(Blut-)Fleck im Gesicht
Der erste „Influencer“ war (mit Abstrichen) eine sonnig-schöne, moderne, digitale Variation, ein feines Update auf die bitchigen Serienkillerinnenmotive vergangener Jahrzehnte. Und er muss für Shudder einer der beliebteren und erfolgreicheren Titel gewesen sein, denn nun wird nicht nur ein „s“ angehangen, sondern mit dem Sequel über die influencermordende Verführerin und Psychopathin direkt versucht in vielerlei Hinsicht einen drauf zu setzen, breiter zu denken und tiefer zu stechen…
Fernweh & Fallstricke
Südfrankreich hat wundervolle Landschaften und luxuriöse Küstengegenden, Cassandra Nauds faszinierende Mörderin hat Ikonenpotenzial und einige ihrer echt schockierenden Killermomente haben es wieder schön pervers und saftig in sich. Wie wenn „Emily In Paris“ auf „Misery“ oder gar „Fatal Attraction“ treffen würde. Schöne Menschen, schöne Aussichten, schöne Narben und Wunden. Theorien, Tote, Tragik, True Crime. „Influencers“ überhastet nicht, er punktiert und dosiert seine Kills und Schocks genau, sieht einfach durch die Bank schnieke aus. Und er setzt der „Generation Instagram“ natürlich oftmals brutal den Spiegel vor. Oder knallt ihnen den Spiegel eher direkt gegen den Kopf. Um dann dessen Scherben auch noch irgendwie in deren Halsschlagader zu rammen. Fast zwei Stunden hätten die mörderisch-perfiden Damenspiele an der Côte d’Azur nicht gehen müssen. Das „Intro“ nimmt sich besonders (zu) viel Zeit. Aber wenn „Influencers“ erstmal zur unberechenbaren Messerstecherin wird, dann verliert der Film trotz Blutbächen auf seinen goldenen Granitböden nur selten die Kontrolle und seine Standfestigkeit, Boshaftigkeit und Genauigkeit… Entfesselter, ergiebiger und extravaganter als das Original. Ein stabiles Sequel.
Ein echter Pärchen-„Slasher“
Fazit: Genauso böse, bitter, abgefuckt und urlaubsreif wie der erste Teil. Mochte man „Influencer“, macht man mit dem „s“ mehr bestimmt wenig falsch. Selbst wenn er sich etwas mehr sputen könnte und teils (passend) in Schönheit stirbt…