kurz angerissen*
Den Wilden Westen in patriarchale Gesellschaftsstrukturen zu kleiden, ist ein alter Konsens. Breitbeinige Duelle in der Mittagssonne sind dafür ein ebenso aussagekräftiges Symptom wie die Kneipenschlägerei oder die Damsel In Distress. Derartige Relikte gehören zum Genre dazu und bilden einen Teil seiner Identität. Interessant wird es erst, sobald ersichtlich wird, in welcher Absicht ein Western sie verwendet: Wird er mit ihnen etwas Heldenhaftes heraufbeschwören oder doch eher die veralteten Moralvorstellungen einer überholten Ordnung hervorheben, die heute nicht mehr tragbar wäre?
Wahre Anti-Western kommen in beiden Fällen nur selten aus der Gleichung heraus, weil die Rituale an sich im Normalfall immer eine Restfaszination bewahren und eher für das Schwelgen in der Romantik frisch erschlossener Welten sprechen als dagegen. John Sherwoods Debütfilm als Regisseur (und der einzige von nur Dreien) fällt diesbezüglich jedoch aus dem Rahmen. Er verzichtet nämlich weitgehend auf ritualisierte und traditionalisierte Abläufe. Im Grunde beschränkt er sich auf eine einzige Regel: Das Recht des Mannes auf seine eigene Frau. Und lässt daraufhin das Gesetz der Wildnis walten. Es geht ums Fressen oder Gefressenwerden.
"Die Meute lauert überall", ein überaus treffender Titel übrigens, ist folglich eine gnadenlose Abrechnung mit der Männlichkeit. Harte Kerle, von denen fast jedes Szenenbild regelrecht überquillt, nehmen sich gegenseitig aus der Gleichung, um am Ende in den Besitz einer Frau zu gelangen. Die Objektifizierung des Weiblichen wird im Drehbuch früh behauptet, bekommt jedoch durch das bisweilen idiotische Gebaren der Buhlenden eine anklagende Färbung. Yvonne De Carlo ("The Munsters") und Mara Corday verbringen ihre Zeit überwiegend in eine Ecke gedrängt, abwartend, ob sich die Männer, die um sie kämpfen, am Ende womöglich gegenseitig selbst zerfleischt haben; der scheinbar einzige Ausweg aus einem zementierten Weg in die Hölle auf Erden.
Diesbezüglich darf man von einem der konsequenteren Anti-Western seiner Zeit sprechen, besteht die Besetzung doch beinahe vollständig aus Tätern und Opfern, beides in diesem Fall keine Rollen, in die man als Zuschauer schlüpfen möchte. Es ist nichts Begehrenswertes in dieser Welt zu entdecken; nichts, das es lohnen würde, sich ihr anzuschließen. Zum Teil mag dieser Eindruck allerdings auch von der handwerklichen Komponente herrühren. Wie viele B-Western mit beschränkten Mitteln verwendet auch dieser den Wilden Westen praktisch nur als Kulisse für ein minimalistisches Theaterstück, dessen Bühnenperformance in diesem Fall nicht einmal einer besonderen Choreografie bedarf. Ein paar Kostüme und Felsvorhänge, vor denen sich Statisten, Neben- und Hauptdarsteller prügeln können - das wirkt bisweilen wie das Produkt einer Massenproduktion, zumal weder Kamera noch Score besonders Hervorhebenswertes leisten. Selbst das Skript weiß abgesehen von dem Indianer-Joker nicht viele Wendungen aus dem Ärmel zu zaubern.
Sehenswert ist "Die Meute lauert überall" hauptsächlich wegen seiner mutigen Anklage gegen eine von Männern dominierte Weltordnung, weniger wegen seiner filmischen Qualitäten, obwohl man argumentieren könnte, dass das Fehlen des einen das Gelingen des anderen fördert.
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