"Niemand hätte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts geglaubt, dass unsere Welt beobachtet würde; dass Wesen, intelligenter als die Menschen und doch ebenso sterblich, uns bei unserem täglichen Tun fast ebenso interessiert erforschen könnten, wie unsere Wissenschaftler mit dem Mikroskop jene kurzlebigen Lebewesen erforschen, die in einem Wassertropfen schwimmen und sich darin vermehren. Mit großer Selbstgefälligkeit schlenderte die Menschheit mit ihren kleinen Sorgen kreuz und quer auf dem Erdball umher, im beruhigenden Vertrauen auf ihre Herrschaft über die Materie. Vielleicht tun die mikroskopi-schen Lebewesen unter dem Mikroskop dasselbe. Niemand hätte Gedacht, dass der Weltraum eine Quelle der Gefahr für das menschliche Leben sein könnte. Jede Vorstellung, dass Leben auf anderen Planeten existieren könnte, wurde als unwahrscheinlich oder unmöglich abgetan. Bestenfalls kam es vor, dass manche Erdenbewohner sich einbildeten, es könnten Wesen auf dem Mars leben, vermutlich von minderwertiger Art, jedenfalls aber solche, die ein irdisches Forschungsunternehmen freudig begrüßen würden. Es ist seltsam, sich heute an diese Vor-stellungen vergangener Tage zu erinnern. Denn jenseits des leeren Ozeans des Weltraums blickten Wesen, uns gegenüber so überlegen wie wir den Tieren, mit ungeheurer, kalter und unheimlicher Intelligenz, neidisch auf unseren Planeten. Ruhig und gezielt schmiedeten sie ihre Pläne gegen uns. Und am Beginn des 20. Jahrhunderts kam die große Desillusionierung über uns."
~ H.G. Wells
In letzter Zeit hat Amazon Prime bei seinen exklusiven Titeln stilsicher in die Grabbelkste ganz nach unten gegriffen, Produkte aus dem Wühltisch wie Alarum, The Tin Soldier oder noch Krieg der Welten, nicht der von Spielberg mit Tom Cruise, sondern ein länger zurückgehaltenes Erzeugnis, welches (neben Zero Contact, 2021) wahrscheinlich seinesgleichen sucht. Dort ohne schlagkräftigen Titel, hier mit Quellenverweis, einem anderen Herangehens, aus 'Schutz von Infektion' (Dreharbeiten fanden von November' 23 bis Juni '24 statt, andere Angaben sagen Sommer und Herbst 2020) nur jeden Darsteller einzeln und den Rest über Bildmontagen, Nachrichtengeschehen, Videocalls etc, Chats der diversen Art usw. dargereicht; "A grounded sci-fi film in the vein of District 9, that touches on themes of privacy versus surveillance":
Will Radford [ Ice Cube ] arbeitet das Department of Homeland Security arbeitet, eine Post-DOGE-Version der US-Regierung, er ist vor allem mit derm Aufspüren und Verhaftung eines Hackers namens" Disruptor" beschäftigt, im Auftrag seines Vorgesetzen, dem NSA Director Donald Briggs [ Clark Gregg ] und der Unterstützung von FBI Field Agent Sheila Jeffries [ Andrea Savage ], muss sich aber währendessen auch um andere Probleme, denen der Kinder, der schwangeren Tochter Faith [ Iman Benson ] sowie ihrs Freundes Mark Goodman [ Devon Bostick ] sowie seines computeraffinen Sohnes Dave [ Henry Hunter Hall ] kümmern. Zuem bekommt er Berichte von NASA Scientist Sandra Salas [ Eva Longoria ], die furchtbares Nahelegen, und was dann auch eintrifft.
Universal Pictures steckt (hier neben Patrick Aiello Productions & Bazelevs Entertainment) gar dahinter, ein einstmals glanzvolles Logo, Ice Cube loggt sich in seinen PC ein, wir sehen ihn oben rechts mal in die Kamera starrend, dann wieder die CCTV Aufnahmen, das Stock Footage, Big Brother und 1984 und Brazil lassen grüßen, viele verschiedene Tasks und Clicks, ein Hin und her, ein Anruf, ein Wetterphänomen,"keep me posted", Nachrichten über Youtube versendet und gehört, alles sehr hektisch, eine Art Minority Report für Arme zu Beginn, es gibt die Death Threats und die Heim'besuche', viele verschiedene Aufgaben und Eindrücke hier, Ice Cube klimpert auf der Tastatur, er hat sich extra eine Brille zugelegt. Ein Büro, sein Büro ist der Schauplatz hier, großzügig eingerichtet, ein bisschen die Verhältnisse geklärt, dann viel angerufen, viel beantwortet, eine Drohne losgeschickt, es gibt Facetime und anderen Shit, vielleicht gibt es auch ICQ und Hotmail Messenger, ein Stirren und Starren auf den Bildschirm, ein Jucken und Kratzen im Bart, es wird sich mal beruflich und dann wieder privat mit der Materie beschäft, es wird die Laufzeit gefüllt, Zero Contact tat das ähnlich. Es wird spioniert, es wird dramatisiert, Mutitasking hier, Facebook anvisiert, das ganz allttägliche Bildschirmleben, unseerer Leben, das Schauen auf Monitore, größer oder kleiner, mal eine Durchsuchungsbefehl rausgeschickt, eine Fahndungsperson ausgeschrieben, das FBI und die Nationalsicherheit eingeschaltet, man ist 'live' bei der Verhaftung dabei, die Stürmung einer Wohnung, eine Disruption, eine Explosion, die Notrufe gehen ein, überall Alarm und Klingeln, die Städte von Geschossen überzogen, von 'Sternschuppen' weltweit getroffen, ein tödliches Szenario, Ice Cube macht dazu Reaction Shots, quasi die Unboxing soweit sind wir gekommen schon.
Von der Idee her naja, es gab oder gibt Filme, wo dergleichen Herangehensweise funktioniert hat, in Searching oder Cloverfield zum Beispiel, hier ist es aus mehrfacher Not herausgeboren, ein Vermischen von Realität mit Fiktion, ein Handeln der momentanen, mittlerweile vergangenen Situation mit Übergriffen auf einen anderen Quelltext, teilweise wackelt das Büro auch, das muss man sehen, um es zu glauben, die Kamera wackelt, ein Einschlag in der Nähe simuliert, das Schauspiel kann man auch schlecht beschreiben, es wirkt amateurhaft, von vielen Beteiligten, vom Hauptdarsteller auch, es gibt keine Schauspielführung, es gibt viel Wackelei und Unschärfen, die Videoqualität mal mit Absicht schlecht, ein Spielen mit Indifferenten und Frequenzen, es werden die Leute beim Laufen gezeigt, und die Hubschrauber beim Fallen gezeigt. Augenzeugenvideos der ganzen Welt werden hier eingeworfen, Stock Footage Aufnahmen, ein paar Effektszenen, atmosphärische Destruktion, familiäre Bedrohungen, viel Geschreie in den Monitor, dazu ständige Überwachung der Kinder, ihre Herzpulse auf dem Monitor, den Vater dann auch mal beim Laufen gezeigt, beim Fluchen und 'Schauspielen', beim Dramatisieren, Laienspielgruppe pur. So etwa ein halbe Stunde ist es halbwegs spannend, dann wird es einmütig eintönig, Geklicke und Geklacke, dazu gerne Selbstgespräche, dazu emotionale Offenbarungen, genau zur richtigen, also in etwa zur falschen Zeit, eine schiere Peinlichkeit; immerhin sind die USA hier mit der NATO und der VRC vereint, und man hat sich tatsächlich an Wells orientiert, das Ein-Mann-Regierungsüberwachungs-Netzwerk gerät ins Schwitzen, es hat viel zu tun, zu koordinieren, zu observieren, das geht den ganzen Tag so lang, ein Screenlife-Thriller, vom Ende bis zum Anfang.
Die meiste Zeit ist das bonkers, es ist paranoid gehalten, wie ein wirrer Albtraum, nach einem schlechten Rausch, wie eine Schizophrenie, ein Kontrollverlust über die Sinne, nur die kleinen Häppchen zählen. Eine richtige Geschichte findet nicht statt, ein Schnipselsalat aus diversen Medien, dazu The Asylum die Konkurrenz gemacht, es gibt sogar eine Verschwörungsplotte, es gibt Split Screens, die Feeds sind down, die Daten verloren, die Maschinen drehen durch, alles zur gleichen Zeit, FOMO herrscht hier, manchmal funktioniert das besser, manchmal gar nicht, manchmal eine gelungene Modernisierung, eine Warnung, die Daten das Wichtigste im Leben, die Fotos, die Voicecalls, dazu die Wahrheit und die Fake News, die Gute von dem Schlechten, das Richtige von dem Falschen zu unterscheiden. Eine Massenflut für den Zuschauer, zwischendurch wird man ausgebremst, dann wieder neugestartet, rebootet, den Cache gelöscht, ein Service-Verweigerungs-Angriff, eine Rebellion gegründet, eine Revolution verfolgt, dazu eine Gefühlsduselei von höchsten Maße; hybride Organismen.