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Wie aus dem Gesicht geschnitten…

„Other“ geht relativ simpel in die Vollen und zurück in direktere Genrezeiten, mit ein paar leichten technischen Kniffen gewürzt: Eine Frau kommt in ihr geerbtes, riesiges und technisch gut überwachtes Elternhaus, weil ihre Mutter mysteriös umgekommen ist bzw. ohne Gesicht gefunden wurde. In ihrer neuen alten Bleibe fühlt sich die immer noch etwas rebellische, kinderfreie Frau aber allein aufgrund der Erinnerungen an ihre strenge Jugend zwischen Schönheitswettbewerben und mütterlicher Extreme nicht wohl. Doch als sie es dann nachts poltern hört, draußen dauernd eine Drohne kreist und die Videokassetten von damals eh schon alte Wunden aufreißen, ahnt sie, dass hier irgendetwas Monströses aus der Vergangenheit lauert… 

Zwei Seiten einer Schönheitsmedaille

„Other“ bläht sich nicht weiter auf als er muss und erzählt eine sehr straighte Monstermadnessstory mit bösesten Ursprüngen und Traumata. Nur versteckt er sich nicht hinter Metaphern, Überhöhung oder Drama, sondern ist schlicht und einfach ein kleines, feines Terrorfilmchen. Weit weniger verspielt und giallo'esk als sein hübsches Poster. Wesentlich mehr in-your-face… Oder eher ab-ist-your-face, ganz wie man es sehen will. Fettfrei und giftig. Wie man es von David Moreau erwartet. Kein Gamechanger. Aber „Other“ erfüllt seinen Zweck. Normalerweise kann ich mit Olga Kurylenko selten etwas anfangen, oft wirkt sie zu unterkühlt und steril. Der Gegensatz einer Sympathieträgerin. Aber hier passt das ins Bild und Konzept ihrer Rolle, Figur, ihres Schicksals. Dazu ein paar technische Spielereien, die man aber fast schon als rote Heringe abstempeln kann. Die kompakte Laufzeit und Inszenierung. Routinierte Egoperspektiven, Handyfahrten und Jumpscares. Alles sicher nichts Neues. Oder besonders clever. Oder nicht vorhersehbar. No no never. Aber eben hart, bissig, abgründig und ohne Gefangene zu nehmen. To the point. Wie man es heutzutage eben eher selten sieht. 

Fazit: tighter Throwback in simplere Horrorzeiten. In die 2020er („Barbarian“), in die 2010er („Housebound“), vor allem in die 2000er mit „[Rec]“ und Moreaus eigenem „Them/Ils“. Sogar in die 90er mit sowas wie „Castle Freak“. Mit einer richtig garstig-gemeinen Auflösung. Nicht schlau - aber hart. Passt für mich. 

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