gerne auch einen ganzen Film mit richtiger Geschichte ansehen wollen. Weniger überzeugend ist die 70er-Jahre-Episode, hier wirken die Geranienexperimente ein wenig wie aus einer ARD-Kinderserie und die Sprache der Jugendlichen („Ja voll! – „Ja total!“) scheint nicht ordentlich recherchiert zu sein.
Insgesamt also eher trockene Arthauskost, der zum echten Genuss etwas mehr Humor, mehr Aha-Effekt und vor allem ein narrativer roter Faden fehlt.