Regisseur Ben Leonberg mag Tiere – besonders Hunde – und Horrorfilme. Also dachte er sich wohl: Warum gibt es eigentlich keinen Horrorfilm für Hunde? Mit Good Boy versucht er genau diese Lücke zu schließen – und scheitert meiner Meinung nach leider daran.
Der Film erzählt einen klassischen Spukhaus-Plot, allerdings konsequent aus der Perspektive eines Hundes. Wir begleiten Indy, einen Nova Scotia Duck Tolling Retriever, der mit seinem menschlichen Herrchen in das abgelegene Haus dessen Großvaters zieht. Während der Mensch wenig wahrzunehmen scheint, bemerkt Indy seltsame Geräusche, Schatten und eine unheimliche Präsenz im Haus. Die Idee dahinter ist spannend: Was wäre, wenn Tiere Dinge sehen oder spüren, die uns Menschen verborgen bleiben? Leider wird dieses Konzept erzählerisch kaum genutzt. Die Handlung bleibt über weite Strecken diffus, ziellos und eher einschläfernd als gruselig, sodass man aus der ganzen Schose nicht wirklich schlau wird – man muss wohl eher wie ein Hund denken.
Ich habe mir sogar den Spaß gemacht, den Film gemeinsam mit meinem Hund anzuschauen, doch auch er zeigte keinerlei Interesse und verschlief den Großteil der 74 Minuten Laufzeit. Mir ging es ehrlich gesagt ähnlich. Das Drehbuch wirkt sehr undurchdacht, Spannung baut sich kaum auf und selbst die wohl dosierten Jump-Scares fühlen sich oft unpassend und wirkungslos an. Was Good Boy vor dem kompletten Absturz bewahrt, ist tatsächlich sein Hauptdarsteller: Indy, der Hund des Regisseurs, sieht nicht nur unheimlich süß aus, sondern spielt seine Rolle auch erstaunlich gut. Die menschlichen Darsteller hingegen bleiben blass, sind oft nur angeschnitten zu sehen oder verschwinden ganz aus dem Fokus – konsequent aus Hundesicht gefilmt, aber leider auch emotional distanziert.
Good Boy ist eine nette Idee mit ungewöhnlicher Perspektive, die jedoch an einem schwachen Drehbuch und mangelnder Spannung für menschliche Zuschauer scheitert. Für Hundefreunde vielleicht einen Blick wert, als Horrorfilm jedoch kaum überzeugend. Nach dem Hype einiger Rezensionen für mich eine herbe Enttäuschung.