Review

IShowDamage

Kein Fantasy Filmfest ohne den französischen Vielfilmer und meiner Meinung nach oft genug genialen (!) Quentin Dupieux, der mit „The Piano Accident“ seine vielleicht reifste, rundeste und radikalste Komposition auf die Welt loslässt - über eine (wortwörtlich!) schmerzfreie, weltbekannte Influencerin und ihr erstes Interview über sich selbst…

Die Klaviatur der Schmerzen

Mit weniger Lachern als vielleicht je, mit nahezu null Surrealität… Dupieuxs „The Piano Accident“ überrascht. Und kann Leute, die den „alten“ Dupieux erwarten, durchaus auf dem falschen Fuß erwischen. Die jüngeren Zuschauer, Fans solcher Influencer oder vielleicht Leute, die selbst in diese Richtung gehen, womöglich ebenso. Und trotzdem halte ich diese augenzwinkernde und doch bissige Abrechnung für einen der runderen Querschläger des französischen Enfant Terrible. Die Hauptdarstellerin macht das grandios und könnte in ihrer bizarren Art samt ihrer Marotten, ihrem Kichern und vor allem ihrer ungewöhnlichen „Krankheit“ als einziges etwas surreales Element herhalten. Und trotzdem ist die Story von „The Piano Accident“ meiner Meinung nach erstaunlich nah an der Realität und fast 1:1 so in der Realität denkbar. Aufdringliche Fans kriegen auch noch ihr Fett weg. „Jackass“ wird wunderbar zitiert. Alles schlägt einige creepy, traurige und resolute Haken. Die erhobenen Zeigefinger stoßen nie übel auf. Die Mittelfinger ebenso wenig. Jeden aufkommenden Funken an Mitleid für unsere gute „Magalie“ reißt sie sich selbst mit dem Hintern wieder ein. Und es gibt einige Gedanken und Anregungen zum Thema Talent und Popkultur, Berühmtheit und Internet, Fame und Fortune. Tiefsinniger als man je vorher hätte meinen können. Selbst wenn man meint Dupieux gut zu kennen. Lobenswert subjektiv und klar in seiner Kritik, seinem Ziel. Der Film will es weder allen recht machen noch will er allen eine reinzwiebeln. Er weiß ganz genau, wen er (meiner Meinung nach völlig zurecht!) im filmischen Fadenkreuz hat. Und das alles recht straight und on point, ohne abzuschweifen oder tonale 180s zu absolvieren. Das kennt man von Dupieux so gar nicht! Schmerzhaft scherzhaft. 

Lococaine

Fazit: Dupieuxs bisher bitterster, bösester und dringlichster Film. Erstaunlich wenig zu lachen. Fast philosophisch. Mit Wut im Bauch. Was für eine Abrechnung mit den „Talenten“ und dem Wahnsinn der jüngsten „Promis“ der Gen TikTok… Stark! 

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