Au weia, so harmlos hat man die Indios während der großen Zeit der Kannibalenfilme selten erlebt, denn der Konflikt zwischen den vermeintlichen Wilden und den zumeist doch nicht moralisch gefestigten Zivilisierten kommt erst gar nicht zustande. Stattdessen wird uns eine seelenlose Liebesgeschichte vorgesetzt, die das Triefniveau einer jeden Heimat-Schmonzette übertrifft.
Eva, offenbar eine Anthropologin, ist mit ihrem besoffenen Gatten Aldo mit einem kleinen Flugzeug unterwegs, um einen Indio-Stamm in Kolumbien zu studieren.
Doch das Flugzeug legt eine Bruchlandung hin und während Eva ihren Mann für tot hält, fischt sie der einheimische Krieger Kapax aus dem Wasser, zu dem sie sich rasch hingezogen fühlt…
Möglicherweise wollte das kolumbianisch-spanische Regieteam die negativen Vorurteile gegenüber südamerikanischen Naturvölkern aus dem Weg räumen und diese friedlich und mit halbwegs nachvollziehbaren Ritualen präsentieren, doch das haben wir während einiger TV-Reportagen bereits weitaus ansprechender und spannender verpackt erlebt.
Figurenzeichnungen sind kaum vorhanden, Konflikte gibt es lediglich zwischen zwei Anwärtern um Eva und während der doch nicht tödlich verunglückte Aldo schlichtweg aus dem Drehbuch verschwindet, werden die Dialoge auf ein Minimum zurückgeschraubt.
Denn der gute Kapax bedient sich einer ohrenscheinlichen Fantasiesprache, die zwischen „Oko Hunko“ und „Tscho Tsche“ pendelt, während Eva dem Betrachter im Off mit ihren gefühlsmäßigen Gedanken versorgt, was wie die zwischenzeitliche Ansage einer Märchentante klingt.
Schlimm ist nur: Es passiert nichts. Hier eine Schlange, die meterweit entfernt bereits Suspense aufkommen lassen soll, dort ein Krokodil, welches noch nicht einmal in der Nähe eines Menschen seine Runde schwimmt, dazwischen ein paar minutenlang anhaltende Rituale mit Trommeln, Freestyle-Dance und wippenden Titten und bei alledem sind weder Gefahren, noch Abenteueratmosphäre auszumachen. Ohne eigentliches Ziel, ohne einen Anflug von Dramaturgie plätschert das schwach inszenierte Bild des Dschungels ohne einen visuellen Höhepunkt vor sich hin.
Da helfen weder die minimal eingesetzten Bongos, noch die schwülstig vor sich hin zitternde Flöte, die neben einigen kurzen Passagen mit Streichern den uninspirierten Score bilden.
Und auch wenn man den Laiendarstellern wenig ankreiden kann und ein halbwegs erfahrener Aldo Sambrell zumindest während der ersten zehn Minuten so etwas wie vage Schauspielerei ins Spiel bringt, bietet das Affentheater mit zunehmender Dauer potenzierten Ärger aufgrund anhaltender Ereignislosigkeit.
Freunde brutaler Kannibalenfilme sollten sich also nicht vom einschlägigen Titel täuschen lassen, denn bis auf ein paar brauchbare Tieraufnahmen am Rande bietet der Streifen null Spannung, null Atmosphäre, null Handlung und ergo null Unterhaltungswert.
1,5 von 10