Held rächt sich kostümiert mit Spezialwaffen an Übelwichten – klingt nach Comicverfilmung, ist im Falle von David DeCoteau „Prey of the Jaguar“ ausnahmsweise mal keine.
Allerdings wird erst mal der pöse Pursche eingeführt, in diesem Falle Damian Bandera (Trevor Goddard), seines Zeichens Erbe eines Drogenimperiums. Der sitzt allerdings noch im Knast, in den ihn Undercoveragent Derek Leigh (Maxwell Caulfield) einst brachte, bricht aber mit Hilfe seiner Handlanger unter der Führung von Kenichi Tanaka (Steven Vincent Leigh) aus. Das ist als Opener überraschend flott gemacht, da stört es auch gar, dass man den Helden noch gar nicht zu Gesicht bekommen hat.
Angesichts dessen Bartes will man das auch nicht, aber kommt später zum Rachefeldzug auch ab. Doch für einen Rachefeldzug braucht man erst einen Anlass, hierzu lese man gern die Ausführungen von Kollege zeckpetzki. Selbigen bekommt Derek als die Bösewichte ihn im Zeugenschutzprogramm auffinden, ihn vermeintlich töten und seine Familie meucheln. So weit, so bekannt, also jetzt Rache.
Dazu reaktiviert sich Ex-Agent Derek kurzerhand selbst, holt sich bei einem Ex-Kollegen das nötige Equipment und baut einen Kampfanzug nach Zeichnungen seines getöteten Sohnes. In diesem Jaguar-Outfit macht er nun Jagd auf die Gangster...
„Prey of the Jaguar“ hat seine Momente, zeigt aber gleichzeitig, dass man keine Superheldenfilme drehen sollte, wenn es einem an Geld und Ideen fehlt. So muss man mal wieder Statisten-freie Außenaufnahme und karge Innen-Locations begutachten, da haben andere B-Actioner wesentlich lebendiger ausgesehen. Auch das McPlastikbomber-Outfit des Helden überzeugt kaum, von der unfreiwilligen Komik, die das als Spielzeugladen getarnte Waffenlager parat hält, mal ganz zu schweigen. Leider hat auch die Regie dem wenig entgegenzusetzen, doch ein Blick in die Filmographie des Regisseurs verrät schnell warum.
Leider bekleckert sich das Script auch nicht unbedingt mit Ruhm, wobei seine Formelhaftigkeit nicht mal der größte Fehler. Geschichten um einsame Rächer und Cops, welche Leichen aufsammeln dürfte und die Vigilante-Nummer insgeheim gut finden, können funktionieren, doch leider benötigt „Prey of the Jaguar“ fast die ganze erste Hälfte zur Einführung: Vorstellung von Held und Bösewicht, Meucheln der Familie, Training und Vorbereitung des Rachefeldzuges. Das hält unnötig auf und sorgt andrerseits dafür, dass der Held in Hälfte zwei enttäuschend wenig zu tun hat, ehe die Rache vollzogen ist.
Wenigstens hat „Prey of the Jaguar“ ein halbwegs fähiges Stuntteam an Bord und versorgt den Zuschauer in Filmhälfte zwei mit Geballer und Keilereien. Erstere sind kaum der Rede wert, das Gekloppe hingegen kann sich sehen lassen – auch wenn der Hauptdarsteller leider mangels Martial Arts Fähigkeiten dauernd gedoubelt werden muss. Doch Doubles und Kontrahenten zeigen wenigstens ihr Können, was den Film immerhin ein wenig rettet. Da sieht man auch gern über manche Blödheit hinweg, z.B. wenn der Held eine Wache erst mittels Ninjastern verletzt, sie dann im Nahkampf bearbeitet, um sich dann zu verstecken und sie aus dem Hinterhalt zu erlegen – das hätte er auch direkt tun können. Übrigens ist der Film auch in der uncut-Fassung absolut harmlos, weshalb die massiven Schnitte in der deutschen Fassung verwundern.
Trevor Goddard ist als Bösewicht immerhin mit Laune bei der Sache, Steven Vincent Leigh ist als dessen Sidekick in Ordnung, auch wenn er enttäuschend wenig zum Zuge kommt. Stacy Keach hat einen besseren Cameo, Linda Blair spielt die Polizistenrolle auf Autopilot, doch ganz OK, während Paul Regina etwas besser daherkommt. So bleibt der einzige darstellerische Ausfall ausgerechnet Maxwell Caulfield, bei man partout nicht weiß, warum er gecastet wurde: Kämpfen kann er nicht und auch sein Schauspiel spottet jeder Beschreibung.
So sind es dann die ordentlichen Nebendarsteller und die Kampfszenen, die bei „Prey of the Jaguar“ retten, was zu retten ist. Nur ihnen ist es zu verdanken, dass der Film noch teilweise unterhaltsam für Genrefans ist, aber gegen die Mängel bei Script und Regie kommen sie nicht an.