Von der Grundidee her, der Besetzung und dem Marketing her exakt an Wong Jing zu schlechten Zeiten erinnernde (Action)Komödie von Chris Huo Suiqiang; der allerdings anders als sein nun auch wesentlich älterer Kollege aber noch eine Laufbahn vor sich hat oder zumindest haben könnte, wenn man sich denn etwas anstrengt und nicht in Retorte und Egalität für die Streamingdienste wirtschaftet, und wenn man vielleicht im Genre des modernen Actionthrillers wie Blind War (2022) oder The Comeback (2023) bleibt und nicht querbeet filmt. Huo, der leider zumindest auch in seinen letzten Arbeiten zuweilen auf Übertreibung auch im humoristisch gemeinten Sinne handelte und dabei meist kein wirkliches Händchen für zeigte, sollte sich auf seine Stärken besinnen und dort auch bleiben, das zu Grelle und Laute liegt ihm nicht so, ist aber ein Problem, dass die meisten chinesischen Filmemacher aufweisen, oder es ist doch nur die Bedienung der landeseigenen Komik, wer weiß das außerhalb der Volksrepublik China schon:
Vor 28 Jahren brachte Liang [ Yuen Qui ] im Gefängnis einen Jungen namens "Little Bean Jelly" zur Welt. Als das Kind ein Jahr alt wird, verlieren Mutter und Sohn den Kontakt. Jahre später gerät der Handlanger der Green Dragon Group, "Ghost" [ Philip Ng ], während einer Mission in einen Hinterhalt und erblindet. Als Liang aus dem Gefängnis entlassen wird, lernt sie Ghost kennen. Der eine will nur das Attentat vollenden, der andere will Wiedergutmachung leisten, um die Mutter-Sohn-Beziehung wiederherzustellen. Durch eine unerwartete Verkettung von Umständen helfen sich Mutter und Sohn gegenseitig.
Eine knappe Zusammenfassung der Vorgeschichte, ein Todesfall während einer Beerdigung, dann schon ein Geschehen im Gefängnis, zu den Tönen von Kung Fu Hustle (2004), eine Prügelei um Toilettenpapier, das nimmt das Niveau gleich höher. Ein damals und ein heute, 30 Jahre später, die nächste Actionszene, die nächste Verschwendung, allesamt Aufnahmen für den Boden vom Schneideraum, für den Giftschrank, immerhin Massenszenen, ein Zweikampf in einer Telefonzelle zeigt für einen Moment erstes Interesse. Darsteller Ng war nie als Komödiant eingesetzt oder gar dafür bekannt, auch hier funktioniert er nicht in der Rolle, dazu gibt es den Sidekick vom krawalligen The King of Sniper: Assassination (2023), es gibt bekannte Regieeinfälle, die Huo auch sonst angewendet hat, die dort schon nicht gut ankamen und hier auch nicht sind.
Ein großes Gewusel, viel in Bewegung mit wenig Ruhe, eine Kraftanstrengung für die Sinne, die Augen und die Ohren vor allem, dazu etwas Brutalität als zusätzlicher 'Anreiz', exaltierte Fights, die ab und zu Material für die Stuntmen und den Choreografen bereithalten; immerhin ist das Tempo hier höher als bei vergleichbaren von Wong Jing und es steckt auch mehr Geld drin. Stille Rückblenden haben teilweise positive Aspekte, der jetzige Trubel ist eher ein filmisches Tribunal, eine Folter, eine Qual; auch gerade, weil soviel Akzentuierung vorhanden ist, zumindest Yuen Qiu gibt sich Mühe in ihrer Altersrolle, mehr kann man nicht verlangen anscheinend.
Dass der Gimmick mit dem “blind“ aus Blind War, Huos auch im westlichen Ausland verkauften Erfolg hier auf diese Art und Weise erneut genutzt und damit de facto missbraucht wird, macht es nicht geschickter, eher noch gleichgültiger; zusätzlich zögert es recht dünne die Geschichte auf geschlagene 105 Minuten hinaus. Und sie wird erst etwas interessanter durch die Einfügung von weiteren Auftragskillern, die ihren Auftrag für gegeben und erledigt sehen, darunter eine blutjunge attraktive Mörderin im kurzen Kleid; man hält sich an Kleinigkeiten fest zur 'Erheiterung'; von der gross-out Humoreska über dramatische Anspielungen und dem Thriller zum knallbunten Lückenfüller. Mal ist sie in Bedrängnis, mal her, halb zog sie ihn, halb sank er hin. Was das Interesse der Beteiligten vor und hinter der Kamera ausgerechnet hier geweckt hat, wäre nicht unwichtig zu erfahren, ein formelles und materielles Durcheinander, ein Hinauszögern des Verfahrens, vorläufiger Tiefpunkt der letzten Werke des Regisseurs, eine ziemliche Überforderung in vielerlei Hinsicht. Die einzige gute Ausrede: Die meisten HK-Komödien sind genau solch scheiternden Versuche, und sie haben weniger Auseinandersetzungen.