Review

„Don’t show your face!“

Alice wird nachts vom Getrappel kleiner Füßchen geweckt. Dabei sollte sie doch eigentlich alleine im Haus sein? Völlig überstürzt ist sie hierher gereist, da ihre Mutter überraschend ums Leben kam. Sie wurde im Garten gefunden, mit abgefressenem Gesicht. 

Nun stöbert Alice in ihren alten Sachen (was uns ein willkommenes Wiederhören mit Veruca Salts Indie-Hit „Seether“ beschert) und findet dabei auch Videokassetten ihrer zahlreichen „Home-Auditions“ für eine Misswahl. Ihre Mutter schien dabei sehr streng auf das Erscheinungsbild ihrer Tochter zu achten. Bald mehren sich die Zeichen, dass Alice nicht allein im Mutterhaus ist und auf einmal überschlagen sich die Ereignisse. 

Das größte Plus an OTHER von David Moreau ist zugleich sein größtes Handicap: das Drehbuch von David Moreau. 

Problematisch ist das Skript in den Aspekten, die auch in anderen Genrefilmen nerven: Figuren verhalten sich unrealistisch oder unlogisch und bringen sich in Gefahr, wo dies einfach zu vermeiden wäre. Was das Buch jedoch viel besser macht als zahllose andere vor allem zeitgenössische Horrordrehbücher: es erklärt sehr wenig. Das kann beim Zusehen durchaus eine Herausforderung sein. Denn OTHER kombiniert bekannte Genre-Versatzstücke und auch einige eigene interessante Ideen und Motive, schafft es jedoch nicht ganz, am Schluss alle Teile zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzusetzen. Je nach persönlicher Veranlagung kann man sich über die losen Enden ärgern – oder sich freuen, dass im Horrorfilm endlich mal nicht alles einen Sinn ergeben muss. 

Dass der Regisseur Moreau uns während des gesamten Films kein anderes menschliches Gesicht als das der Hauptdarstellerin zeigt, kann man ebenfalls als inszenatorischen Manierismus oder als cleveres Konzept wahrnehmen – in jedem Fall macht es was mit einem. Und das ist mehr, als man von den meisten sonstigen Gruselfilmen behaupten kann. 

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