Review

Neben seiner neuerdings auch politischen Aktivität ist Jon Voight trotz gesetzten Alters immer noch gefragt auch für den modernen (kleinen) Actionthriller, Marke The Painter (2024) oder Mercy (2023) zuletzt, dort seine Aufwartung, Aufarbeitung, Aufbereitung, Aufheiterung machend, seine darstellerische Kunst zuweilen noch zeigend, wenigstes das nicht gänzlich verlernt. Die Filme sind meistens kaum über dem Radar fliegend, Mercy war noch als Stirb langsam – Verschnitt und mit Jonathan Rhys Meyers als zweiter Zutat besetzt, The Painter (2024) war eigentlich nichts. The Last Gunfight selber ist von teilweise unbekannter Produktionsfirma (neben den geläufigen Republic Pictures sind es SP Media Group und Steven Paul Production), immerhin geht man (über Paramount Global Content Distribution) gleich und prompt in die Initiative, so eine Art The Tournament (2009), für Arme zumindest, es wird darüber diskutiert, Voight ist gegen diese Sorte Wettbewerb, eine Hälfte der Familie ist auf seiner Seite, der Rest dagegen, die andere Hälfte, also für den Wettbewerb:

Ein alljährlich durch Anton Skoll [ Rade Serbedzija ] ausgetragener "The Competition", a "brutal underground tournament, the world's top assassins face off against", wurde im vergangenen Jahr der eigentliche Sieger Will Griffin [ Lewis Jamison ] durch einen Betrug nicht bloß um seinen Gewinn von 25 Mio. USD, sondern auch um sein Leben gebracht, was nicht bloß seine Schwester Samantha [ Eloise Lovell Anderson ], sondern auch den sich schuldig fühlenden Nathaniel Turner [ Jon Voight ], der für dieses Jahr gleich mehrere Leute in und außerhalb des Turniers einschleust, darunter den unbedarften Jimmy [ Sam Symons ], seine eigene Frau Trudy und den mit Will befreundeten Steve McCabe [ Adam Woodward ]. Währenddessen gilt es sich nicht bloß gegenüber den 'The Reverend' [ Daniel Bernhardt ], zu verteidigen, sondern vor allem auch dem letztjährigen 'Gewinner'.

Eine Geschichte hat man mit dem Austräger, den Austragenden, ein Vierteljahrhundert her, ihn damals betrogen, um ordentlich Geld. Farblich kräftig ist man auch gehalten, eine rasche Vorstellung, eine Party startend in den ersten Minuten, auch viele Statisten, Voight selber oft im Bild, trotz seines hohen Lenzes, er macht natürlich nicht im Wettbewerb mit, er ist dagegen, wie erwähnt, einen auf Weltordnung gemacht, auf Internationalität, auf Übertragung in den ganzen Globus, eine erste richtige Actionszene präsentiert; eine Art Schusswechsel auf leeren Straßen, auch hier mit Einblendungen der Mitwirkenden, in einer streng abgegenzerten, abgegrenzten Zone, die Gesellschaft als Zuschauer passiv außen vor, der Reverend als mit entscheidender Faktor im Geschehen, einige gekonnte Zeitlupen eingespielt und viel in Bewegung, warum auch nicht. Knallen tut es (in den Nu Boyana Studios) zumindest häufiger, auch Materialverschleiß, einiges an Trefferwirkung, dazu eine Moderation, die Spiel manipuliert auch, die Bank gewinnt, das ist immer so, ein Jahr später die eigentliche Handlung beginnend. Eine Vorbereitung wird getroffen, eine Planung, für die Rache, die Revenge, der nächste Wettbewerb steht an, man will sich an den Großen versuchen, dem kommenden Running Man vorneweg gelaufen, ein Wettbewerb und eine Vergeltung, eine familiäre Angelegenheit. Um monetäre Belange wird sich auch gekümmert, man will an die Finanzen ran, den Gegner bankrott machen, mit allem drum und dran.

Eine Einführung ist halbwegs gelungen, es sieht ganz gut aus, die Kamera weiß um ihre Arbeit und ihre Tätigkeit, der Regisseur James Bamford, bekannt für zuletzt High Ground (2025) und davor Air Force One Down (2024) scheinbar um seine Fähigkeit, es wird sich nicht gänzlich Bluternst verhalten, es ist ein Spiel, nur mit Toten, mit Menschenleben als Einsatz, eine Satire vielleicht ein bisschen, eine Groteske, nicht zu aufdringlich, aber durchaus mit dem richtigen Einsatz zur richtigen Zeit, dazu ein Zwerg und eine Großmutter als Kombattanten, "The Competition" wird begonnen, ein Plan geplant, ein Versuch unternommen. "This is getting interesting.", "Keep an eye on her, and them.", viele Variablen, viele Konstanten, viel Drumherum, dazu einige arg kurze Kleider, eine erneute Präsentation. The Tournament hatte mehr Druck und Erfahrung natürlich, mehr Größe, hier wird sich im unteren Bereich der Mittelschicht entlang gehangelt, das ist schon etwas mehr als üblich, das ist schon mal löblich. Familienzwistigkeiten mal außen vor, einer der Hauptdarsteller sieht aus wie (der von Daniel Roesner gespielte) Paul Renner, der vorletzte Partner von Semir Gerkhan in Alarm für Cobra 11, eine seltsame Referenz, es wird sowieso eher auf Schein statt Sein gegangen, allein schon die Einleitung, der Teaser hatte mehr Action, als man letztlich präsentiert. Ein barbarischer Konflikt, Geld gegen Leben, für den Thrill und der Passion, der Obsession, dem Befolgen von Codes und Regeln, von moralischen und ethischen und finanziellen Kodexen. Eine Abfolge von Vorstellungen und Einführungen, von Mögen und nicht mögen, von Partnerschaften, die gewollt sind oder erzwungen, einigen Personen die Schuld gegeben und einigen den Heiligenschein.

Trotz flinken Start verbraucht man dann doch das erste Drittel für die Prämisse, man hat genügend Anreiz und Aufmerksamkeit zu bieten, auch das ist schön, es wird von einem kommenden großen morgigen Tag gesprochen, dann die Übertragung startend, Bernhardt wieder mehr im Bilde, als Priester mit Todesprinzipien, auch das kommt einem bekannt vor von woanders her, es wird nicht lange mehr diskutiert, es wird dennoch in die lange Distanz gegangen. Ab dem zweiten Drittel dann das Genre bedient, ein bisschen Verschwörung, ein bisschen Disput und Abwägen von Chancen, ein bisschen etepetete auch, die ganze Angelegenheit, ab und an die richtigen Worte und Einstellungen gefunden. Machiavelli wird zitiert, zum richtigen Moment auch, zum Startschuss der ganzen Situation, eine Art King of Killers (2023), mit weniger spektakulärer Besetzung, mit mehr Hinauszögern, mit neuen Regeln, mit noch einmal der Erklärung, wie das Spiel vonstattengeht, diesmal in einem mehr abgeschieden gelegenen Rahmen, dann die Live-Übertragung der erste Kopfschuss wegen Cheating, die Wetteinsätze gemacht, das Rennen beginnt, die ersten Ausgeschiedenen schnell gefunden, die Waffen gesucht und gefunden, einige Brutalitäten am Zeigen, da jubelt die Meute, Brot und Spiele im zeitgenössischen Setting, geeignete Akzentuierung der jeweiligen Auseinandersetzungen, mit der Spitzhacke, der Axt, dem Spaten, dem Baseballschläger usw., auch eine Autoexplosion durch Handgranate gezeigt, in drei, vier Perspektiven, in aller Aufmerksamkeit, die Details extra gezeigt.

Während sich die Leichensäcke füllen, da selbst in den Auszeiten und Ruhephasen nicht mit dem Töten aufgehört wird, wird bspw. in der zweiten Runde ein längeres Schwertduell in einer scheinbar einzigen Einstellung, mit stets agiler, aber nur mitgehender, nicht aktiv einschreitender oder eventuell hibbeliger Kamera spendiert, ein Würdigen der Choreografie und der Stuntakquise. Zu hoch loben braucht man den Film jetzt nicht, aber seine Funktion als Thriller im B-Action-Bereich erreicht er (trotz Nachhilfe von CGI-Blut etc.) problemlos, das ist so häufig zuletzt nicht gewesen, meist bei Kollege Adkins und dessen (besseren) Bestrebungen.






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